Erinnern Sie sich noch? Vorne gaben ihm die runden Kulleraugen auf den ausladenden Kotflügeln und die herunterhängende Nase ein niedlich-trauriges Gesicht. Und hinten? Ein ovales Guckloch, in der Mitte durch einen Steg geteilt, machte zwar für kleingewachsene Zeitgenossen das Rückwärtsfahren zum Blindflug, war aber das Markenzeichen des Gefährts, des "Brezelkäfers".

Zum 80. Jahr der Grundsteinlegung des Volkswagenwerks und in Anlehnung an das berühmte Käfer-Fenster hat die Messe Friedrichshafen eine Brezel backen lassen. Sie wird von Sybille Bayer (Geschäftsführerin Motorworld), Projektleiter Roland Bosch und dem Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen, Klaus Wellmann, präsentiert.
Zum 80. Jahr der Grundsteinlegung des Volkswagenwerks und in Anlehnung an das berühmte Käfer-Fenster hat die Messe Friedrichshafen eine Brezel backen lassen. Sie wird von Sybille Bayer (Geschäftsführerin Motorworld), Projektleiter Roland Bosch und dem Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen, Klaus Wellmann, präsentiert. | Bild: Anette Bengelsdorf

Auch Paul Newman hatte einen Käfer

"Das Fahrzeug ist absolut original, ich habe es nur neu lackiert", erzählt Manfred Krämer und öffnet nicht ohne Stolz die Fahrertür seines schwarzglänzenden Käfers Baujahr 1949. Er ist eines von 30 Exponaten der Sonderschau "80 Jahre Käfer", die auf der Messe "Motorworld Classics Bodensee" in Friedrichshafen gezeigt werden. Sie gibt einen Einblick in die Geschichte des legendären Automobils von seinen Anfängen bis zu den späten Exemplaren aus Brasilien. Darunter ein ganz besonderes Stück. Ein Käfer Cabrio, zugelassen am 1. Juli 1978, auf den populären Hollywood-Star Paul Newman. Mit knapp 1,6 Litern Hubraum und einer Leistung von sage und schreibe 50 PS war er im Vergleich zum ersten Nachkriegsserienkäfer eine Rakete.

"Meiner läuft 120, dann ist Schluss", sagt Krämer. Dabei verbraucht der schlichte Vierzylinder-Boxermotor mit 1200 Kubikzentimetern bei einer Leistung von 24,5 PS nur acht Liter Benzin. Nur wenn man mit Bleifuß fährt, können es auch mal neun Liter werden.

Einen ganz besonderen Käfer zeigt die Sonderschau. Sein Erstbesitzer war der Hollywood-Star Paul Newman.
Einen ganz besonderen Käfer zeigt die Sonderschau. Sein Erstbesitzer war der Hollywood-Star Paul Newman. | Bild: Anette Bengelsdorf

Geräuschlos schalten dank Zwischengas

Ursprünglich für das einfache Volk konzipiert, war das Fahrzeug extrem einfach gehalten. "Kutschenbau ohne viel Technik", wie der Fachmann sagt. Das Wechseln der Bremsflüssigkeit erübrigte sich, denn die Bremse wurde mit einem Seilzug bedient. Nur mit Zwischengas, um den Motor auf die richtige Drehzahl zu bringen, konnte man das unsynchronisierte Getriebe geräuschlos runterschalten. Blinker waren erst gar nicht vorgesehen. Stattdessen lupften sich die sogenannten "Winker" horizontal aus der B-Säule und zeigten wie Täfelchen die Fahrtrichtung an. "Für 1500 D-Mark hatte man sogar die Möglichkeit, ein Radiogerät einbauen zu lassen", erzählt der Seniorchef von Krämer Sportwagen-Service in Vogt. Doch für den durchschnittlichen Käfer-Fahrer war dieses Angebot viel zu teuer und stand in keinem Verhältnis zum Anschaffungspreis von etwa 4000 Mark.

"Fehlkonstruktion": Engländer täuschen sich gewaltig

Als Statussymbol hatte das bereits 1937 von Adolf Hitler geforderte "Volksauto" bald ausgedient. Schon die Engländer hatten es nicht ernst genommen und verzichteten nach dem Krieg auf die Demontage des Werks. Sie hielten den Käfer für eine Fehlkonstruktion. "Doch ohne Käfer kein Porsche", sagt der 66-Jährige, der nach eigenen Angaben früher gerne schnell unterwegs war. Bereits 1947 entstanden die ersten Entwürfe und 1948 ist der erste Porsche 356 auf die Straße gerollt. Mit dem gleichen Motor, 1100 Kubikzentimetern und 40 PS.

Knuffig, aber auch ein wenig traurig sah der erste Käfer aus. Dieser wurde 1949 gebaut.
Knuffig, aber auch ein wenig traurig sah der erste Käfer aus. Dieser wurde 1949 gebaut. | Bild: Anette Bengelsdorf

22 Millionen Fahrzeuge rollen vom Band

22 Millionen Mal wurde, so Krämer, das Motorenkonzept verbaut. Auch in Flugzeugen, Feuerwehrautos und Mähdreschern. So viel zur Fehlkonstruktion. Im Jahr 2000, erzählt der Mann, der von 1976 bis 1981 als jüngster Meister bei Porsche tätig war, sei er mit Heinz Rabe, dem Sohn des berühmten Porsche-Konstrukteurs Karl Rabe, die höchsten Pässe der österreichischen Alpen in seinem Käfer gefahren. "Da ist nichts kaputt gegangen, der hat das klaglos mitgemacht."

 

Details zur Messe

  • Dauer: Die Messe zur "Dreifaltigkeit" der Mobilität findet von Freitag bis Sonntag, 25 bis 27. Mai, in zehn Messehallen in Friedrichshafen statt. Die Motorworld Classics Bodensee ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. 800 Aussteller und Clubs aus 15 Ländern zeigen klassische Automobile, Motorräder, Flugzeuge, Boote und Traktoren. Daneben Zubehör und Oldtimerteile.
  • Programm: Neben Sonderschauen und Fachvorträgen finden täglich von 10 bis 17 Uhr Vintage-Demo-Rennen und Klassikerparaden statt, zwischen 14.30 und 15 Uhr eine Airshow mit Klassikern der Luftfahrt.
  • Eintrittspreise: Tageskarten kosten 18 Euro, Zweitageskarten 29 Euro, Familienkarten (zwei Erwachsene und alle Kinder zwischen 6 und 14 Jahren) 38 Euro. Online und ermäßigt jeweils 2 Euro reduziert. Besucher mit Oldtimern dürfen kostenlos im Freigelände oder in Halle A1 parken. Für 10 Euro kann ein Parkplatz im Freigelände online reserviert werden.