Schuhe aus, Beine hoch, Kuscheldecke, Buch, Jogginghose, eine Tasse heiße Schokolade und: ein flackerndes Kaminfeuer. Was gibt es Schöneres, als es sich im Winter, vor allem an besonders kalten oder niederschlagsreichen Tagen, vor dem Kamin gemütlich zu machen? Ganz ungetrübt ist das Vergnügen aber nicht immer, vor allem für den Nachbarn, aber manchmal auch für das eigene Heim: Wenn falsches Material verheizt wird, hat das mitunter einen furchtbar qualmenden Kamin zur Folge, nicht immer zieht der Rauch durch den Schornstein ab, sondern breitet sich, gerade bei offenen Modellen, auch schnell mal im ganzen Wohnzimmer aus.

Hans Bommer ist Gründer der Überlinger Firma Puren, die Dämmstoffe herstellt. Er unterstreicht: „Manche Menschen glauben, dass das Verbrennen von Holz besonders umweltfreundlich ist, aber das stimmt nicht. Jedes Verbrennungsprodukt ist für Mensch und Tier schadhaft.“
Hans Bommer ist Gründer der Überlinger Firma Puren, die Dämmstoffe herstellt. Er unterstreicht: „Manche Menschen glauben, dass das Verbrennen von Holz besonders umweltfreundlich ist, aber das stimmt nicht. Jedes Verbrennungsprodukt ist für Mensch und Tier schadhaft.“

"Jedes Verbrennungsprodukt ist für Mensch und Tier schadhaft"

Hans Bommer ist Gründer der Überlinger Firma Puren, die Dämmstoffe herstellt. Er unterstreicht: „Manche Menschen glauben, dass das Verbrennen von Holz besonders umweltfreundlich ist, aber das stimmt nicht. Jedes Verbrennungsprodukt ist für Mensch und Tier schadhaft. Brennwert-Heizungen Gas/Öl sind gegenüber Holz- und Holzpellets-Heizungen aber deutlich schonender.“ Bommer kennt hierzu folgende Faustregel: „Je älter der Brennstoff ist, desto weniger Schadstoff bringt er in der Verbrennung.“ Die Verbrennungsprodukte von Gas, Öl und von Kohle seien gegenüber Torf und Holz umweltschonender. „Je jünger das Produkt ist, desto höher die Belastung. Es entstehen Ruß, Stickoxide, Dioxide, Monoxide, eine ganze Reihe von Verbindungen, die für den Organismus nicht gesund sind“, zählt er auf.

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Holzprodukte bringen gegenüber der Brennwerttechnik Öl/Gas das 40-Fache an Feinstaub, sagt Hans Bommer. Deshalb hält er die Holzverbrennung ohne funktionierende Filtertechnik für eine große Umweltsünde. „Es gibt Gutachten, dass zum Beispiel in Stuttgart durch die Schadstoffe von Kaminen und Pellets mehr angerichtet wird als durch den gesamten Verkehr zusammen. Und da ärgere ich mich dann, wenn man so auf Dieselautos schimpft, die Holzverbrennung und andere, größere Schadstoffverursacher wie Binnenschifffahrt und Flugzeuge aber außer Acht lässt.“

Ein prasselndes Kaminfeuer ist für viele Menschen der Inbegriff von Romantik und Behaglichkeit.
Ein prasselndes Kaminfeuer ist für viele Menschen der Inbegriff von Romantik und Behaglichkeit. | Bild: Hilke Segbers/dpa

Das Umweltbundesamt (UBM) bestätigt Bommers Aussage, wenn auch vorsichtig: „Es gibt bis jetzt nur wenige Studien dazu. Allerdings sprechen einige Untersuchungen dafür, dass Feinstaub aus Kaminöfen ähnlich schädlich ist wie Dieselruß.“ Bommer wünscht sich, dass Kamine mit einer Filtertechnik ausgestattet werden, durch die ermöglicht wird, dass Schadstoffe nicht mehr an die Umgebung abgegeben werden. Ein Anfang ist gemacht: Laut dem Überlinger Ofenbauer Manfred Reischmann dürfen zum Beispiel keine neuen Kamine mehr gebaut werden, wenn sich im Umkreis von 15 Metern des Ofenrohrs ein Fenster befindet. Außerdem müssten bestimmte Kamine mit höheren Emissionen teilweise oder ganz nachgerüstet werden, Genaueres, wie zum Beispiel die Fristen, hänge von jedem einzelnen Kamin ab. „Der Schornsteinfeger informiert darüber, was zu tun ist“, sagt Reischmann.

