In der Kreistagssitzung kam es am Mittwochnachmittag so, wie Frank Amann von den Freien Wählern und Norbert Zeller (SPD) es im Vorfeld angekündigt hatten. Der Vorsitzende der Freien Wähler im Kreistag stellt zu Beginn der Sitzung den Antrag auf Absetzung des Tagesordnungspunkts fünf. Zeller machte in einer Gegenrede deutlich, warum er eine Auseinandersetzung mit dem Thema Aquakultur im Gremium für notwendig halte.

Zeller hatte im Vorfeld eine Expertenanhörung beantragt. Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, FWV und Grünen hatten laut Sitzungsvorlage der Verwaltung hingegen signalisiert, dass eine Anhörung im Kreistag nicht erforderlich sei, nachdem bereits Martin Hahn in seiner Funktion als Abgeordneter eine solche Veranstaltung zum Thema Aquakultur angeboten habe. Amann machte in der Sitzung nochmal deutlich, dass das Thema Aquakultur alle umtreibe. Allerdings sei das Meinungsbild innerhalb der Fraktion dazu noch nicht abgeschlossen. "Die aktuelle Gesetzeslage erlaubt keine Aquakultur im Bodensee", betonte Amann. Ansonsten bleiben momentan aber noch viele Fragen. Daher halte man eine Auseinandersetzung mit dem Thema im Kreistag zu diesem Zeitpunkt für nicht zielführend. "Das schließt nicht aus, dass wir uns zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Thema beschäftigen. Dann aber auf der Grundlage von umfassenden Informationen und Fakten."

Norbert Zeller sprach in seiner Gegenrede von einem neuen Umgangsstil im Kreistag, den er so bislang nicht erlebt habe. Er stellte die Frage in den Raum, ob hier jemand Angst vor einer offenen Debatte habe. Wenn man der Argumentation der Freien Wähler folgen würde, könnte man im Kreistag viele Themen nicht behandeln. "Auch beim Regionalplan, mit dem wir uns heute beschäftigen, ist vom Regionalverband noch nichts entschieden." Der Bodensee als Trinkwasserspeicher gehe alle etwas an und müsse allen ebenso viel wert sein wie etwa eine Verkehrsdebatte. Andere Gremien hätten dies erkannt und sich klar positioniert.

Es mute merkwürdig an, wenn es in der Sitzungsvorlage heiße, "es sei für die Kreisverwaltung nicht erkennbar, welchen Mehrwert eine Anhörung im Kreistag erbringen soll". Der Kreistag in Konstanz beschäftige sich beispielsweise demnächst mit dem Thema. "Vielleicht nehmen Sie mal Nachhilfe beim Landkreis Konstanz", forderte Zeller Landrat Lothar Wölfle auf.

Ansonsten könne er nur an das Gremium appellieren: "Lassen Sie die Diskussion zu." Bei der anschließenden Abstimmung sprach sich die Mehrheit der Kreistagsmitglieder für die Absetzung des Tagesordnungspunkts aus. Elke Dilger, Vorsitzende im Verband Badischer Berufsfischer am Bodensee, zeigte sich nach der Abstimmung vom Ergebnis enttäuscht. "Ich wusste, dass es die Bestrebungen und die Tendenz gab, dass der Tagesordnungspunkt abgesetzt wird. Ich hätte mir aber gewünscht, dem Gremium die Positionen der Berufsfischer zu erläutern." Hans-Peter Wetzel, FDP, machte vor dem Sitzungssaal sogar deutlich. "Sollte die Landesregierung Aquakultur im Bodensee irgendwann genehmigen, werde ich einen Volksentscheid anregen. Und ich bin mir sicher, wir würden das Quorum erreichen."