Er habe schon immer einen Hang zu englischen Fahrzeugen gehabt, erzählt Gebhard Zeller. Schon 1963 hat der heute 86-Jährige einen Austin Healey gefahren, damals noch in den USA. Heute steuert er sein zweites Exemplar ins Foyer West der Messe Friedrichshafen und parkt es zwischen einem klassischen Bentley und einem Jaguar. Ein weiterer Hingucker bei der Motorworld Classics Bodensee.

Zeller: „Oldtimer müssen Patina haben“

Für die Speichenfelgen, nicht auf Hochglanz gebracht, entschuldigt sich der Oldtimer-Fan. „Es gibt Leute, die putzen zwischen den Speichen mit der Zahnbürste“, das mag er nicht. Oldtimer, findet er, müssen Patina haben, man dürfe sehen, dass sie gefahren werden.

Die Innenausstattung des Austin Healey ist spartanisch, wirkt aber trotzdem edel.
Die Innenausstattung des Austin Healey ist spartanisch, wirkt aber trotzdem edel. | Bild: Anette Bengelsdorf

Noch vor einem Jahr fuhr er den Rennwagen mit Sechszylinder-Motor und 170 PS bei der Winter-Rallye „Seegfrörne“ rund um den See. Mit offenem Verdeck und ohne Heizung. Und das bereits zum zehnten Mal. Den Wagen, Baujahr 1962, hatte der Amateur-Rennfahrer bei einem Händler gesehen.

Der Händler bereute schon am nächsten Tag den Verkauf des Autos

Als dieser ihn schweren Herzens verkaufte – er wollte ihn am nächsten Tag wiederhaben –, bezahlte Zeller 30 000 DM dafür. „Heute würde er wahrscheinlich 70 000 bis 75 000 Euro kosten“, sagt Gebhard Zeller. Er will ihn aber unter keinen Umständen verkaufen.

Im Foyer West ist die Sonderschau British Cars zu sehen, Big Ben inklusive.
Im Foyer West ist die Sonderschau British Cars zu sehen, Big Ben inklusive. | Bild: Anette Bengelsdorf

Ende der 70er Jahre fuhr Zeller Bergrennen

Als Zeller 70 war, verordnete ihm seine Frau einen kleineren Rennwagen. Zum Höhepunkt seiner Rennkarriere, Ende der 70er Jahre, fuhr er einen Osella mit einem Formel-2-Motor mit 320 PS bei Bergrennen, wechselte auf einen Pedrazza-Rennwagen mit gleicher Leistung, bis ihn seine Frau auf 170 PS drosselte.

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Einmal klaute ihm jemand alle vier Räder

Einmal, erzählt er, hätten vor einer Spitzkehre die Bremsen versagt und er habe das edle Stück notgedrungen im Wald geparkt. Als ihn der Abschleppwagen holte, waren alle vier Räder weg. „Das war eine bittere Heimfahrt“, erinnert sich der Junggebliebene mit den Lachfältchen um die Augen. Beinahe hätte er damals seine Karriere an den Nagel gehängt. Denn als Amateur musste er alles selber finanzieren.

Die 23-jährige Chiara Aichele fährt Motorradrennen mit klassischen Maschinen, am Samstag auf dieser Moto Parilla, Baujahr 1956.
Die 23-jährige Chiara Aichele fährt Motorradrennen mit klassischen Maschinen, am Samstag auf dieser Moto Parilla, Baujahr 1956. | Bild: Anette Bengelsdorf

Chiara Aichele teilt die Leidenschaft ihres Vaters

Als Gebhard Zeller seine aktive Rennfahrer-Karriere beendete, stieg Chiara Aichele zum ersten Mal aufs Motorrad. Die Modedesignerin, damals 16 Jahre alt, teilte die Leidenschaft ihres Vaters Tobias. Nun wollte sie nicht mehr länger ihren Vater auf der Rennbahn anfeuern, jetzt war er dran, seine Tochter zu unterstützen.

23-Jährige startet auf der alten Maschine ihres Vaters

Zwei alte Motorräder besitzt die 23-Jährige – „moderne interessieren mich Null“ -, aber am Samstag wird sie mit der Maschine starten, die ihr Vater vor 35 Jahren zum ersten Mal bei einem Rennen fuhr. Eine Moto Parilla, Baujahr 1956. Eine Herausforderung, sagt ihr Vater, denn die Trommelbremsen werden über Seilzug bedient, greifen zwar schnell, brauchen Kraft, sind aber in der Wirkung schlecht. Dazu kommt, dass die Schaltung anders funktioniert als bei modernen Maschinen.

„Die Königsklasse der Konzentration“

Auf der Rennstrecke muss die junge Frau zusätzlich den Zündzeitpunkt verstellen und die Luftmenge für den Vergaser regeln. Und das bei 9000 Touren in der Minute. „Die Königsklasse der Konzentration“, wie ihr Vater anerkennend sagt. Obwohl Chiara Aichele zum ersten Mal auf diesem besonderen Motorrad sitzen wird, hat er keine Bedenken. „Sie musste reifen, bevor ich ihr erlaubte, dieses Motorrad zu fahren.“ 185 Stundenkilometer leistet die 23-PS-Maschine. „Ich glaube nicht, dass ich hier so schnell fahren kann“, meint Chiara Aichele, will es aber auf jeden Fall versuchen.

Auch eine Bulli-Ausstellung ist zu sehen. Cora Birk macht sich schick für den Ausflug im Modell Samba.
Auch eine Bulli-Ausstellung ist zu sehen. Cora Birk macht sich schick für den Ausflug im Modell Samba. | Bild: Anette Bengelsdorf