Eis essen, im See planschen oder vor dem heimischen Ventilator Abkühlung suchen: Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke fallen Kindern unzählige Beschäftigungen ein, die sie besser finden würden, als in der Schule zu sitzen – zumal die Konzentration schnell nachlässt, wenn es zu heiß ist. Doch obwohl das Thermometer in dieser Woche auf bis zu 35 Grad klettern soll, können sich längst nicht alle Schüler im Bodenseekreis über Hitzefrei freuen.

Welche Regelungen gibt es?

„Eine bindende Regelung, ab welchen Temperaturen der Unterricht ausfällt, gibt es nicht“, sagt Stefan Meißner, Schulsprecher beim Regierungspräsidium Tübingen. Das entscheide grundsätzlich der jeweilige Schulleiter. Das baden-württembergische Kultusministerium empfiehlt den Schulen aber, sich an den aufgestellten Kriterien der Bekanntmachung zum „Ausfall des Unterrichts an besonders heißen Sommertagen“ zu orientieren. Demnach könne nach dem Ende der vierten Unterrichtsstunde Hitzefrei gegeben werden, wenn die Außentemperatur um 11 Uhr mindestens 25 Grad im Schatten beträgt. Die gymnasiale Oberstufe und berufliche Schulen seien davon aber in der Regel ausgeschlossen. „Entscheidend ist das körperliche Wohl der Schüler unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse vor Ort“, erklärt Meißner. Schulleiter seien jedoch dazu angehalten, sich mit benachbarten Schulen abzustimmen und möglichst gleichmäßig über ein mögliches Hitzefrei zu entscheiden.

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Warum gibt es so selten Hitzefrei?

Grundsätzlich gebe es heutzutage, selbst bei hochsommerlichen Temperaturen, immer seltener Hitzefrei, sagt Stefan Meißner. „Die Schule bekommt immer mehr Dienstleistungscharakter“, erklärt der Schulsprecher des Regierungspräsidiums. Vor allem an offenen Ganztagsschulen könne man Schüler nicht einfach um 11 Uhr nach Hause schicken. „Viele Eltern verlassen sich darauf, dass ihre Kinder betreut werden, das muss natürlich trotz Hitze gewährleistet sein“, so Meißner.

In Überlingen hängt die Entscheidung auch von der Schulart ab

Ob sich Schüler in Überlingen über Hitzefrei freuen können, hängt nicht nur von der individuellen Schule, sondern auch von der Schulart ab. So durften die Realschüler am gestrigen Dienstag die Bücher vorzeitig wegpacken, wie Schulleiterin Karin Broszat auf Nachfrage bestätigte. „Die Räume sind sehr aufgeheizt“, sagte sie. Es gebe im Schulgebäude fast keine Ausweichmöglichkeiten. Deshalb sei beschlossen worden, den Nachmittagsunterricht am Dienstag und voraussichtlich auch am Donnerstag ausfallen zu lassen. Den Unterricht am Vormittag müssen die Schüler allerdings ertragen. „Wir lassen konsequent nur die Nachmittagsstunden ausfallen“, sagte Karin Broszat.

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An den Grundschulen ist es allerdings nicht so einfach, den Schülern Hitzefrei zu geben. So heißt es aus der Grundschule Hödingen, dass dies gar nicht möglich sei. Die Eltern vertrauen darauf, dass die Kinder in der verlässlichen Grundschule während der Unterrichtszeit versorgt sind. Stattdessen werde versucht, die Schüler zu entlasten, indem beispielsweise kühlere Räume genutzt und die Hausaufgaben reduziert werden. In Hödingen gebe es zudem den Luxus, dass in den frühen und noch etwas kühleren Morgenstunden eine Reinigungskraft zur Stelle sei, die die Fenster öffnet und die Räume lüftet.

