Das neu aufgebaute Drohnenteam des Kreisverbands Bodenseekreis des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geht am 1. April offiziell an den Start. Bis dahin soll eine Gruppe von 17 Drohnenpiloten auf die Beine gestellt werden. Auch dazu diente der Helfertag des Kreisverbands im Berufsschulzentrum Friedrichshafen, denn hier wurden die Kandidaten für den Drohnen-Pilotenschein ausgebildet. Vier Fachberater haben ihn bereits und gaben ihr Wissen weiter.

25 Minuten hält der Akku die Drohne in der Luft, ehe sie wieder landen muss.
25 Minuten hält der Akku die Drohne in der Luft, ehe sie wieder landen muss. | Bild: Uwe Petersen

Drohneneinsätze müssen mit dem Flughafen abgesprochen werden

Doch warum ist ein Pilotenschein nötig? Jan Hinrichs, Bereitschaftsleiter beim DRK-Ortsverein Friedrichshafen, erklärte den Teilnehmern: "Unbemannte Fluggeräte, die nicht zu Zwecken des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden, gelten juristisch als Luftfahrzeuge. Deshalb gelten für uns auch sehr viel strengere Vorschriften als für Hobbypiloten." Das sei im Umkreis von Friedrichshafen besonders wichtig. Die Sicherheitszone rund um den Flughafen dürfe eigentlich gar nicht beflogen werden. "Der Tower am Flughafen muss jeden einzelnen Flug freigeben, so wie für einen Hubschrauber oder ein Flugzeug auch." Bei einem Katastropheneinsatz ginge es zur Not auch ohne Freigabe, "aber ich würde da vorsichtshalber auf jeden Fall anrufen. Das ist sicherer für uns und für den Luftverkehr."

Nur noch wenige Zentimeter über dem Boden: Der Schauflug mit Pilot Jan Hinrichs an der Fernbedienung ist erfolgreich beendet.
Nur noch wenige Zentimeter über dem Boden: Der Schauflug mit Pilot Jan Hinrichs an der Fernbedienung ist erfolgreich beendet. | Bild: Uwe Petersen

Vor dem Flug müssen viele Vorbereitungen getroffen werden

Einfach sei so ein Drohneneinsatz nicht. "Wir brauchen mindestens 30 Minuten am Startort mit Vorbereitungen, ehe wir von dort starten können." Das Gerät muss überprüft und eingeladen werden, Wetterdaten und eine genaue Karte des Einsatzgebietes werden mit dem Computer ermittelt, erklärte Hinrichs. Erst dann könne der Drohnendienst ausrücken. Auch vor Ort dauere es einige Zeit, bis die Drohne abheben könne. Allein das Orten der für das Fliegen nötigen Satelliten – es müssen laut Hinrichs mehr als sieben sein – sowie die Kopplung zwischen Drohne und Fernsteuerung könne einige Minuten dauern. Wie genau das abläuft, konnten die Lernenden bei einem Schauflug erleben.

Uwe Prinz (rechts am Bildschirm) zeigt den interessierten Kollegen die Aufnahmen der Kamera.
Uwe Prinz (rechts am Bildschirm) zeigt den interessierten Kollegen die Aufnahmen der Kamera. | Bild: Uwe Petersen

Kamera liefert Wärmebilder

Je nach Einsatz muss der Pilot die Drohne vorher auch programmieren, erklärte Hinrichs weiter. "Die Höhe, die Geschwindigkeit und die Kameraeinstellungen können dann vollautomatisch geflogen werden." Das sei besonders wichtig bei der Personensuche. "Dann können wir ein ganzes Gebiet rasterartig überfliegen und mit unserer Kamera aufnehmen." Die könne auch Wärmebilder liefern.

