Gewässer sind wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Doch insbesondere Kleingewässer bildeten sich nicht mehr so häufig wie früher, sagt Kerstin Fröhle, Projektleiterin Biologie bei der Bodensee-Stiftung. Gründe für den Rückgang seien unter anderem: landwirtschaftliche Intensivierung, Siedlungsentwicklung und Entwässerung, so Fröhle weiter. Mit Rückbildung der Kleingewässer gingen auch Lebensräume und Nahrungsquellen für beispielsweise Wasservögel zurück. Herbert Koban, Ornithologe und ehrenamtlicher Helfer des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Überlingen, erläutert: "Wenn die Nahrungsgrundlagen beeinträchtigt sind, dann nimmt auch der Bestand der Wasservögel ab."

Projekt „Kleingewässer für die Bodenseeregion" erreicht sein Ziel

Um unter anderem diesem Rückgang entgegenzuwirken, entstand 2015 das Projekt „Kleingewässer für die Bodenseeregion". Koordiniert wird es von der Bodensee-Stiftung. Mindestens 60 Kleingewässer sollten in der Region um den Bodensee neu geschaffen oder restauriert werden. Laut Kerstin Fröhle wurde dieses Ziel bereits erreicht.

Im Bodensee und in den umliegenden Kleingewässern, wie hier im Bifangweiher, finden Wasservögel Lebensraum und Nahrung. Mit Projekten wie „Kleingewässer für die Bodenseeregion" sollen die Menschen für den Erhalt und Schutz der Gewässer sensibilisiert werden.
Im Bodensee und in den umliegenden Kleingewässern, wie hier im Bifangweiher, finden Wasservögel Lebensraum und Nahrung. Mit Projekten wie „Kleingewässer für die Bodenseeregion" sollen die Menschen für den Erhalt und Schutz der Gewässer sensibilisiert werden. | Bild: Privat

Neben Deutschland beteiligen sich Österreich und die Schweiz an dem Gemeinschaftsprojekt. Die Koordinierung über die Bodensee-Stiftung läuft noch bis Mai dieses Jahres. Die Initiative wird aber auch über 2019 hinaus existieren. Ermöglicht werde dies durch die Zusammenarbeit von Experten und anderen Beteiligten, sagt Fröhle: „Das heißt, dass sich die Partner mit ihren unterschiedlichen Strukturen zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern treffen und ein Erfahrungsaustausch stattfindet." Nach ihren Angaben hat sich so eine Netzwerkstruktur gebildet. Diese garantiere ein Bestehen des Projekts über den Monat Mai hinaus. Durch Öffentlichkeitsarbeit sei ebenfalls eine Nachhaltigkeit gesichert.

Menschen für Erhalt und Schutz der Gewässer sensibiliseren

Die Bürger können etwa an einer Gewässer-Rallye teilnehmen. "Das ist eine Art Stationenlauf zum Thema Gewässer", sagt Fröhle. Das Programm werde beispielsweise von der Heinz-Sielmann-Stiftung oder dem Landratsamt Bodenseekreis angeboten. Zwei von neun Projektpartnern. Maßnahmen an Kleingewässern, Führungen, Vorträge und Veröffentlichungen runden die Arbeit ab, die die Menschen für den Erhalt und Schutz der Gewässer sensibilisieren möchte.

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Wasservögel profitieren Fröhle zufolge konkret von mehr Nahrung und mehr Wasserfläche. Nach Angaben von Herbert Koban habe so beispielsweise der Bestand der Kolbenente zugenommen. Diese Entenart finde man ganzjährig am Bodensee vor, so Koban weiter. Als er mit der Wasservogelzählung im Dezember 1995 begonnen habe, sei sie auf der Strecke zwischen Ludwigshafen und Überlingen nur selten zu sehen gewesen. Inzwischen könne man die Kolbenente dort oft beobachten. Dies hängt laut Koban mit der gleichzeitig gestiegenen Armleuchteralgen-Vegetation zusammen. Die Algen dienen der Kolbenente als Nahrungsquelle. Doch nicht alle Wasservögel ernähren sich rein pflanzlich: „Es gibt reine Pflanzen- und Fleischfresser und auch Wasservögel, die sich von Beidem ernähren", sagt Koban. So ernähre sich beispielsweise die Stockente von Gräsern und Dreikantmuscheln.

Forschungsschiff schützt Wasservögel vor Störungen durch Sportler

Auch die "Netta", eine Schutz- und Forschungsstation, die für den Nabu im Bodensee im Einsatz ist, hilft den Wasservögeln: Die Tiere werden immer wieder von Wassersportlern gestört. Speziell durch Stehpaddler käme es zu Konflikten. Ornithologe Thomas Rödl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) meint, dies liege unter anderem daran, dass es für Stehpaddeln keine genauen Richtlinien gebe, wie zum Beispiel für das Segeln. "Die Menschen, die Stehpaddeln als Sport betreiben, haben meistens gar kein Bewusstsein dafür, dass sie sich gerade in einem Naturschutzgebiet bewegen", so Rödl weiter. An diesem Punkt schreitet die Besatzung der "Netta" ein: Das Schiff wird dort positioniert, wo die Schutzgebiete beginnen. Die Wissenschaftler machen die Wassersportler dann vom Boot aus darauf aufmerksam, dass sie sich in einem Naturschutzgebiet befinden und bitten sie darum, dieses zu verlassen.

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Störungen der Wasservögel sind zum Beispiel bei der Mauser, dem Erneuern des Gefieders, kritisch. Herbert Koban vom Überlinger Nabu erklärt, dass das Gefieder fast ganzjährig erneuert wird. Nach der Brutzeit betreffe die Mauser das Fluggefieder. Zum Beispiel Enten werden dann flugunfähig. Mindestens vier Wochen dauere die Erneuerung. „Wenn in dieser Zeit beispielsweise zwei oder drei Vögel aufgeschreckt werden, fliegen alle davon. Die Vögel, die nicht mehr fliegen können, weil sie sich in der Vollmauser befinden, schwimmen davon. Das ist mit mehr Kraftaufwand und starkem Energieverlust für sie verbunden", sagt Koban. Auch Thomas Rödl ist der Meinung, dass eine Störung fatale Folgen für die Tiere und für ihre nächste Brut nach sich ziehen kann. Im schlimmsten Fall verlassen die Tiere das Gebiet ganz.

Herbert Koban: Mensch ist nicht "die Krone der Schöpfung"

Koban sagt, es müsse ein zunehmend geschärftes Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der Mensch nicht unbedingt „die Krone der Schöpfung“ sei, sondern dass es neben ihm noch viele andere Arten von Lebewesen gebe, darunter auch die Wasservögel. Die Bodensee-Stiftung, der Nabu und viele andere Organisationen wollen weiter dafür Sorge tragen, dass dies gelingt. Nur der Mensch sei in der Lage dazu, seinen eigenen Lebensraum zu zerstören, sagt Koban. Der Mensch ist aber auch im Stande, seine Umwelt zu erhalten.

Herbert Koban ist für den Nabu tätig und sorgt sich um die Vogelpopulation am und um den Bodensee. Hier tauscht er in seinem Garten eine Futterkugel aus.
Herbert Koban ist für den Nabu tätig und sorgt sich um die Vogelpopulation am und um den Bodensee. Hier tauscht er in seinem Garten eine Futterkugel aus. | Bild: Pauline Sopata