Die Strafverteidiger Ralf Steiner und Theodorus Germalidis haben am Donnerstag im Landgericht Ravensburg im Hoßkircher Mordprozess den Aussagen und Erkenntnissen von mehr als 50 Zeugen und fast einem Dutzend Sachverständigen seit Prozessbeginn im November 2017 widersprochen. Ihre These: Eine unbekannte dritte Person hat die Ehefrau des Angeklagten am Abend des 25. Februar 2017 getötet, den Mann schwer verletzt und am Unfallort außerhalb von Hoßkirch über einen Acker geschleift und dort liegen gelassen.

Verteidigung will neue Sachverständige und Zeugen

Fazit von Ralf Steiner: "Der von der Staatsanwaltschaft behauptete Geschehensablauf hat so nicht stattgefunden.“ Deshalb sollen neue Sachverständige und Zeugen gehört werden. Für den 20. Verhandlungstag am Freitag wurde allerdings nur ein Ehepaar aus der Nähe von Hoßkirch zur erneuten Zeugenaussage geladen. Sollten die weiteren Anträge der Anwälte abgelehnt werden, könnten Plädoyers und Urteil noch am Freitag ergehen. Ein Prozessbeobachter: "Es ist schwer vorstellbar, dass der Vorsitzende Richter Stefan Maier das Urteil am 'heiligen Ravensburger Rutenmontag' verkündet. Da kommen Tausende zum Festzug und die Stadt ist dicht.“

Verteidiger: Spuren an Schuhe entlasten Angeklagten

Mit ihrem Auftritt am Donnerstag schafften es die Verteidiger, Zweifel an der Schuld ihres Mandanten zu säen und im Fall der Ablehnung ihrer Beweisanträge Argumente für eine spätere Revision zu sammeln. Folgte man ihren Ausführungen, war von dem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern bereits eine einvernehmliche Trennung geplant und jeder solle seine eigenen Zukunft im Blick gehabt haben. Viel schwerwiegender aber: Die beim Angeklagten festgestellten Verletzungen könnten nicht bei dem Unfall entstanden sein, sondern müssten ihm beigebracht worden sein, so die Verteidiger. Unmöglich auch, dass der Mann noch fast 100 Meter über den Acker zurückgelegt habe. Nein, er sei über den Ackerboden gezogen worden, so die Verteidigung. Dies sei schon daraus ersichtlich, dass an den Außenseiten der Schuhe Dreckspuren gefunden wurden, nicht jedoch an den Sohlen.

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Und da gibt auch ein „großes Auto“ Rätsel auf, das an jenem Februarabend mehrfach auf der Gemeinde- Verbindungsstraße unterwegs gewesen sein soll. Neue Erkenntnisse erhoffe sich die Verteidigung auch durch die Ladung eines renommierten Hirnforschers der Uni Heidelberg im Zusammenhang mit dem erlittenen Schädel-Hirn-Trauma ihres Mandanten und den Folgen.

Staatsanwalt: "Für mich ist der Fall klar"

In seiner Stellungnahme wies der Erste Staatsanwalt Peter Spieler alle Beweisanträge der beiden Verteidiger ab und erklärte später: „Für mich ist der Fall klar."