Die FDP-Fans in Grasbeuren waren in Feierlaune. Doch Klaus Hoher ließ die liberalen Freunde lange warten, bis er um 20.45 Uhr in der rauchgeschwängerten Wirtsstube den Beifall der Mitstreiter und die Gratulation des Kreisvorsitzenden Hans-Peter Wetzel entgegennahm. Im Landratsamt hatte er noch bis zum Schluss auf das Endergebnis aus Friedrichshafen geäugt, das hinter dem Komma noch Entscheidendes verschieben konnte. Wenige Minuten später stand fest, dass der Salemer Landwirt die innerparteiliche Konkurrenz in Ravensburg und Reutlingen ganz knapp hinter sich gelassen hatte. Der Regierungsbezirk Tübingen hat mindestens zwei Mandate bekommen, das zweite ging nach Auszählung der Stimmen an den Bodenseekreis, und damit an den Salemer Klaus Hoher.

„Ein tolles Ergebnis, alles gut, ich bin zufrieden“, sprudelt es aus Klaus Hoher heraus, der es in seiner Heimatgemeinde auf 12,5 Prozent gebracht hat und im Kreis mit 9,1 Prozent rund einen Punkt über dem Landesdurchschnitt liegt. „Wir haben auch im Land die 8 Prozent geknackt, das ist super.“ Das Salemer Ergebnis führt er auf seine Präsenz zurück, im städtischen Milieu von Friedrichshafen tue sich die FDP immer schwerer.

Natürlich habe er Ambitionen, in einer neuen Landesregierung mitzumischen, sagt Klaus Hoher. In der Farbenlehre ist sich die FDP an der Basis innerparteilich noch nicht ganz grün. „Ich favorisiere die Deutschland-Koalition“, eifert Hoher allerdings dem Fraktionschef Rülke und seinem Kreisvorsitzenden Wetzel nach. „Für eine Ampelkoalition fehlen aus meiner Sicht die erforderlichen Schnittpunkte“, betont er. Einige Stimmen im Reiterstüble sehen dies anders. Überlingens Stadtrat Raimund Wilhelmi hat dies auch schon öffentlich kundgetan.

Anders Kreisvorsitzender Wetzel und Überlingens Ortsvorsitzender Wolfgang Mock. „In einer Ampel käme die FDP völlig unter die Räder“, fürchten sie. Sollte es nicht zur „Deutschland-Koalition“ kommen, denkt Wetzel schon eine wichtige Wahl weiter an den Bundestag. „Ich bete mal für Grün-Schwarz“, sagt der Kreisvorsitzende schmunzelnd: „Das gäbe der FDP bei der nächsten Bundestagswahl sicher großen Auftrieb.“