Schnellerer Breitbandausbau, Digitalisierungsoffensive, FTB „Fiber to the building“ – oder Glasfaser ins Haus: Die Schlagworte sind allgegenwärtig und die Defizite schnell benannt. Komplexer ist die Realisierung vor allem in ländlicheren Regionen: Ein Konzept erstellen, die Planung konkretisieren, um Förderanträge formulieren zu können, die Baumaßnahmen managen und schließlich den Betrieb organisieren beziehungsweise einen Betreiber finden – zu möglichst günstigen Konditionen für die Nutzer. Für Planung und Realisierung gibt es seit 2015 große Förderprogramme von Land und Bund, die sich bis zum Vorjahr weitgehend ausschlossen, was mit der Novellierung des Bundesprogramms im August 2018 geändert wurde.

Hickhack bei Beitritt zu KommPakt.Net in Überlingen

Gemeinsam geht es besser. Das dachten sich die Kreisverwaltung und zahlreiche Kommunen im Bodenseekreis schon vor vier Jahren, als sie beschlossen, ein stabiles Rückgrat für die digitale Breitbandversorgung zu planen und erstellen, für das der Kreis die Verantwortung übernimmt; darüber hinaus einen Zweckverband zu gründen, der den Kommunen bei der Umsetzung der Baumaßnahmen zur Seite steht, und dem noch größeren Zusammenschluss KommPakt.Net, einer kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts, beizutreten, der auf dem Markt der Netzbetreiber erfolgreicher agieren kann.

Für das kommunale Glasfasernetz in Wutach wurden 240 Anschlussverträge unterzeichnet.
Für das kommunale Glasfasernetz in Wutach wurden 240 Anschlussverträge unterzeichnet. | Bild: Julian Stratenschulte

Wie schwer sich Kommunen allein mit ihren Entscheidungen tun, zeigte sich in Überlingen. Im Juli 2015 hatte der Gemeinderat den Beitritt zu Komm.Pakt.Net. beschlossen, im November 2015 wieder einen Rückzieher gemacht, um mit einer Eilentscheidung von Oberbürgermeisterin Sabine Becker 2016 dann doch beizutreten.

Ähnlich schwer tun sich manche Gemeinden derzeit mit dem Zweckverband Breitband, der ursprünglich schon in diesem Monat gegründet werden sollte. „Mitte 2019 wollen wir den Verband gründen“, erklärt Reinhold Schnell, Bürgermeister von Neukirch. Als Kreisvorsitzender des Gemeindetags versucht Schnell, den Zusammenschluss zu koordinieren und möglichst viele Gemeinden mit ins Boot zu holen.

Die stilisierte Datenautobahn an einem Gebäude im Überlinger Gewerbegebiet Oberried.
Die stilisierte Datenautobahn an einem Gebäude im Überlinger Gewerbegebiet Oberried. | Bild: Hanspeter Walter

Eine Konzeption für seinen Kernort hat nicht nur Neukirch. Für viele Kommunen hat nach einer Ausschreibung des Landkreises die Firma MRK Media AG einen FTB-Masterplan erstellt. Als kleinere Gemeinde die Umsetzung selbst zu realisieren, darin sieht sich Schnell aufgrund der schlanken Verwaltung schlicht überfordert. Denn es
gelte eine konkrete Planung zu entwickeln, die Ausschreibungen der Arbeiten vorzunehmen und schließlich das Netz zu erstellen. „Dafür müssen auch wieder Förderanträge gestellt werden“, sagt Schnell. Dieses Management soll der Zweckverband seinen Mitgliedern abnehmen.

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21 Kommunen hätten ihr Interesse bekundet, wie Pressesprecher Robert Schwarz vom Landratsamt erklärt. Eine Mitgliedschaft beschlossen wie zum Beispiel Bermatingen, Owingen und Salem haben längst noch nicht alle. Auch die beiden Zentren Friedrichshafen und Überlingen haben sich noch nicht entschieden. „Mit den Oberbürgermeistern Andreas Brand und Jan Zeitler muss ich noch einmal Gespräche führen“, sagt der Neukircher Schultes. Brand und Zeitler hatten im November bei Landrat Wölfle noch um Klärung einiger Fragen gebeten, bevor sie die Entscheidung ihren Gremien vorliegen wollten.

Nicht alle Grundstücks- oder Hausbesitzer machen mit

Die Dringlichkeit ist bei den Kommunen ganz unterschiedlich. So ist Friedrichshafen als T-City schon lange weitgehend sehr gut versorgt und hat nur kleinere weiße Flecken. Andere Gemeinden – wie Frickingen und Heiligenberg – arbeiten seit einigen Jahren sehr eng mit dem Stadtwerk am See und deren Tochter TeleData zusammen und nutzten die Erweiterung des Gasnetzes zum Ausbau der digitalen Versorgung. „Wir sind teilweise schon sehr gut versorgt“, sagt Heiligenbergs Bürgermeister Frank Ammann, „und wir werden die Ausbauplanung in den kommenden fünf Jahren sukzessive umsetzen.“ Dennoch werde man noch über einen Beitritt zum Zweckverband beraten und ernsthaft nachdenken. Auf der anderen Seite mache man auch ernüchternde Erfahrungen. „Alle schreien, sie wollen Glasfaser. Doch wenn der Anschluss da ist, ist es manchem Grundstücks- oder Hausbesitzer doch zu teuer“, sagt Ammann.

Die Verlegung von neuen Gasleitungen nutzte die Gemeinde Frickingen, um schon mal die Leerrohre für Breitbandkommunikation einzubauen.
Die Verlegung von neuen Gasleitungen nutzte die Gemeinde Frickingen, um schon mal die Leerrohre für Breitbandkommunikation einzubauen. | Bild: Hanspeter Walter

Ungeachtet dessen ist der flächendeckende Ausbau das Ziel. „Die Backbohne-Masterplanung liegt nun vor und wird momentan bei Mitverlegungsmöglichkeiten schon genutzt“, erklärt Robert Schwarz: „Aufgrund der wechselnden Förderkulissen wird für den aktiven Ausbau die Gründung des Zweckverbands abgewartet.“ Sobald der Zweckverband gegründet sei, gehe es an die Feinplanung und den aktiven Ausbau, um die aktuellen Lücken zu schließen.