„Warst du bei Pink Floyd auf einem Konzert?“, fragt Hannah aus Friedrichshafen Skylar aus Batesville (USA). „Nein, das ist ein Fake Shirt“, antwortet der, öffnet die Jacke und zeigt auf das Datum: „1972 gab es mich noch nicht.“ Die Gruppe lacht und macht sich auf den Weg. Heute besuchen die amerikanischen Austauschülerschüler mit ihren Gastgebern den Unterricht am Karl-Maybach-Gymnasium (KMG) in Friedrichshafen, nachmittags geht es in die Therme nach Überlingen.

Schüler aus den USA wollen sich in Deutschland zurechtfinden können

Die Schüler beider Schulen freuen sich über den Austausch. „Bei uns gibt es ein deutsches Festival, das hat mein Interesse für die deutsche Kultur geweckt“, sagt Camille. Grant hat Verwandte in Frankfurt. „Ich möchte mich mit ihnen unterhalten können und mich zurechtfinden, wenn ich allein wiederkomme“, sagt er. Seine Gastgeberin Hannah findet es spannend, die amerikanische Lebensweise kennenzulernen. „Sonst kommt man ja nur als Tourist dorthin.“

KMG-Lehrerin Claudia Keller erklärt den Gästen das Seehasenfest in Friedrichshafen.
KMG-Lehrerin Claudia Keller erklärt den Gästen das Seehasenfest in Friedrichshafen. | Bild: Corinna Raupach

Karl-Maybach-Gymnasium: Erster Austausch mit den USA

Es ist das erste Mal, dass das KMG einen Austausch mit den Vereinigten Staaten anbietet. Die Idee hatte Andrew Cambron, Deutschlehrer an der Batesville Highschool in Indiana. „Deutsch lernen hat nur Sinn, wenn die Schüler auch nach Deutschland fahren“, sagt er. Ihm ist auch wichtig, seinen Schülern eine Reise nach Europa zu ermöglichen. „Wir kommen aus einer kleinen Stadt, manche Eltern sind nie aus Indiana herausgekommen.“ Die Englisch-Fachschaft am KMG sei gleich begeistert gewesen, sagt Lehrerin Claudia Keller. „Bei den Schülern mussten wir auslosen, so groß war das Interesse.“

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Erfahrung der Gäste: „Es gibt keinen echten Schulgeist hier“

Seit einer guten Woche sind die Gäste in Friedrichshafen. Morgens tauschen sie ihre Erfahrungen aus. „Es gibt keinen echten Schulgeist hier. Meine Gastgeberin singt in einem Chor, aber der ist nicht an der Schule. Sie spielt in einem Orchester, auch nicht an der Schule. Und sie treibt Sport, auch nicht an der Schule“, wundert sich eine Teilnehmerin. Ein anderer sagt: „Ich habe gestern drei Referate gehört, niemand hat viel Technik verwendet.“ Die Gastschüler wundern sich, wie gut ihre Gastgeber Englisch sprechen und wie zurückhaltend sie im Auftreten sind. Im Anschluss erklärt ihnen Keller die Feinheiten des Seehasenfests. Beim Umzug liefen die Schüler mit.

Christoph Felder: „Geht vor allem um Unterschiede in Kultur und Lebensart“

Das KMG bietet noch Austauschprogramme mit Montpellier in Frankreich und einen Homestay ohne Gegenbesuch in Großbritannien an. „Das ist extrem wichtig, damit die Schülerinnen und Schüler andere Kulturen auch von innen erleben“, sagt Schulleiter Christoph Felder. Daher bemühe sich die Schule noch um einen Austausch mit Spanien. „Dabei geht es natürlich auch um die Sprache, aber vor allem um die Unterschiede in Kultur und Lebensart.“

Die Gemeinschaftsschule Schreienesch in Friedrichshafen pflegt einen Austausch mit Sarajevo.
Die Gemeinschaftsschule Schreienesch in Friedrichshafen pflegt einen Austausch mit Sarajevo. | Bild: GMS Schreienesch

Diana Amman: „Manchmal entstehen lebenslange Freundschaften“

So sehen es auch seine Kollegen von anderen weiterführenden Schulen. „Das ist Politik im Kleinen. Manchmal entstehen lebenslange Freundschaften – die führen dann schon keine Kriege gegeneinander“, sagt Diana Amman, Schulleiterin des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf (BZM).

Veronika Elflein: „Bildung gehört dazu und auch, andere Kulturen kennenzulernen“

Ihre Kollegin Veronika Elflein von der Realschule ergänzt: „Die Hauptaufgabe der Schule ist es, die Schüler auf das Leben vorzubereiten, da gehört Bildung dazu und auch, andere Kulturen kennenzulernen.“

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Svenia Bormuth: „Sie lernen voneinander und verstehen einander besser“

Auch persönlich profitierten die Schüler vom Austausch, sagt Svenia Bormuth, Leiterin der Realschule Ailingen: „Der Schüleraustausch stärkt das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler, sie lernen voneinander und verstehen einander besser.“

Kai Nopper: „Schüler haben in relativ kurzer Zeit unglaublich viel gelernt“

Kai Nopper, Leiter der Gemeinschaftsschule Schreienesch in Friedrichshafen, hat beobachtet, dass die Schüler in der relativ kurzen Zeit unglaublich viel lernen: „Das hat sich gleich bei den Vergleichsarbeiten Vera gezeigt.“

Trotz der Herausforderungen haben die Schulleiter keine Schwierigkeiten, genug Begleitpersonen für die Reisen zu finden. „Für Lehrer ist es ein 24-Stunden-Job, es ist sehr anstrengend. Wenn sie zurückkommen, ist die Erschöpfung groß, aber sie sind auch ganz beglückt“, beschreibt Diana Amman. Wie Axel Ferdinand sagt, Leiter des Graf-Zeppelin-Gymnasiums (GZG) in Friedrichshafen, liegt den Sprach-Fachschaften daran, die Beziehungen zu Schulen im Ausland aufrechtzuerhalten.

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Deutsch als Fremdsprache im Ausland weniger gelehrt

„Da sind auch unter den Lehrern Freundschaften entstanden.“ Lehrer haben bei einem Austausch zudem die Chance, ihre Schüler besser kennenzulernen. Das wirke nachher im Unterricht weiter. Eine Begrenzung erfahren die Programme dadurch, dass Deutsch als Fremdsprache im Ausland weniger gelehrt wird und dadurch die Zahl der ausländischen Interessenten sinkt.

Austauschreise auch als Projektarbeit

Die Gemeinschaftsschule Schreienesch gestaltet ihre Austauschreisen immer als Projektarbeit. In diesem Jahr stand der Austausch mit Cuenca in Ecuador unter dem Thema Nachhaltigkeit. „Wir waren mit unseren Gästen beim Biobauern, im Eriskircher Ried und auf der Mülldeponie. Bei ihrem Gegenbesuch hatten unsere Schüler ein ähnliches Programm“, sagt Nopper. In die ehemalige Olympiastadt Sarajevo ging es unter dem Motto „Sport verbindet“.

Austausch auch unter Lehrkräften

Auch Lehrer tauschen sich aus: Von der GMS Schreienesch und vom KMG fahren sie nach Polozk, von der Realschule am BZM nach Porto – immer mit der Idee im Hinterkopf, für Schüler weitere Austauschmöglichkeiten zu erschließen.