Nach mehr als zwei Jahren zähen Verhandelns wurde am Dienstag im Kreistag die Einrichtung der Regiobus-Linie Konstanz-Markdorf-Ravensburg beschlossen. Zuerst hatte das Land die Linie als nicht förderfähig eingestuft, dann wollte man sich an den Fährekosten nur im Rahmen des Landkostenfördersatzes beteiligen. Aber nun kam doch die Nachricht aus dem Verkehrsministerium, dass für die Fährkosten 45 000 Euro zusätzlich bewilligt werden. Damit ist der Weg für den Regiobus aus Sicht des Bodenseekreises frei. Die Kreistage Ravensburg und Konstanz haben ihre Beteiligung allerdings noch nicht zugesagt.

Stundentakt auch am Wochenende

Über die Fährkostenbeteiligung des Landes freue man sich auch deshalb, weil die aktuelle Nahverkehrsverbindung zwischen Ravensburg und Konstanz „nicht ansatzweise die Standards erfüllt, die unser Nahverkehrsplan vorgibt“, sagte Irmtraud Schuster, Dezernentin für Kreisentwicklung. Setze man die Beteiligung der Landkreise Ravensburg und Konstanz voraus – wobei Ravensburg bereits Interesse bekundet habe – könnte der Fahrplan für den Regiobus theoretisch schon ab Dezember in Kraft treten. Dann soll es werktags zwischen 4.45 Uhr morgens und Mitternacht stündliche Verbindungen zwischen den beiden Städten geben. Samstags und sonntags soll der Stundentakt jeweils ein bis zwei Stunden später beginnen.

„Dem Land ist mit der Regiobus-Förderung ein großer Wurf gelungen. Das ist eine tolle Chance für die gesamte Region.“ – Henrik Wengert, Freie Wähler
„Dem Land ist mit der Regiobus-Förderung ein großer Wurf gelungen. Das ist eine tolle Chance für die gesamte Region.“ – Henrik Wengert, Freie Wähler | Bild: SK

Fahrtzeit beträgt 99 Minuten

Die Fahrtzeit zwischen Konstanz und Ravensburg soll mit 99 Minuten angegeben werden. Letzte Ankunft in Ravensburg ist 1.30 Uhr. Wegen der teils erheblichen Verspätungen der Städteschnellbusse auf der Linie 7373 hat man sich entschlossen, die Fahrtzeiten zu verlängern. So will man sicherstellen, dass alle Fahrgäste ihre Anschlüsse erreichen, erklärte Landratsamtsmitarbeiter Oliver Buck. Weiter gab er zu bedenken: „Es kann allerdings sein, dass sich der Start noch um ein paar Monate nach hinten verschiebt, weil wir im Landesdesign verkehren müssen.“

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Neue Optik bringt mehr Fördergelder

Dafür müssen die Busse äußerlich umgestaltet werden und auch die Sitze erhalten ein neues Aussehen, erklärte Buck weiter. Denn ohne die Optik seien nur 50 Prozent der Kosten förderfähig, mit seien es zehn Prozent mehr. Das falle bei einem Förderbasisbetrag von 1,23 Millionen Euro spürbar ins Gewicht.

Haltepunkte unter anderem am Markdorfer Bahnhof und im Ortskern von Oberteuringen

Bisher wird die Strecke Ravensburg-Markdorf-Konstanz werktags fünf Mal mit der Linie 7373 bedient. Am Wochenende gibt es nur samstags drei Verbindungen. Auf der neuen Linie soll künftig auch der Bahnhof in Markdorf als Haltepunkt eingebunden werden. In Oberteuringen wird laut Konzept zusätzlich der Kernort mit der Haltestelle Kirche angefahren. So soll an Werktagen sowie samstags der Anschluss an die Linie 14 von und nach Friedrichshafen ermöglicht werden. Zusätzlich sollen Bavendorf und Dürnast sowie das Gewerbegebiet Ravensburg-Erlen angebunden werden. Dort gibt es derzeit nur ein spärliches Nahverkehrsangebot.

„Auch im Hinblick auf die Klimaziele von Paris ist dies ein Schritt in die richtige Richtung zu einer Verkehrswende.“ – Helmut Faden, Grüne
„Auch im Hinblick auf die Klimaziele von Paris ist dies ein Schritt in die richtige Richtung zu einer Verkehrswende.“ – Helmut Faden, Grüne | Bild: SK

Landrat Wölfle: „Das Bohren dicker Bretter hat sich gelohnt“

Mit der neuen Regiobus-Linie kommen jährlich Mehrkosten in Höhe von 369 000 Euro auf den Bodenseekreis zu. Sowohl die Stadtwerke Konstanz als auch das Land Baden-Württemberg haben Entgegenkommen gezeigt. „Das Bohren dicker Bretter hat sich gelohnt“, zeigte sich Landrat Lothar Wölfle überzeugt. Georg Riedmann (CDU) fasste zusammen: „Dass es uns gelungen ist, das Land dazu zu bewegen, die Fähre als etwas anderes zu betrachten als eine asphaltierte Straße, ist ein weiterer kleiner Stein, der uns die Entscheidung erleichtert.“

„Dass es uns gelungen ist, das Land dazu zu bewegen, die Fähre als etwas anderes zu betrachten als eine asphaltierte Straße, ist ein weiterer kleiner Stein, der uns die Entscheidung erleichtert.“ – Georg Riedmann, CDU
„Dass es uns gelungen ist, das Land dazu zu bewegen, die Fähre als etwas anderes zu betrachten als eine asphaltierte Straße, ist ein weiterer kleiner Stein, der uns die Entscheidung erleichtert.“ – Georg Riedmann, CDU | Bild: Lang, Andreas

Einstimmiger Beschluss

Der Beschluss der Kreisräte, die Haftung für das Betriebskostendefizit zu übernehmen und die Mittel für die Umsetzung in den Haushaltsplan 2020 einzustellen, fiel einstimmig. Nun hoffe man, mit der Regiobus-Linie ein attraktives Angebot für den Ausbildungs- und Berufsverkehr schaffen zu können.

Georg Riedmann über den Kreistagsbeschluss

Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann, der auch CDU-Fraktionschef im Kreistag ist, äußerte sich am Dienstagabend im Markdorfer Gemeinderat wie folgt über den Kreistagsbeschluss:

Riedmann informierte die Stadträte, dass die Buslinie 7373 als Regiobus-Linie des Landes vorgesehen sei. Das Land habe im Vorfeld der Sitzung die zusätzlich erforderlichen 45 000 Euro für den Fähreverkehr zugesagt. Dass der Kreistag des Bodenseekreises nun beschlossen habe, den Anteil des Kreises zu übernehmen, sei eine tolle Sache. Wenn nun noch die Kreistage Ravensburg und Konstanz ebenfalls ihre Zusage erteilten, dann „haben wir eine unfassbare Verbesserung des ÖPNV auf der Linie von Ravensburg nach Konstanz“. Nun komme es aber auf die Beschlüsse in Konstanz und Ravensburg an. Deswegen könnten Landkreis und Kreistag auch noch keinen Vollzug melden. „Aber das Signal des Bodenseekreises ist ein starkes und wichtiges“, sagte Riedmann: „Bei diesem wichtigen Thema der ÖPNV-Verbesserung in der gesamten Region hat der Bodenseekreis ganz klar den Hut aufgehabt.“ (gup)