“Hinten los! Vorne los!“ Blitzschnell wirft der junge Decksmann den beinahe armdicken Festmacher los, im Hafen lässt Major Öller einen zackigen Marsch spielen und unter lautem Hupen legt die MS Oesterreich am Donnerstag um 13.30 Uhr im Hafen von Hard zu ihrer dritten Jungfernfahrt ab. Wie auf einem Teller dreht das Bugstrahlruder das 54 Meter lange Schiff um 180 Grad, bevor es den Hafen verlässt.

Leinen los – am Donnerstag um 13.30 Uhr legte die MS Oesterreich mit zahlreichen Gästen zu einer Rundfahrt ab.
Leinen los – am Donnerstag um 13.30 Uhr legte die MS Oesterreich mit zahlreichen Gästen zu einer Rundfahrt ab. | Bild: Anette Bengelsdorf

Nach drei Jahren Planung und weiteren drei Jahren Bauzeit, nachdem ein Team von 25 Freiwilligen in 1100 Arbeitsstunden 75 Tonnen Material verbaut hatte, konnte die MS Oesterreich wieder zu dem zurückgebaut werden, was sie zum Zeitpunkt ihrer ersten Jungfernfahrt im Jahr 1928 war: Ein Luxusliner im Art-déco-Stil.

Viel Platz bei schönem Wetter bietet das Sonnendeck mit einer eigenen Bar.
Viel Platz bei schönem Wetter bietet das Sonnendeck mit einer eigenen Bar. | Bild: Anette Bengelsdorf

„Dieses Schiff ist kein Schrotthaufen, es ist ein Kulturgut“, war Jürgen Zimmermann überzeugt, als die Oesterreich verschrottet werden sollte und gründete 2014 den Verein „Freundeskreis MS Oesterreich“. Dem Geschäftsmann gelang es, zwölf Gesellschafter aus Vorarlberg ins Boot zu holen und mit der dafür gegründeten MS Österreich GmbH das Schiff für einen Euro zu kaufen.

Vom Hauptdeck führt eine großzügige Treppe nach unten in den Tanzsalon.
Vom Hauptdeck führt eine großzügige Treppe nach unten in den Tanzsalon. | Bild: Anette Bengelsdorf

Die Restauration habe deutlich mehr gekostet, als ursprünglich geschätzt, sagte Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser anlässlich des Festakts und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Deshalb hat sich das Land Vorarlberg gezwungen gesehen zu helfen.

Eine Bar im Art-déco-Stil versetzt die Gäste ins Jahr 1928 zurück.
Eine Bar im Art-déco-Stil versetzt die Gäste ins Jahr 1928 zurück. | Bild: Anette Bengelsdorf

750 000 Euro gab das Land zu den 400 000 Euro Gesellschafterkapital hinzu, das EU-Förderprogramm Interreg stockte den Etat um eine weitere Million auf, Patenschaften in Höhe von 320 000 Euro taten ihr Übriges. Daneben half den Enthusiasten ein Bankkredit, während der Bauarbeiten flüssig zu bleiben. 8,5 Millionen Euro hat die Restauration gekostet, mit weiteren 800 000 Euro schlägt die neue Landküche im Hafen zu Buche.

Michael Krentz richtet in der modernen Bordküche die Speisen für die Gäste an.
Michael Krentz richtet in der modernen Bordküche die Speisen für die Gäste an. | Bild: Anette Bengelsdorf

„Die logistischen und organisatorischen Herausforderungen sind anders als an Land“, erklärte Heino Huber, der sich seit 2011 um die Gastronomie der Hohentwiel kümmert. In der modern eingerichteten Küche an Bord der MS Oesterreich wird klar, was er meint. Michael Kreutz steht vor den großen Edelstahlpfannen und füllt die angelieferten Vorspeisen in Gläschen ab. Gekocht wird in der neuen Landküche, jetzt für beide Schiffe, vorzugsweise mit regionalen Bioprodukten.

Für den Damensalon wurden nach altem Vorbild neue Rattansessel gefertigt.
Für den Damensalon wurden nach altem Vorbild neue Rattansessel gefertigt. | Bild: Anette Bengelsdorf

In der Bordküche stapeln sich die fertigen Gläschen auf engstem Raum und werden vom Servicepersonal zügig nach oben transportiert. Die Gäste scharen sich um die luxuriöse Bar auf dem Hauptdeck, viele haben es sich bereits in den originalgetreu angefertigten Rattansesseln an runden Tischen im Dinnersalon gemütlich gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Stock tiefer, in elegantem Schwarz-Weiß gehalten, strahlt der Tanzsalon in altem Glanz. Doch das schöne Wetter hat die meisten aufs Oberdeck gelockt. Dort unter den Sonnensegeln lässt man inzwischen bei Weißwein oder Kaffee die Kulisse von Lindau vorüberziehen.

Die beiden Rettungsboote aus Mahagoni wurden in der Bootswerft von Willi Wagner in Bodman gebaut.
Die beiden Rettungsboote aus Mahagoni wurden in der Bootswerft von Willi Wagner in Bodman gebaut. | Bild: Anette Bengelsdorf

Die beiden Rettungsboote, nach historischen Plänen in der Werft von Willi Wagner in Bodman aus Mahagoni gebaut, wird man hoffentlich nie zu Wasser lassen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die MS Oesterreich lasse sich leichter steuern als die Hohentwiel, sagte Kapitän Robert Kössler, der den Schaufelraddampfer seit 28 Jahren steuert. Zudem gebe es noch einen Notantrieb. Für göttliche Unterstützung hat Bischof Elbs mit Weihwasser gesorgt.

Bischof Benno Elbs weihte die MS Oesterreich in Gegenwart von Kapitän Adolf Konstatzky.
Bischof Benno Elbs weihte die MS Oesterreich in Gegenwart von Kapitän Adolf Konstatzky. | Bild: Anette Bengelsdorf