Schon die Häuslebauer in der Bibel wussten, wie wichtig der Untergrund für den Hausbau ist: Auf Sand bauen, heißt es bei Matthäus, geht gar nicht. Das ist bis heute so. „Ich habe das oft erlebt, da wird die Baugrube ausgehoben und dann ist der Baugrund nicht so wie gewünscht. Dann müssen wir eine Baugrundverbesserung vornehmen“, sagt Holger Städele, Obermeister der Bauinnung im Bodenseekreis.

Das kann zu erheblichen Mehrkosten führen, sagt Meersburgs Bauamtsleiter Norman Zieger: „Ein großes Kostenrisiko ist immer das Vorhandensein von Altlasten oder die Tragfähigkeit des Baugrunds. Dies kann meist erst beim Bauen selbst abschließend beurteilt werden.“

Kostensteigerungen durch Mehraufwand

Der Landkreis ließ für die 2012 fertiggestellte Bahnunterführung in Neufrach ein Baugrundgutachten erstellen. Beim Aushub der Baugrube im Grundwasserbereich kam es anders: „Da der Baugrund wesentlich mehr Sandanteile aufwies, war der Boden größtenteils nicht mehr baggerbar und musste gespült werden“, sagt Pressesprecher Robert Schwarz. Durch den Mehraufwand stiegen die Kosten von geplanten 3,6 Millionen auf 4,05 Millionen Euro.

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Grundlage für die Schätzung von Kosten für den zu bauenden Kubikmeter Raum ist DIN-Norm 276. Sie bezieht Lage, Erschließung und Kosten vergleichbarer Projekte ein. Trotzdem werden öffentliche Bauten immer wieder teurer als veranschlagt. „Die einfachste und häufigste Erklärung ist die, dass während der Bauphase Wünsche entstehen, die in der Planungsphase noch nicht da waren“, sagt Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis.

Ausschreibungen mit viel Bürokratie verbunden

Bei kommunalen Vorhaben kommen weitere Ebenen dazu. „Die Ausschreibungen sind mit so viel Bürokratie verbunden, dass manche Betriebe gar kein Angebot abgeben“, sagt Beetz. Auch der Zeitrahmen ist aufgrund der Beschlussfassung in Gremien, Öffentlichkeitsbeteiligungen und Zuschussanträge oft lang.

Bürgerwünsche schlagen sich auf Kosten nieder

„Es kann Jahre dauern von der ersten Planungsphase bis zum tatsächlichen Bau, allein im vergangenen Jahr hat sich das Bauen im Bodenseekreis um fünf Prozent verteuert“, sagt Manuel Plösser, der als Kreisrat und Architekt beide Seiten kennt.

In der Zeit zwischen Plaung und Bau können sich Vorschriften etwa zur Energieeffizienz oder zum Brandschutz ändern. Bürgerwünsche wie Spielplätze oder Außenanlagen schlagen sich in Kosten nieder.

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Für die neue Sporthalle in Überlingen wurden 2015 insgesamt 20 Millionen Euro Baukosten eingepreist. Beim Spatenstich im vergangenen Herbst musste Oberbürgermeister Jan Zeitler einen Anstieg der Kosten allein für den Rohbau von berechneten 3,3 Millionen Euro auf 4,9 Millionen bekannt geben.

Hochkonjunktur im Baugewerbe

„Die Gründe dafür liegen vor allem in der Hochkonjunktur im Baugewerbe. Damit verbunden erhält die Stadt nicht nur weniger Angebote auf ihre Ausschreibungen, diese sind teilweise auch über den veranschlagten Kosten“, erläutert die Pressestelle der Stadt.

Auf Ausschreibungen teils keine Angebote abgegeben

Salems Bürgermeister Manfred Härle erhält auf Ausschreibungen oft wenige oder keine Angebote. „Größere Probleme als die Baupreissteigerungen bereitet uns die enorme Auslastung der Bauhandwerker“, sagt er.

Für die Erweiterung der Tettnanger Musikschule waren 890 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Die Angebote für die ersten Gewerke waren aber schon um 20 Prozent höher als geplant.
Für die Erweiterung der Tettnanger Musikschule waren 890 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Die Angebote für die ersten Gewerke waren aber schon um 20 Prozent höher als geplant. | Bild: Corinna Raupach

Die Stadt Tettnang hat beim Musikschulausbau die Ausschreibungen der ersten Gewerke zurückgenommen, weil die Angebote 20 Prozent über der Veranschlagung lagen. Für die Erweiterung waren 890 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Die hohe Nachfrage auf dem Baumarkt treibt die Kosten.

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„Wir sind so mit Aufträgen eingedeckt, dass wir keine Kampfpreisangebote machen müssen. Aber wir können mit den Preisen auch nicht übertreiben, schon wegen der Konkurrenz von Firmen aus Osteuropa“, sagt Innungsobermeister Städele. Die Ausschreibungen müssen europaweit vorgenommen werden.

Es gibt weitere Risiken fürs Budget

Das Engagement günstigerer Firmen von auswärts birgt jedoch andere Risiken fürs Budget: Sie kennen geologische und wirtschaftliche Besonderheiten nicht, Lieferengpässe bedeuten kostspieligen Zeitverzug und bei Qualitätsmängeln sind sie schwer zu greifen. „Ein ein regionaler Handwerker, der zu spät oder nicht ordentlich liefert, bekommt nie wieder ein Bein auf die Erde. Bei einem Betrieb aus dem Ausland gibt es kaum eine Handhabe“, sagt Architekt Plösser.

Voraussetzung ist eine gute Planung

Trotzdem schaffen es kommunale Bauträger häufig, im Kostenrahmen zu bleiben. Voraussetzung dafür sind Planungen, die Unwägbarkeiten mit bedenken und Reserven einstellen.

„Es ist gut, wenn das jemand mit Erfahrung macht“, sagt Städele. Manuel Plösser setzt auf gute Vorarbeit in den Gremien. „Im Ausschuss für Umwelt und Technik gucken wir genau auf die Vorhaben“, sagt er.

Es gibt auch positive Beispiele

Der Ausbau der Berufsschule, die Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften und Straßenbauprojekte kosteten nicht mehr als geplant, sagt Landratsamtssprecher Robert Schwarz: „Kostenexplosionen gab es hier in den letzten Jahren keine, sodass der Kreistag auch nicht nachlegen musste.“

Der Neubau der Mensa am Tettnanger Gymnasium blieb sogar unter den veranschlagten Kosten. „Tatsächlich haben wir die Baukostenobergrenze von rund 4,1 Millionen Euro unterschritten und liegen jetzt knapp unter vier Millionen“, sagt Stadtsprecherin Judith Maier.