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Drohne soll bei Großbränden und in Katastrophenfällen eingesetzt werden

Für kleinere Einsätze lohne es sich nicht, die 5000 Euro teure Drohne in die Luft zu schicken. "Ehe wir da sind, ist der Brand gelöscht, der Unfall bearbeitet", sagte Hinrichs. "Bei Großbränden, bei größeren Katastrophenfällen und eben bei der Personensuche sehen wir die möglichen Einsatzgebiete." Michael Fischer, der als stellvertretender Kreisbrandmeister dem Seminar beiwohnte, zeigte sich begeistert. "Jetzt müssen die Einsatzleiter euch holen, damit sie beim Großeinsatz wissen, was sie erwartet." DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon ergänzte: "Das ist für uns ein neues Medium. Wir müssen Erfahrungen sammeln, wo es nützlich ist und wo nicht."

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Viele Fortbildungsangebote beim DRK-Helfertag

Jedes Jahr bietet der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Fortbildungen für seine Helfer an. Diesmal besuchten mehr als 130 Aktive aus dem Kreis und benachbarten Ortsverbänden die insgesamt 22 Seminare, die über den Tag verteilt angeboten wurden. Referenten lieferten den Teilnehmern Informationen aus erster Hand.

Mittagspause bei Traumwetter: Fast alle der mehr als 130 Teilnehmer genießen die Sonne auf dem Schulhof.
Mittagspause bei Traumwetter: Fast alle der mehr als 130 Teilnehmer genießen die Sonne auf dem Schulhof. | Bild: Uwe Petersen

Was es beim Thema Blutspenden zu beachten gilt

So auch Alfred Kneer: Der Referent des Blutspendedienstes erklärte den Teilnehmer die juristischen und die sachlichen Rahmenbedingungen beim Blutspenden. Die wichtigsten Eingangsbedingungen: "Sie brauchen ein amtliches Dokument, Sie sind mindestens 18 Jahre alt und Sie wiegen mindestens 50 Kilogramm." Weiteres Thema waren Flüchtlinge, die laut Alfred Kneer vermehrt zum Blutspenden kommen würden. "Die müssen das Formular ohne fremde Hilfe selbst verstehen und mindestens für sechs Monate im Land bleiben; sonst dürfen sie nicht spenden", erklärte er.

Großer Andrang beim Seminar "Leitsymptom Atemnot"

Die Referenten kamen von der Polizei, der Feuerwehr, dem Landratsamt und aus den eigenen Reihen. Gut besucht war die Fortbildung "Leitsymptom Atemnot", die von Jochen Reiter geleitet wurde. Das große Interesse wunderte ihn nicht: "Medizinische Themen haben in den letzten Jahren immer großen Andrang." In acht Gruppen ließ er die 29 Teilnehmer vier verschiedene Fallbeispiele bearbeiten, die dann im Plenum erörtert wurden. "Das Wichtigste ist, erst einmal die richtige Diagnose zu stellen, woher die Atemnot rührt."

Im Seminar "Leitsymptom Atemnot" erarbeiten 29 Teilnehmer in Kleingruppen Fallbeispiele. Hier von links: Sandra Sobeck (Langenargen), Harald Freier (Immenstaad), Agnes Wehrle und Luca Ünlü (beide Überlingen).
Im Seminar "Leitsymptom Atemnot" erarbeiten 29 Teilnehmer in Kleingruppen Fallbeispiele. Hier von links: Sandra Sobeck (Langenargen), Harald Freier (Immenstaad), Agnes Wehrle und Luca Ünlü (beide Überlingen). | Bild: Uwe Petersen

Auch Versicherungen und Arbeitssicherheit sind Thema

Andere Angebote des Helfertags widmeten sich den Fragen: Wie verhalten sich Rettungskräfte bei einem Amoklauf oder bei Terrorgefahr? Was ist zu tun bei Gefahrgutunfällen? Eine Hygiene-Fortbildung wurde ebenso angeboten wie ein Kurs mit Informationen zum Völker- und zum Wegerecht. Die Referenten behandelten auch Themen wie Versicherungen im DRK, Aspekte der Arbeitssicherheit und die "Rotkreuzgrundsätze im Alltag".