Was lange währt, wird möglicherweise zum Halbstundentakt. Das Verkehrsministerium in Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation am Bodensee zu optimieren. Dazu gehört, über eine verbesserte Auslastung und Umweltbilanz der Fährverbindung zwischen Friedrichshafen und Romanshorn nachzudenken.

Öffentliche Mittel gefordert

Eine Verdichtung des derzeitigen Stundentakts der Fähre scheiterte bislang daran, dass die Betreiber für die Mehrkosten Unterstützung durch öffentliche Mittel einforderten. Das Verkehrsministerium in Stuttgart lehnt das nicht mehr grundsätzlich ab. "Die Landesregierung prüft im Moment, ob eine finanzielle Beteiligung an den ungedeckten Betriebskosten der Fährlinie rechtlich zulässig und finanziell möglich ist", erklärt Pressesprecherin Julia Pieper. Eine finanzielle Beteiligung des Landes an den Investitionskosten ist nicht vorgesehen. Vor zwei Jahren hatte das Ministerium noch erklärt, Schiffsverkehre nicht zu finanzieren, da es sie nicht zum öffentlichen Personenverkehr rechne.

Das könnte Sie auch interessieren

"Man kann nicht immer so tun, als ob man für öffentlichen Verkehr wäre, und dann nicht mehr da sein, wenn es zum Schwur kommt", sagt Norbert Zeller, Franktionsvorsitzender der SPD im Kreistag. Die SPD hat im Landtag einen Antrag eingebracht, der Auskunft über den Stand der Neuaufstellung der Fährverbindung fordert. Die Partei hält die Einführung eines engeren Zeitplans für sinnvoll. "Wenn ein Autofahrer zehn Minuten nach Abfahrt der Fähre ankommt, dreht er um und fährt um den See herum", sagt Zeller – eine Belastung für Umwelt und ohnehin überlastete Straßen.

Bodenseekreis sagt Beteiligung zu

Der Kreistag hat in seiner letzten Sitzung bereits beschlossen, dass der Bodenseekreis sich an den Kosten für den Ausbau der Fährverbindung beteiligen wird – vorbehaltlich der Potenzialabschätzung und der zu erwartenden Kosten für einen saisonalen Halbstundentakt. Voraussetzung dafür wäre allerdings das Engagement weiterer Partner. "Der nächste hilfreiche Schritt wäre es sicher, wenn sich das Land hier positiv positionieren würde", sagt Pressesprecher Robert Schwarz.

Stefan Thalmann: "Stundentakt wird schlecht angenommen"

Auf der Schweizer Seite ist der Entscheidungsprozess schon weiter. "Der Kanton Thurgau wäre bereit, die Hälfte der ungedeckten Betriebskosten zusammen mit dem Bund zu übernehmen", sagt Stefan Thalmann, der im Departement für Inneres und Volkswirtschaft für den öffentlichen Verkehr zuständig ist. Die Kantonsregierung plädiert schon lange für einen Halbstundentakt. "Der Stundentakt wird schlecht angenommen. Wir erhoffen uns von einem dichteren Takt eine wesentlich höhere Nachfrage, vor allem in Individualverkehr", sagt Thalmann. Dazu kommt, dass die Züge ab 2019 in Romanshorn jeweils um 15 oder 45 Minuten nach der vollen Stunde halten. Auch dazu würde ein Halbstundentakt bei der Fähre besser passen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit mehr Passagieren bei häufigeren Fahrten rechnet auch Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS). "Bei einem Halbstundentakt bräuchten wir neue Fähren, die etwas schneller fahren, sodass wir das mit drei Fähren abdecken können", sagt er. Die sollten auch ökologischer sein als die jetzigen, die mit Diesel betrieben werden. Die damit verbundenen Investitionen seien machbar. "Investitionen in Schiffe sind langlebig. Und wenn sie etwa mit Elektromotoren ausgestattet wären, gibt es da kaum Verschleiß und keine Wartung", sagt er.

Fähren sollen ökologischer werden

Auch die Stadtwerke Konstanz sind grundsätzlich bereit, den Halbstundentakt mit ökologisch angetriebenen Fähren gemeinsam zu betreiben. Allerdings müssten die ausgewiesenen ungedeckten Kosten von der öffentlichen Hand finanziert werden, sagt Pressesprecher Josef Siebler. "Die Fährverbindung wird derzeit auf deutscher Seite bekanntlich vollständig nutzerfinanziert und bedarf keiner öffentlichen Zuschüsse", sagt er. Bei einer Ausweitung auf einen Halbstundentakt rechnet er mit einem Zuschussbedarf von mehr als einer Million Euro im Jahr.