Die Feuerwehr führt ein Doppelleben, und das ganz offiziell: Sie ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen und gleichzeitig ein Ehrenamt. "Die Ehrenamtlichen werden im Auftrag der Gemeinde tätig, sie erfüllen ehrenamtliche eine kommunale Pflichtaufgabe", sagt Friedrichshafens Stadtbrandmeister Louis Laurösch. Eine enge Vernetzung mit der Feuerwehr ist daher im Interesse aller Lokalpolitiker vom Gemeinderat über die Verwaltung bis zum Bürgermeister.

Oberbürgermeister ist nah dran

"Als Oberbürgermeister stehe ich persönlich in regelmäßigem Kontakt mit der Feuerwehr und vor allem mit dem Stadtbrandmeister. Zudem gehe ich zu den Jahreshauptversammlungen, wann immer es möglich ist", sagt Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand. "Traditionell spielt die Feuerwehr in der Lokalpolitik eine sehr wertgeschätzte und wichtige Rolle."

Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter sagt: "Die Beziehungen zur Feuerwehr sind sehr eng, die Zusammenarbeit deshalb auch sehr gut. Es gibt regelmäßige Jour-fixe und Abstimmungsgespräche zwischen Bürgermeister und Feuerwehrführung." Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer bindet die Feuerwehr auch bei baulichen Maßnahmen frühzeitig ein.

Bürgermeisterfamilie mit Drang zur Wehr

Der älteste Sohn von Eriskirchs Bürgermeister Arman Aigner ist bei der Jugendfeuerwehr, die Tochter will eintreten. Aigner engagiert sich über den regelmäßigen Austausch hinaus: "Wenn wirklich ein großer Unfall oder Hausbrand passiert, bin ich auch zu Nachtzeiten erreichbar und komme vorbei", sagt er.

Kreisbrandmeister: Nicht am falschen Ende sparen

Die Gemeinden müssen für ausreichende Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehr sorgen. "Da darf die Finanzkraft der Gemeinde gar keine Rolle spielen. Das Gesetz verlangt eine leistungsfähige Feuerwehr", sagt Kreisbrandmeister Henning Nöh. "Wenn es um die Abwägung zwischen Geld und dem Retten von Menschenleben geht, muss man sich das Sparen genau überlegen", sagt Ralf Meßmer. Dafür wird ein Plan für den Feuerwehrbedarf alle fünf Jahre fortgeschrieben und in den Gemeinderäten diskutiert.

Kommandant ist auch Gemeinderat

Auch die Räte laden die Feuerwehren zu Besuchen oder Übungen ein und informieren regelmäßig. "Ich bin oft im Gemeinderat, auch wenn es um Katastrophenschutz geht. Das ist eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit", sagt Laurösch. In Oberteuringen gehört Kommandant Alexander Amman selbst dem Gemeinderat an. "Da ist die Nähe sehr groß und das ist gut für die Feuerwehr", sagt er. Den engen Kontakt pflegen die Beteiligten permanent.

"Das ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Landkreis, Gemeinden und Feuerwehren", sagt Nöh. Die Feuerwehrplanung wird unabhängig von Legislaturperioden gestaltet, den Bodenseekreis sieht er gut ausgestattet. "Das ist auch kein Thema bei Wahlen, wir sind auf einer gesetzlichen Grundlage unterwegs."

Feste Größe in der Kommunalpolitik

Doch im Wahlkampf vor allem für das Bürgermeisteramt kann die Feuerwehr eine Rolle spielen. Bruno Walter: "Wird die Feuerwehr und deren Interessen nicht Ernst genommen, kann das durchaus Auswirkungen haben. Eine besondere Affinität zur Feuerwehr und deren Aufgaben sowie das Verständnis hierfür ist durchaus gefragt."

Kandidaten für das Bürgermeisteramt besuchen meist auch die Feuerwehr. "Die beiden Kandidaten in Oberteuringen haben sich vorgestellt und gefragt, was wir brauchen", sagt Amman. "Der neue Bürgermeister hat gleich ein neues Feuerwehr-Fahrzeug in den Haushaltsplan eingestellt." Auch Elisabeth Kugel, die seit Mitte Januar der Stadtverwaltung in Meckenbeuren vorsteht, hat eine Woche vor der Wahl eine Feuerwehrübung besucht.

Manchmal ist auch Neutralität angesagt

In Eriskirch hat die Feuerwehr darauf verzichtet, die Kandidaten vorher kennen zu lernen. "Das ist von der Sache her auch richtig. Die Feuerwehr ist Teil der Gemeindeverwaltung. Wie soll man damit umgehen, wenn man einen besser findet und der wird es dann nicht?", sagt Aigner. Auch dem Immenstaader Kommandant Claus Mecking war vor der Wahl die Neutralität wichtig, obwohl es nur einen Bewerber gab.

