Beim Ausbau des Schienennetzes im südlichen Baden-Württemberg droht die Bodenseegürtelbahn zwischen Friedrichshafen und Radolfzell die letzte Lücke ohne Strom zu bleiben. Nun beschloss der Kreistag einstimmig, die Planung für die Elektrifizierung finanziell mit mindestens 900 000 Euro anzustoßen.

"Wenn wir es nicht in die Hand nehmen, wird nichts passieren", machte Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, deutlich. Landrat Lothar Wölfle sagte, dass der Kreis zwar nicht zuständig sei und man auch nicht wisse, ob es funktioniere: "Aber die Situation war bei der Elektrifizierung der Südbahn genau die gleiche."

Gemäß der Angaben aus der Sitzungsvorlage betragen die Kosten für die Planung einer elektrifizierten Vorzugsvariante voraussichtlich etwa 3,8 Millionen Euro. Anteilig zur jeweiligen Streckenlänge will der Bodenseekreis 60 Prozent der Kosten und der Landkreis Konstanz 40 Prozent übernehmen. Somit muss der Bodenseekreis mit Kosten in Höhe von 2,28 Millionen Euro rechnen. Anders als der Bund, der die Elektrifizierung des Streckenabschnitts nicht im Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen hat, stuft das Land die Bodenseegürtelbahn in die Kategorie "Vordringlicher Bedarf/Lückenschlüsse" ein, heißt es weiter in der Vorlage. Eine mündliche Zusage des Landes liege bereits vor: Es wolle ein Viertel der Planungskosten übernehmen, die auf den Bodenseekreis zukommen. Auch die meisten Städte und Gemeinden entlang der Bahnstrecke hätten bereits signalisiert, dass sie einen Beitrag zur Finanzierung leisten wollen, sodass sich die Kosten für den Bodenseekreis auf 900 000 Euro reduzieren könnten.

"Der Erfolg wird uns am Ende hoffentlich Recht geben. Die Bodenseegürtelbahn darf kein Dieselloch bleiben", sagte Edgar Lamm (CDU). Seine Fraktion verlange jedoch eine belastbare Finanzierungszusage des Landes. Unterstützt werden die Pläne auch von den Fraktionen der Freien Wähler und der Grünen. "Der Ausbau ist für uns ein Herzstück im Umweltverbund und steht auf der Prioritätenliste der Verkehrsinfrastruktur ganz oben", betonte Helmut Faden (Grüne). Norbert Zeller (SPD) sagte, dass er eine Hybridlösung für die Bodenseegürtelbahn kritisch sehe und erntete Applaus von den Kreistagsmitgliedern. "Wir wollen die Elektrifizierung der Strecke und keine Ersatzlösungen", sagte Zeller. Wilfried Franke zeigte sich hingegen offen für Brückentechnologien. "Das, was wir jetzt planen, wird bis zur Umsetzung voraussichtlich zehn Jahre dauern."

Gerlinde Ajiboye-Ames (FDP) unterstrich, dass der Kreistag jetzt Geschlossenheit zeigen müsse. "Nichts tun geht gar nicht." Roland Biniossek (Linke) schilderte die Zustände in den Waggons der Gürtelbahn, die er regelmäßig nutzt. "Sie sind ständig überfüllt und auch heute werde ich bei der Rückfahrt mit Sicherheit stehen."