Friedrichshafen – 149 Mal sind Einbrecher im Jahr 2016 in Häusern und Wohnungen im Bodenseekreis eingebrochen. Die Tendenz für 2017 ist laut Polizeipräsidium Konstanz eher rückläufig. Aber ein Einbruch in den eigenen vier Wänden bedeutet nicht nur einen manchmal erheblichen finanziellen Schaden. Auch die Verletzung der Privatsphäre und das verloren gegangene Sicherheitsgefühl machen Betroffenen zu schaffen.

Im Bodenseekreis steht Hans Hunger, kriminalpolizeilicher Fachberater beim Polizeipräsidium Konstanz, den Bürgern in Sachen Einbruchsschutz mit Rat und Tat zur Seite. Statt von der Zahl der Einbrüche spricht er lieber von der Häufigkeitszahl. Gerechnet auf 100 000 Einwohner, liegt diese im Bodenseekreis bei 70. "In Baden-Württemberg beträgt sie 102", zieht Hunger den Vergleich. Auch die Aufklärungsquote von 53 Prozent liege kreisweit weit über dem Durchschnitt. "Bundesweit werden nur rund 13 Prozent der Wohnungseinbrüche aufgeklärt", sagt der Polizeioberkommissar.

Bekannt sei, dass Einbruchsdelikte im Winter eher zunehmen, da sich Einbrecher die Dunkelheit zunutze machen. "Anwesenheit vorzutäuschen, ist ein ganz gutes Mittel", empfiehlt Hans Hunger, "Eine Zeitschaltuhr muss nicht unbedingt sein. In einem Zimmer das Licht brennen zu lassen, kann schon reichen." In der Regel würden Einbrecher nicht zwei Stunden vor dem Haus warten, sondern den günstigen Moment nutzen.

Einen guten Überblick über die technischen Möglichkeiten zum Einbruchschutz bietet die kostenlose Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Konstanz in Friedrichshafen. "Sowohl für Türen als auch für Fenster kann der Einbruchschutz auch im Nachhinein deutlich verbessert werden", informiert Hunger. Er informiert nicht nur in der Beratungsstelle, sondern gibt auch vor Ort im Haus oder in der Wohnung Tipps für mehr Sicherheit.

Als Beispiele nennt er Fenster und Türen mit Pilzkopfzapfen, abschließbare Fenstergriffe und Zusatzsicherungen, die nachträglich montiert werden können. "95 Prozent der Einbrecher versuchen, zum Beispiel mit einem Schraubenzieher Fenster aufzuhebeln und so ins Haus einzudringen", weiß Hunger. Gelinge dies nicht, suchten die Einbrecher in der Regel das Weite. Als Erfolg der mechanischen Möglichkeiten sieht der Polizeioberkommissar, dass rund 40 Prozent der Einbrecher im Versuchsstadium stecken bleiben und nicht ins Haus gelangen. Habe man bereits mechanische Sicherungen, könne man eventuell zusätzlich über eine Alarmanlage nachdenken. Natürlich sorge auch ein Hund für Abschreckung. "Es können ruhig noch mehr Bürger zu uns in die Beratungsstelle kommen, denn jeder, der etwas macht, verhindert unter Umständen einen Einbruch."

Für Umbauten zur Einbruchsicherung gibt es die Möglichkeit einer staatlichen Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Für die ersten 1000 Euro gibt sie einen Zuschuss von 20 Prozent, für alles weitere zehn Prozent. Darüber hinaus bietet Friedrichshafen als einzige Stadt im Bodenseekreis ihren Bürgern seit 2017 weitere Förderungen, um Einbrechern das Leben so schwer wie möglich zu machen. "Die Sicherung jedes Fensterflügels und jeder Tür wird mit je 50 Euro bezuschusst", informiert Hans Hunger.

Die wichtigsten Tipps der Polizei

  1. Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit verschließen. Vorsicht: Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen.
  2. Die Haustür nicht nur ins Schloss ziehen, sondern immer zweifach abschließen – auch wenn man Haus oder Wohnung nur kurz verlässt. Bei Verlust des Schlüssels sollte man umgehend den Schließzylinder auswechseln.
  3. Haus- oder Wohnungsschlüssel niemals draußen deponieren. Einbrecher kennen jedes Versteck.
  4. Keinen Hinweis auf Abwesenheit wie tagsüber geschlossene Rollläden oder einen überquellenden Briefkasten geben.
  5. Eine gute Nachbarschaft pflegen. Viele Einbrüche können verhindert werden, weil die Nachbarn aufmerksam sind und die Polizei rufen.
  6. Beim Klingeln an der Haustür nicht bedenkenlos öffnen, sondern ein gesundes Misstrauen zeigen. In Mehrfamilienhäusern den Hauseingang auch tagsüber geschlossen halten und prüfen, wer ins Haus will, bevor der Türöffner gedrückt wird.
  7. Direkte Konfrontation mit dem Einbrecher vermeiden. Bei Gefahr und dringendem Verdacht sofort die Polizei über Notruf 110 informieren.
Die Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Konstanz in Friedrichshafen, Seestraße 1, ist dienstags bis donnerstags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Die Beratung ist kostenlos. Telefon 0 75 41/3 61 42 51. Informationen im Internet: www.k-einbruch.de