Häfler Gymnasiasten müssen schwitzen

Auch in Friedrichshafen und den Ortsteilen haben die Schulleiter in puncto Hitzefrei am Dienstag unterschiedliche Entscheidungen getroffen. Während die Schüler der Realschule Ailingen um 12.35 Uhr nach Hause gehen durften, wurde im Graf-Zeppelin-Gymnasium auch darüber hinaus weiter in den Klassenräumen geschwitzt. „Bis jetzt war es noch ganz gut auszuhalten“, sagte Schulleiter Axel Ferdinand auf Nachfrage. Er wünsche sich eine einheitliche Regelung und halte es grundsätzlich für ratsam, sich mit anderen Schulen im Umkreis abzusprechen. „Trotzdem ist das mit dem Hitzefrei nun mal nicht so einfach“, erklärte er, „es gibt nun mal verbindliche Betreuungsangebote für Schüler, die es einzuhalten gilt.“ Er hoffe einfach darauf, dass es bald wieder ein bisschen kühler wird und sei bis dahin optimistisch, dass der Unterricht trotz der sommerlichen Temperaturen stattfinden kann.

Nachdem alle Fünft- bis Zehntklässler Hitzefrei bekommen haben, ist das Markdorfer Bildungszentrum nahezu verwaist. An den hitzefreien Nachmittagen haben nur die Kursstufen-Schüler trotzdem Unterricht.
Nachdem alle Fünft- bis Zehntklässler Hitzefrei bekommen haben, ist das Markdorfer Bildungszentrum nahezu verwaist. An den hitzefreien Nachmittagen haben nur die Kursstufen-Schüler trotzdem Unterricht. | Bild: Jörg Büsche

In Markdorf ist man sich weitgehend einig

In Markdorf herrschte etwas mehr Einigkeit. „Schöne hochsommerliche Nachmittage am See“ hat Grundschulrektor Andreas Geiger seinen Schülern und deren Eltern bereits am Montag gewünscht. Dies in einem Brief an alle Mütter und Väter. Unter der Überschrift „Hitzefrei“ unterrichtete der Schulleiter die, dass am gestrigen Dienstag bis zum morgigen Donnerstag ab 12.15 Uhr die Schule ausfällt. Etwas länger in ihren Klassenräumen ausharren mussten die Schüler am Bildungszentrum. Sowohl das dortige Gymnasium als auch der Schulverbund aus Real- und Werkrealschule entließen die Kinder und Jugendlichen erst um 13.05 Uhr, nach der sechsten Stunde. Ausgenommen davon sind die Kursstufen-Schüler. Also jene, die in der J 1 beziehungsweise J 2 aufs Abitur hinarbeiten.

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„Früher habe ich mich ja immer gefreut, wenn wir Hitzefrei bekommen haben. Aber jetzt in der Kursstufe, scheint es doch vernünftiger, auch bei hohen Temperaturen zu lernen.“ (Linda Giesenberg, 18, Schülerin aus Markdorf) | Bild: Jörg Büsche

„Der Impuls geht immer vom Bildungszentrum aus“, erklärte Marianne Licciardi-Haberbosch, Konrektorin des Schulverbunds, der derzeit mit Veronika Elflein turnusgemäß die Koordinierende Schulleiterin des BZM stellt. Die trägt bei den aktuellen hochsommerlichen Temperaturen ihren übrigen Schulleiterkollegen in der Gesamtstadt den Vorschlag vor, den Nachmittagsunterricht ausfallen zu lassen. Und die haben allesamt zugestimmt, sodass außer am BZM, auch an der Jakob-Gretser-Grundschule und in der Grundschule in Leimbach sowie an der Pestalozzi-Förderschule Hitzefrei erteilt worden ist. Unterschiedlich geregelt ist, welche Nachmittags-AG entfallen und welche Betreuungsangebote trotzdem fortbestehen.

&bdquo;Ich gehe zwar in die elfte Klasse, habe aber trotzdem Hitzefrei &ndash; und freu mich natürlich drüber. Als G9-Schüler beginnt die Kursstufe für mich erst im nächsten Schuljahr.&ldquo; (<b>Charles Sampson</b>, 17, Schüler aus Markdorf)
„Ich gehe zwar in die elfte Klasse, habe aber trotzdem Hitzefrei – und freu mich natürlich drüber. Als G9-Schüler beginnt die Kursstufe für mich erst im nächsten Schuljahr.“ (Charles Sampson, 17, Schüler aus Markdorf) | Bild: Jörg Büsche