Heiligenberg – Die Bezirksversammlung der Landfrauen der Bezirke Überlingen-Pfullendorf hatte die gemütliche Atmosphäre eines Frauenfrühstücks. Am Rande des offiziellen Teils und während der Pause blieb genügend Raum für entspannte Gespräche. Von den Frauen aus dem Ortsverein Pfullendorf mit Erzeugnissen von den Höfen der Mitglieder und anderen regionalen Produkten bewirtet, plauderten die Landfrauen über ihre Erfahrungen im Verband.

Einhellig waren sie der Meinung, es müsse stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen, dass die Vereinigung der Landfrauen nicht nur Frauen in der Landwirtschaft da sei, sondern ein offener Verein für alle Frauen sei, die im ländlichen Raum leben. Themen wie öffentlicher Nahverkehr oder die Pflege erkrankter Angehöriger betreffe alle Frauen im Kreis gleichermaßen. "Auf den Höfen ist es noch selbstverständlich, dass man seine Angehörigen zu Hause pflegt", sagte Gudrun Servay-Böttcher, Gründungsmitglied der Gruppe Markdorf/Seegemeinden. Aber viele wüssten nicht, dass sie auch Anspruch auf Zuschüsse oder Pflegegeld hätten.

Ilge Kreidler, ebenfalls Markdorfer Gründungsmitglied, stimmte dem zu. Sie lobte die vielen Vorträge und Fortbildungen, die über die Landfrauen und den Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) angeboten werden. Sie betonte, dass diese für Mitglieder oft kostenfrei seien oder nur eine geringe Teilnahmegebühr zu zahlen sei.

Insgesamt fühlen die Frauen der ersten Stunde sich im Verband gut vertreten. Sie bezeichneten die Zusammenarbeit mit dem BHLV als "super" und in der Bezirksvorsitzenden Kerstin Mock hätten sie eine gute Ansprechpartnerin.

Ebenfalls gut vertreten sieht sich Esther Kieninger-Thum, die zusammen mit ihrem Mann einen Vollerwerbsbetrieb mit Milchvieh betreibt. "Kleine und große Betriebe haben unterschiedliche Probleme. Der Verband ist für alle Betriebsgrößen gleichermaßen da." Wer sich hier nicht genug vertreten sehe, müsse selber aktiv werden, meinte die Mutter von vier Kindern. Eine Argumentation, wie sie auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Hahn zu diesem Thema vertritt: "Wir haben unterschiedliche Frauen in unterschiedlichen Betriebsgrößen. Ihre Interessenvertretung hängt auch davon ab, wie die Frauen sich selber einbringen."

Esther Kieninger-Thum ist eine derjenigen, die sich einbringen, sowohl als Schriftführerin im Ortsverein Deggenhausertal als auch als Beisitzerin im Bezirksvorstand. Sie wünscht sich Verbesserungen bei der Krankheitsvertretung. "Qualifizierte Einsatzkräfte zum Erhalt des Betriebs im Krankheitsfall fehlen", konkretisierte sie ihren Wunsch. Ein Wunsch, den viele ansässige Kleinbetriebe teilten. Landrat Lothar Wölfle meinte zur Situation im Kreisgebiet: "Im Bodenseekreis sind wir eher kleinparzellig aufgestellt, große Betriebe haben wir in Norddeutschland." FDP-Landtagsabgeordneter Klaus Hoher bestätigte, dass es viele Familienbetriebe gebe, die schon Jahrzehnte von ihren Höfen lebten. Auch zum Thema genfreie Futtermittel wünschte sich Kieninger-Thum mehr Aufklärungsarbeit: "Der Verband könnte bei der Transparenz mehr unterstützen." Genfreies Saatgut und Futtermittel seien teurer als genmanipuliertes. Die Verwendung müsse aufwendig lückenlos deklariert werden, aber der erzielte Milchpreis für genfreie Produkte decke die Mehrkosten nicht. "Die Wertschätzung der Verbraucher ist hier gering", bedauerte Kieninger-Thum.

Die Bezirksversammlung

Der Einladung zur Bezirksversammlung der Landfrauen folgten neben zahlreichen Mitgliedern der sechs Ortsvereine auch etliche offizielle Vertreter. Bezirksvorsitzende Kerstin Mock gab einen Rückblick auf die Fortbildungen und appellierte an die Frauen, an der aktuellen Online-Befragung zur Situation von Frauen in der Landwirtschaft teilzunehmen. Aus den Ergebnissen will das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Förderprogramme entwickeln. Außerdem stellte Mock die geplante Teilnahme der Landfrauen an der Landesgartenschau in Überlingen vor.

Anlässlich der aktuellen Regierungsbildung gab CDU-Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen einen Überblick über die Frauenthemen im neuen Koalitionsvertrag. Über die vielen Frauen in der Regierung freue er sich. Die Frage "Haben wir noch Männer in der Regierung?" verwirrte ihn aber kurzfristig, sodass er die designierte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner als die erste Frau in diesem Amt bezeichnete. Bernhard Bitterwolf, der als Kabarettist bei der Versammlung auftrat, reichte ihm Renate Künast und Ilse Aigner nach. Auch sonst hatte der Mundartsänger Spaß mit den "Großkopferten", wie er die Politiker humorig bezeichnete, und ließ Martin Hahn auf der Bühne das tun, "was Politiker am Besten können: heiße Luft produzieren".