Ein Dauerlauf. Eher: Ein Marathon. Leon Hahn, 26 Jahre alt, in Salem und Überlingen aufgewachsen und Landesvorsitzender der Jusos Baden-Württemberg, ist knapp zwei Jahre lang gerannt. Der Start seines Marathons: Die Landtagswahl im März 2016. Das Zwischenstück: Der Erneuerungsprozess der SPD in Baden-Württemberg, der auf die Landtagswahl folgte. Das Ende: Der Bundestagswahlkampf, in dem er kandidierte, aufgrund eines schlechten Listenplatzes (Listenplatz 28) aber eigentlich keine Chance auf einen Einzug hatte. Und dann die Vollbremsung: der Wahlabend. Nun steht er da und verschnauft, ein, zwei Wochen gönnt er sich, dann soll es mit Vollgas weitergehen. Leon Hahn will für die SPD kämpfen. Jetzt erst recht! Das Ende ist also gar kein Ende, nur eine kurze Pause.

Doch bevor er nach vorne schaut, blickt er nochmal zurück. Auf den Wahlkampf, den Wahlabend und die Tage nach der Wahl. Zunächst der Wahlkampf. Warum kandidiert jemand wie Leon Hahn? Mit einem Listenplatz, der nicht der beste ist in einem Wahlkreis, der so schwarz ist, dass er "noch nie nicht von der CDU gewonnen wurde", wie Leon Hahn sagt, "auch, wenn bis 2005 auch ein SPD-Kandidat im Bundestag saß." Er erklärt: "Ich habe mich dazu entschieden zu kandidieren, weil ich glaube, dass es darum geht, gerade in den Zeiten von Trump und AfD ein konkretes Angebot zu machen."

Seine Kandidatur sei zum einen darauf ausgerichtet gewesen, das Bundestagsmandat zu erringen – "auch unser Landtagsabgeordneter Martin Hahn und die Grünen haben ja gezeigt, dass selbst im schwarzen Baden-Württemberg das Direktmandat der CDU nicht gottgegeben ist." Zum anderen sei ein Wahlkampf ein geeignetes Element, um Themen zu setzen.

Ziel ist auch Themen zu setzen

Der eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Armut, Digitalisierung – das waren die Themen von Leon Hahn. Am Herzen lag und liegt ihm auch eine Verjüngung der SPD: "Ich glaube, mit der ganzen Kampagne und all den Veranstaltungen haben wir, habe auch ich, es geschafft, diese Themen wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Und wenn letztlich auch das Mandat nicht dabei rausgekommen ist: Wenn das hängenbleibt, dann war es das schon wert." Für wen hat er also Wahlkampf gemacht? Für sich oder für die Partei? "Für beide", sagt er. "Ich glaube, dass ich ein guter Vertreter gewesen wäre und eine lautere Stimme im Bundestag für den Bodenseekreis." Und gleichermaßen war es ein Wahlkampf für die Partei, wie der 26-Jährige sagt.

Nach Monaten der Vorbereitung, der vielen Termine und Gespräche folgt der Wahlabend. Auch, wenn er mit dem Ergebnis gerechnet hat, war da "schon ein stückweit die Enttäuschung und auch eine gewisse Ratlosigkeit", wie er sagt. Denn Leon Hahn – und im Gefolge sein Team – sind ja, um im anfänglichen Bild zu bleiben, die ganze Zeit über gerannt und dann war das Ergebnis der Wahl die Vollbremsung. Nachdem die Ergebnisse verkündet sind, ist die Enttäuschung Leon Hahn und seinem Team schon ins Gesicht geschrieben.

"Und man fühlt da auch eine gewisse Ratlosigkeit. Denn wenn man über einen langen Zeitraum so kämpft und sich so bemüht, sowohl als Person als auch die Partei im ganzen Land, und dann so ein Ergebnis steht, kommt der Punkt, an dem man sich fragt: Waben wir Fehler gemacht, wo haben wir thematisch oder organisatorisch was falsch gemacht?" Am Wahlabend wird dann trotzdem noch gefeiert. Ganz einfach deshalb, "weil wir uns gesagt haben: Wir haben alles gegeben, was wir hätten geben können. Das feiern wir heute. Und morgen wird die Partei wiederaufgebaut."

Feiern und wieder aufbauen

Die Tage nach der Wahl: Am Montag hilft Leon Hahn seinem Wahlkampfteam, übrig gebliebene Wahlkampfgeschenke zu sortieren. Und dann sind da noch diverse parteiinterne Veranstaltungen. Am Dienstag fährt er mit seiner Freundin Ronja Nothofer, Kreisvorsitzende der SPD Reutlingen, an den Gardasee – ausspannen. Am Wochenende nach der Wahl feiert die Mama den 60. Geburtstag. "Man braucht nach so einer intensiven Zeit Ruhe. Und man braucht auch Luft, um durchzuatmen, um Kraft zu tanken, um auch ein stückweit ein Verständnis zu entwickeln, was eigentlich passiert ist. Und dafür, zu reflektieren, denn wir sind ja in Baden-Württemberg von der Phase des Landtagswahlkampfes in die Phase des Erneuerungsprozesses übergegangen, was ein ähnlich intensives Jahr war, und dann direkt in die Bundestagswahl gestartet, sodass nun eine sehr lange sehr intensive Phase vorbeigeht." Das Ende des Marathons.

Zur Person

Leon Hahn, Bundestagskandidat der SPD, errang im Bodenseekreis 18 Prozent der Erststimmen, es haben also 24 451 Menschen ihr Kreuzchen neben seinem Namen gemacht. Das sind 2,6 Prozent weniger als Hahns Vorgänger, der SPD-Bundestagskandidat Jochen Jehle, im Jahr 2013 errungen hatte. Bei den Zweitstimmen verzeichnete die SPD einen Rückgang von vier Prozent.

Leon Hahn ist Mitarbeiter des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Christian Lange, und Landesvorsitzender der Jusos Baden-Württemberg (emb).