Gutes Wetter, blauer Himmel, Sicht auf die Alpen: Da darf am Bodensee der kreisende Zeppelin nicht fehlen. Doch der Zeppelin NT ist am Samstag nicht wie gewohnt durch die Lüfte geglitten.

Die Piloten zeigten bei den neuen Zeppelin-Flügen Xtrem, die am Wochenende Premiere hatten, wie viel mehr in den Luftschiffen steckt, als nur geradeaus dahinzufliegen und ihre Runden zu drehen.

Steigflug im 30-Grad-Winkel

Pilot Oliver Jäger und sein Kollege Marko Hollerer kehrten und wendeten den Zeppelin NT bei den drei Flügen in alle Richtungen. Während die Passagiere normalerweise die ganze Zeit über umherlaufen können, um Fotos zu knipsen, galt bei den Xtrem-Flügen meist Anschnallpflicht – auch für Flugbegleiterin Angelita Schmid.

Gleich steigt der Zeppelin NT in die Luft. Das Luftschiff hat ein Gewicht von etwa 400 Kilogramm und ist trotzdem wendig, lässt sich um seine Achsen bewegen.
Gleich steigt der Zeppelin NT in die Luft. Das Luftschiff hat ein Gewicht von etwa 400 Kilogramm und ist trotzdem wendig, lässt sich um seine Achsen bewegen. | Bild: Jenna Santini
Die Piloten Marko Hollerer und Oliver Jäger (von links) bereiten sich auf den Start vor. Sie können jeden Propeller an dem Zeppelin einzeln ansteuern. So werden die Manöver wie Nase senken und heben möglich. Hinter den Piloten steht Flugbegleiterin Angelita Schmid.
Die Piloten Marko Hollerer und Oliver Jäger (von links) bereiten sich auf den Start vor. Sie können jeden Propeller an dem Zeppelin einzeln ansteuern. So werden die Manöver wie Nase senken und heben möglich. Hinter den Piloten steht Flugbegleiterin Angelita Schmid. | Bild: Jenna Santini

Los ging es mit einem steilen Steigflug im 30-Grad-Winkel, bei dem es die zehn Passagiere über Friedrichshafen gleich ordentlich in die Sitze drückte. "Halten Sie Ihre Handys und Kameras gut fest", warnte die Flugbegleiterin, die den Flug über allerlei Informationen zu Friedrichshafen, Eriskirch, Langenargen, Kressbronn und Lindau parat hatte.

Der Zeppelin NT steigt über Friedrichshafen auf – und das steiler als gewohnt. Hoch geht es bei den Zeppelin-Flügen Xtrem in einem Winkel von 30 Grad.
Der Zeppelin NT steigt über Friedrichshafen auf – und das steiler als gewohnt. Hoch geht es bei den Zeppelin-Flügen Xtrem in einem Winkel von 30 Grad. | Bild: Jenna Santini

Hoch ging es bis auf eine Höhe von mehreren Hundert Metern – maximal möglich sind 1500 Meter. Der Bodensee zeigte sich am Samstagmorgen in einem karibisch anmutenden blau-grün. Die Alpen trugen auf den Bergspitzen noch etwas Schnee. Für diese Eindrücke sind die Zeppelin-Flüge bekannt. Zwischen die Begeisterung mischte sich jetzt auch Vorfreude, vielleicht etwas Anspannung. Denn es sollten noch mehrere waghalsige Manöver auf den Start folgen – zunächst eine Vollbremsung.

Der Zeppelin ist nicht so schwerfällig 

"Ein Zeppelin kann wie ein Hubschrauber in der Luft stehen bleiben", erklärte Pilot Oliver Jäger im SÜDKURIER-Gespräch. Gemeinsam mit seinem Kollegen ließ er das Luftschiff tanzen: die Nase nach unten und nach oben zeigen, eine Abwärtsspirale drehen sowie hin- und herwippen. Jeder Propeller eines Zeppelins kann einzeln angesteuert und geschwenkt werden.

 

Video: Monika und Christof Tittel

 

Dies macht die Einlagen möglich, die bei den Zeppelin-Flügen Xtrem gezeigt werden. Jäger ist sie am Samstag erstmals mit Passagieren an Bord geflogen. "Mit dem Projekt wollen wir zeigen, dass der Zeppelin nicht so schwerfällig ist, wie mancher vielleicht denkt", sagte der Pilot.

 

Normalerweise geht es nur darum, den Passagieren schöne Ansichten auf die Bodensee-Region zu ermöglichen. Bei den Xtrem-Flügen wird zusätzlich die technische Seite des Fliegens demonstriert.

Premiere der neuen Zeppelin-Flüge Xtrem am vergangenen Samstag. Auch hier gehören die schönen Aussichten auf den Bodensee und die Alpen dazu.
Premiere der neuen Zeppelin-Flüge Xtrem am vergangenen Samstag. Auch hier gehören die schönen Aussichten auf den Bodensee und die Alpen dazu. | Bild: Jenna Santini

Im Rahmen der Pilotenausbildung und von Werkstattflügen würden die Manöver schon immer geflogen, sagte Marketingleiterin Andrea Fischer. Doch nie mit Passagieren an Bord. Das wurde an diesem Wochenende nachgeholt.