Am ersten Arbeitstag aber hatte Bürgermeister Johannes Henne schon einen Termin auf der Wache und ist zur Hauptversammlung ein paar Wochen später erschienen. Kommandant Mecking hofft jetzt auf eine ähnlich reibungsloses Verhältnis wie bei Hennes Vorgänger. "Wenn ein Bürgermeister die Feuerwehr bei spürbaren Problemen hinhält oder den Kommandanten verdursten lässt, kann das dem Amtsinhaber schon schaden. Feuerwehrleute haben Familien und sind im Ort etabliert", sagt er.

Ehrenamt genießt großes Ansehen

Vor allem aber gilt: Zum Mitmachen zwingen können die Gemeinden niemanden. Daher genießen Feuerwehrleute grundsätzlich eine hohe Wertschätzung – jeder ist freiwillig dabei. Kommunen, denen es möglich ist, gewähren jährliche Zuschüsse zur Kameradschaftskasse. In Immenstaad genießen zudem Feuerwehrleute mit ihren Familien freien Eintritt im Strandbad.

Bei verzögerten Investitionen verschickt die Wehr auch mal einen Brandbrief

Blick nach Owingen und Überlingen: Was wird dort für die Infrastruktur getan?

  • Die Frage, welche Rolle die Feuerwehr in einem Wahlkampf spiele, ist für Owingens Bürgermeister Henrik Wengert im Grunde müßig. „Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde“, sagt Wengert, der im vergangenen Jahr zur Wahl stand. Natürlich habe die Entwicklung der Feuerwehr auch in seinem Wahlprogramm einen wichtigen Platz eingenommen. „Doch die Aufgabenstellung ist gesetzlich vorgegeben.“ Auf dem Papier sei der Bürgermeister der Leiter der Feuerwehr. Deshalb führe er in Owingen auch im halbjährlichen Turnus ein Grundsatzgespräch mit dem Gesamtkommandanten Matthias Pasewaldt, um die Bedürfnisse im Detail kennen zu lernen. Die Gemeinde wisse zum Beispiel sehr wohl um den Nachwuchsbedarf bei der Feuerwehr. „Deshalb unterstützen wir die Werbeaktionen der Feuerwehr nach Kräften.“
  • Im Moment ist Bürgermeister Wengert ohnehin noch häufiger im Gespräch mit den Verantwortlichen, da die Planung des neuen Feuerwehrhauses für die zentrale Kerngemeinde in vollem Gange ist. In den Teilorten Billafingen, Hohenbodman und Taisersdorf wurde der Bedarf in den letzten Jahren sukzessive gedeckt. In Taisersdorf steht ein wasserführendes Löschfahrzeug, in Billafingen zusätzlich noch ein Mannschaftstransportwagen. Ein Unikat ist vor einigen Jahren in Hohenbodman entstanden, wo das neue Feuerwehrgebäude mit einem Dorfgemeinschaftshaus gekoppelt wurde und so bei Bedarf eine Doppelnutzung erfolgen kann. Dies bedurfte einer besonderen Genehmigung, doch mit dem Resultat konnten am Ende alle Seiten zufrieden sein.
  • Auf Hochtouren laufen derzeit die Planungen für das neue Feuerwehrhaus in Owingen selbst. Der Siegerentwurf für das Gebäude in der Ortsmitte entsprang einem beschränkten Wettbewerb und wurde inzwischen nach den Wünschen der Einsatzkräfte noch etwas modifiziert. Am gestrigen Donnerstag war nun im Owinger Rathaus ein Gespräch mit Kreisbrandmeister Henning Nöh anberaumt. Der Baubeginn ist allerdings erst im Jahr 2019 vorgesehen.
  • Nicht ganz so glatt läuft es in Überlingen bei der Umsetzung des Brandschutzbedarfsplans. Bei der Festlegung eines Standorts für den Ausrückebereich West hatte es Widerstand in Teilorten gegeben, bis das neue Zentrum in Nesselwangen realisiert werden konnte. Noch einige Jahre gedulden muss sich die Wehr in der Kernstadt, die schon vor zwei Jahren einen Brandbrief ins Rathaus und an den Gemeinderat geschickt hatte. „Mit Bestürzung und Entsetzen“ hatten die Verantwortlichen die Verschiebung von Investitionen beklagt, die unter anderem Sicherheitsmängel im zentralen Feuerwehrgerätehaus beseitigen sollen. Die müssen nun noch einmal warten, da eine Zusammenlegung des Ausrückebereichs Ost für Deisendorf, Nußdorf und das Gewerbegebiet Oberried in Altbirnau vorgezogen und beschlossen wurde. Wobei hier – entgegen der einstigen Annahme – zunächst noch ein neues Bebauungsplan aufgestellt und genehmigt werden muss.

Hanspeter Walter