"Die Reisen, gerade bei uns am Bodensee, werden immer kürzer, aber die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen insgesamt ist gestiegen", erklärt Markus Böhm von der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH in Konstanz im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Man reagiere auf diese Entwicklungen und arbeite daran, dass die Gäste mehr vom Bodensee sehen.

Bei Touristen ist der Bodensee ein beliebtes Urlaubsziel: Viele unternehmen Ausflüge mit dem Schiff und haben ihre Fahrräder dabei.
Bei Touristen ist der Bodensee ein beliebtes Urlaubsziel: Viele unternehmen Ausflüge mit dem Schiff und haben ihre Fahrräder dabei. | Bild: Susanne Hogl

"Wir versuchen, den Urlaubern das sogenannte Touring näherzubringen, das heißt, dass sie an mehreren Orten rund um den See bleiben und so die ganze Gegend besser kennenlernen", erklärt Böhm die Idee. Seit es einen wahren Boom in Sachen E-Bikes gibt, werden die ohnehin schon beliebten Radtouren am und um den Bodensee immer beliebter, sagt Böhm auch und fügt hinzu: "Wir raten den Leuten allerdings, wenn möglich im Mai oder Juni zu kommen, dann sind die Radwege noch nicht so stark frequentiert." Neben Radfahren gehört das Wandern immer noch zu den beliebtesten Aktivitäten der Urlauber am Bodensee.

Im Sommer bleiben Gäste teilweise zwei Wochen in Immenstaad

In Immenstaad bleiben die Gäste nach Auskunft von Ute Stegmann, Leiterin der Tourist-Information, im Jahresschnitt fünf Tage oder sogar länger. "Im Sommer bleiben unsere Gäste deutlich länger, teilweise sogar zwei Wochen, aber wir bekommen den Trend zu Kurzurlauben durchaus auch zu spüren", erläutert Stegmann. Ihren Angaben zufolge sind die Beherbergungsbetriebe allerdings sehr flexibel, sodass die klassischen Buchungen von Samstag bis Samstag nicht mehr gefordert werden.

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Vermieter reagieren auf Entwicklungen

"Viele reisen lieber am Sonntag an, was meistens kein Problem ist, außerdem können die Vermieter gerade von Ferienwohnungen für kürzere Aufenthalte einen Kurzaufenthaltszuschlag verlangen", erklärt Stegmann die Regelung. Probleme gibt es in Immenstaad teilweise mit Vermietern, die ihre Wohnungen oder auch einzelne Zimmer über die beliebte Internetplattform "Airbnb" anbieten. "Wir schauen auch immer wieder auf die Seiten, um dann mit Vermietern zu sprechen, die uns nicht informieren und für ihre Gäste keine Kurtaxe oder andere Abgaben zahlen", so die Tourismuschefin. Anderseits kämen durch Internetportale oft auch jüngere Gäste an den Bodensee, was wiederum eine erfreuliche Entwicklung darstelle, so Stegmann weiter.

Sinkende Aufenthaltsdauer hat sich über Jahre entwickelt

In Friedrichshafen hat sich laut Stadtsprecherin Andrea Kreuzer das Tourismusverhalten im Laufe der Zeit verändert. "Die stetig sinkende Aufenthaltsdauer ist ein Phänomen, welches sich über Jahre entwickelt und nicht von heute auf morgen eintritt. Grundsätzlich kalkulieren Privatvermieter ihre Preise mit Mindestaufenthaltsdauer, um sicherstellen zu können, dass die Fixkosten gedeckt werden können."

Höhere Preise bei Kurzaufenthalten

In der subjektiven Wahrnehmung würden die Vermieter tendenziell flexibler und bestehen beispielsweise nicht mehr auf feste An- und Abreisetage. Dies könnte eine Reaktion auf die Entwicklung zu kürzeren Aufenthalten sein oder an der "neuen" Vermietergeneration allgemein liegen – oder eine Mischung aus beidem. "Dieser Wandel geht langsam voran. Ferienwohnungen, die kürzer vermietet werden, sind tendenziell hochpreisiger", so Kreuzer. In Friedrichshafen sei man bemüht, für die jeweiligen Zielgruppen optimale Pakete zu schnüren – für den klassischen Kururlauber oder die Wellnessbegeisterten, aber auch Tipps für Städteurlaub seien im Trend.

Vermieter mit eigenen Regelungen

Vermieter selbst haben für ihre Objekte oft eigene Regelungen getroffen, die dann meistens auch bestens funktionieren. Daniela Vogler, die auf der Lindauer Insel seit vielen Jahren eine Ferienwohnung vermietet, hat viel Erfahrung: "Wir haben zuerst für mindestens drei Nächte vermietet, aber das war immer ein großer Organisationsaufwand. Seit einiger Zeit vermieten wir nur noch wochenweise von Samstag bis Samstag und das Angebot wird sehr gut angenommen, dann wissen wir und auch die Gäste woran sie sind", erzählt Daniela Vogler. In den Wintermonaten müsse man allerdings flexibler sein. So können Gäste in der Zeit von Oktober bis März auch nur fünf Tage oder weniger bleiben – je nach Absprache. Aber dann koste die Wohnung entsprechend mehr, betont Vogler weiter.