Der Zeppelin kann um alle drei Raumachsen manövriert werden. Das hat trotzdem nichts mit Loopings zu tun und verursachte bei den Passagieren auch keine Gefühle wie auf der Achterbahn. "Doch für so ein riesen Ding ist es schon enorm", sagte Fischer. Der Zeppelin NT ist 75 Meter lang und 20 Meter breit. Und beim Hin- und Herwippen entwischte den Passagieren dann doch so manches lautes "Oh!". Viele Manöver sind mit dem Zeppelin möglich – einen Looping fliegen aber kann das Luftschiff nicht. 

Thomas Jungblut aus Bregenz streckt die Nase in den Wind. Zwischen den Manövern besteht Gelegenheit, aufzustehen und Fotos zu knipsen. Ansonsten gilt Anschnallpflicht.
Thomas Jungblut aus Bregenz streckt die Nase in den Wind. Zwischen den Manövern besteht Gelegenheit, aufzustehen und Fotos zu knipsen. Ansonsten gilt Anschnallpflicht. | Bild: Jenna Santini

Pilot Oliver Jäger machte im SÜDKURIER-Gespräch deutlich, dass in Sachen Wendigkeit noch einiges mehr möglich wäre. Aber: "Als Piloten wollen wir die Fahrgäste nicht ans Limit bringen." Das schöne Erlebnis steht im Mittelpunkt. Seit dem Jahr 2002 ist Jäger Zeppelin-Pilot. Zuvor flog er Hubschrauber. Im Cockpit des Zeppelins fühlt sich Jäger sehr wohl. "Ich genieße die Aussichten genauso wie Sie", sagte Jäger.

Anschnallpflicht für den Sinkflug

Der Zeppelin sei ein geniales Büro. Das Luftschiff hat Jäger schon nach Finnland, Afrika und in die Türkei geflogen. Unter anderem in Finnland diente der Zeppelin als fliegendes Labor. Dann finden sich im Fahrgastraum keine Sitze für Passagiere, sondern technische Gerätschaften, wovon die Passagiere am Samstag nichts ahnten.

Zeppelin-Pilot Oliver Jäger an seinem Arbeitsplatz. Er ist die extremen Einlagen am Samstag erstmals mit Passagieren an Bord geflogen. In der Ausbildung und bei Werkstattflügen sind die Manöver Alltag.
Zeppelin-Pilot Oliver Jäger an seinem Arbeitsplatz. Er ist die extremen Einlagen am Samstag erstmals mit Passagieren an Bord geflogen. In der Ausbildung und bei Werkstattflügen sind die Manöver Alltag. | Bild: Jenna Santini

Zwischen den Manövern hatten sie Gelegenheit, aufzustehen und die Nase in den Wind zu strecken. Die Fenster in den Zeppelinen lassen sich nämlich öffnen. Gewendet wurde das Luftschiff schließlich kurz vor Lindau. Für den steilen Sinkflug, mit dem der 40-Minuten-Flug zu Ende ging, galt wieder Anschnallpflicht.

Genauso rasant, wie es hinaufging, geht es auch wieder hinunter: der Zeppelin im steilen Landeanflug auf Friedrichshafen. An Bord sind bei diesem Xtrem-Flug zehn Passagiere.
Genauso rasant, wie es hinaufging, geht es auch wieder hinunter: der Zeppelin im steilen Landeanflug auf Friedrichshafen. An Bord sind bei diesem Xtrem-Flug zehn Passagiere. | Bild: Jenna Santini

"Es ist etwas Außerordentliches", sagte Thomas Jungblut aus Bregenz über seinen ersten Zeppelin-Flug. Das Extreme sei sehr gut zu ertragen gewesen, berichtete er mit einem Augenzwinkern. "Es war schon so, dass man den Gurt gespürt hat", sagte Monika Tittel aus Grünkraut, die sich noch mehr Flugzeit gewünscht hätte. Doch am Hangar warteten schon die nächsten Passagiere darauf, einzusteigen und loszufliegen.

Der Zeppelin NT im Landeanflug auf den Hangar in Friedrichshafen. Die nächsten Passagiere warten schon auf dem Rollfeld darauf, dass sie einsteigen und losfliegen können.
Der Zeppelin NT im Landeanflug auf den Hangar in Friedrichshafen. Die nächsten Passagiere warten schon auf dem Rollfeld darauf, dass sie einsteigen und losfliegen können. | Bild: Jenna Santini

Die nächsten Flüge

Die Zeppelin-Flüge Xtrem sind Sonderflüge, bei denen die Piloten die Manövrier- und Leistungsfähigkeit der Luftschiffe demonstrieren. Der Flug über den Bodensee dauert 40 Minuten. Gezeigt werden folgende Manöver: steiler Steigflug, bei maximaler Leistung bis zu einer Flughöhe von etwa 1500 Metern, steiler Sinkflug bis auf etwa 500 Meter über Grund, Beschleunigung auf Maximalgeschwindigkeit (circa 120 Kilometer pro Stunde), Vollbremsung per 180-Grad-Kehrtwende, Zeppelin-Ballett um alle drei Raumachsen. Die Piloten passen die Flugmanöver an die Wetterbedingungen an.

Die nächsten Zeppelin-Flüge Xtrem sind am Samstag, 6. Oktober, 11.10 und 11.50 Uhr, sowie am Samstag, 13. Oktober, 11.10 und 11.50 Uhr. Pro Person fallen Kosten von 455 Euro an. Buchung telefonisch unter 0 75 41/5 90 00 oder per E-Mail an XTREM@zeppelin-nt.de.