Dem 72-jährigen Lindauer Berufsfischer Christian Iwen ist, erstmals seit der sogenannten Bregenzer Übereinkunft im Jahr 1893, vom Freistaat Bayern sein Hochseepatent aus Altersgründen verweigert worden. Der Berufsfischer hat dagegen geklagt und in erster Instanz vor dem Kemptener Landgericht verloren. Der streitbare 72-jährige will weiter klagen und fühlt sich wegen seines Alters diskriminiert.

Zahl der Hochseepatente muss reduziert werden

"Ich bin zum Nichtstun verurteilt und kann derzeit nur auf den Bodensee schauen, darf aber nicht zum Fischen auf den See fahren", erzählt Christian Iwen wehmütig. Hintergrund dafür ist ein Beschluss der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), wonach wegen des Rückgangs der Fangerträge statt bislang 101 nur noch 80 Hochseepatente an Berufsfischer rund um den Bodensee ausgestellt werden sollen.

In Bayern von zehn auf sieben

Am bayerischen Ufer soll die Zahl der Patente von zehn auf sieben reduziert werden. Außerdem beschloss die IBKF im Jahr 2015, die Altersgrenze für Hochseepatente auf 70 Jahre festzulegen. Umgesetzt werden soll dies alles bis 2020.

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"Mir wurde mein Patent allerdings schon für das Jahr 2018 nicht mehr ausgestellt. Ich fühle mich fit, bin seit 54 Jahren Fischer und würde gerne weiter meinen Beruf ausüben", erklärte Iwen. Der Berufsfischer klagt deshalb mithilfe seines Rechtsanwaltes Michael Moser wegen Altersdiskriminierung. "Auch wenn wir in erster Instanz unterlegen sind, werden wir jetzt Berufung gegen das Urteil einlegen. Ich weiß, dass es schon jetzt nur 73 Hochseepatente gibt und 80 dürften es ja sein", rechnet Moser vor.

Landratsamt: Alterspatent wäre möglich

Christian Iwen könnte sich allerdings, so die Auskunft des Landratsamtes in Lindau, ein Alterspatent ausstellen lassen und mit weniger Netzen seinen Beruf weiter ausüben. "Ich wollte dies bislang aber nicht, da es mir ums Prinzip geht und ich es diskriminierend finde, dass ich, nur weil ich 72 Jahre alt bin, nicht mehr auf den See darf", sagt Iwen.

Anwalt: Petition an den Landtag

Anwalt Moser sieht das ähnlich: "Herr Iwen ist allein auf seinem Boot unterwegs, er kann gar niemanden anderen gefährden. Wir haben auch schon eine Petition an den Landtag gestellt und würden uns wünschen, dass uns Politiker unterstützen." Iwen und Moser berufen sich auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der 2018 in Lindau den Fischern die Zusage gemacht habe, dass sich die Reduzierung der Patente bis über das Jahr 2020 hinaus erstrecken dürfe.

Netze im Wert von vielen Tausend Euro hängen beim Lindauer Fischer Christian Iwen im Keller.
Netze im Wert von vielen Tausend Euro hängen beim Lindauer Fischer Christian Iwen im Keller. Foto: Susanne Hogl

Iwen setzt auf Unterstützung der Kollegen

"Ich habe auch mit anderen bayerischen Fischern und Kollegen aus Baden-Württemberg gesprochen, die mich unterstützen wollen und meiner Meinung sind", gibt sich Iwen kämpferisch.

Landratsamt: gerichtliche Überprüfung "völlig legitim"

Den Fischer ärgert auch die Tatsache, dass bei der IBKF zwar viele Verantwortliche sitzen, aber im Vorstand kein Berufsfischer vertreten ist. Im Lindauer Landratsamt, das für Hochseepatente zuständig ist, heißt es zum Patententzug: "Es gab bisher keine Entscheidung eines Gerichts über diesen Sachverhalt. Deshalb ist es völlig legitim, die Entscheidung der IBKF durch ein Gericht prüfen zu lassen. Wir haben keine weiteren Anfragen hinsichtlich der Beibehaltung des Hochseepatents über 70 Jahre hinaus. Das Landgericht hat die Klage bereits abgewiesen. Über die Erfolgsaussichten eines Rechtsmittels können wir keine Einschätzung abgeben", erklärt Sibylle Ehreiser.

Iwen: Patent bis 2025 als Kompromiss

Christian Iwen ist inzwischen zu Kompromissen bereit und wünscht sich, dass sein Hochseepatent bis zum Jahr 2025 ausgestellt wird und er für das Jahr 2018, in dem er keine Einkünfte aus der Fischerei hatte, einen Schadensersatz von 10 000 Euro zugesprochen bekommt. Denn seinen Beruf sieht er als Berufung: "Ich liebe die Fischerei und wollte eigentlich gerne so lange auf den See hinausfahren, bis ich nicht mehr mag oder es einfach nicht mehr geht."