Die Deutschen lieben Kamine

Davon sind viele Menschen betroffen, denn die Deutschen lieben Kamine: Über 14 Millionen kleine Öfen und 700 000 Kesselöfen für Wohnanlagen werden laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ deutschlandweit betrieben. Besonders in der Gegend um München und Stuttgart schlage sich das umweltbelastend nieder.

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Ist der Kamin also wirklich so schlimm? Oder ist nur der falsche Umgang damit ein Problem? Das Umweltbundesamt schreibt in einer Pressemitteilung: „Wenn er richtig verwendet wird, ist Holz ein durchaus umweltgerechter Brennstoff. Allerdings können unter bestimmten Bedingungen – zum Beispiel wenn minderwertiges Holz verwendet wird oder die Holzöfen alt und schlecht gewartet sind – beim Verbrennen unnötig viele Emissionen entstehen.“ Darunter seien auch Treibhausgase, die das Klima schädigen. „Aber auch Schadstoffe wie Feinstaub, die gefährlich für die Gesundheit werden können. Gerade in Ballungsräumen verschlechtern Holzheizungen die Luftqualität.“

Es qualmt aus dem Kamin: Holzprodukte bringen Experten zufolge gegenüber der Brennwerttechnik Öl/Gas das 40-Fache an Feinstaub.
Es qualmt aus dem Kamin: Holzprodukte bringen Experten zufolge gegenüber der Brennwerttechnik Öl/Gas das 40-Fache an Feinstaub. | Bild: Hilser, Stefan

Tipps vom Profi: So qualmt es weniger

Manfred Reischmann von der gleichnamigen Ofenbaufirma in Überlingen kennt Tipps und Tricks, wie das knisternde Kaminfeuer nicht zur rauchenden Katastrophe gerät.

  • Brennstoff: "Das Allerwichtigste ist, einen geeigneten Brennstoff zu haben", sagt Experte Reischmann. Nicht lackiertes oder behandeltes Holz natürlich, doch wer glaubt, dass er jeden Stock, den er irgendwo findet, problemlos verbrennen kann, irrt: "Das Holz sollte entsprechend abgelagert sein und man sollte auf keinen Fall feuchtes Holz verbrennen, das raucht viel zu sehr."
  • Größe/Dicke: Auch gelte es, darauf zu achten, dass der Scheit nicht zu groß ist. "Wichtig ist, dass die Flammen das Holz relativ schnell entfachen können." Wichtig für ein raucharmes Abbrennen ist auch, dass das Holz maximal eine Dicke von zehn Zentimetern aufweist. "Hölzer die einen größeren Durchmesser als zehn Zentimeter haben, sollte man noch einmal spalten", empfiehlt Ofenbauer Reischmann.
  • Anzünder: Auch das richtige Anzünden von oben nach unten und fachgerechte Ofenanzünder spielen eine große Rolle: "Holz von unten anzuzünden ist ein alter und weitverbreiteter Fehler", sagt Reischmann. "Viel besser ist es, das Holz aufzuschichten und obenauf ganz dünnes Holz zu legen. Dann entfacht sich das Feuer sehr schnell."
  • Kein Papier: Ganz wichtig: Papier gehört nicht in den Ofen! Wenn man es verbrennt, entstehen Rauch und Aschepartikel, die auch aus dem Kamin nach draußen wehen. Papier sollte also auch nicht zum Anzünden genommen werden. Besser: Ofenanzünder, zum Beispiel Holzwolle in Wachs getränkt.
Brennholz darf nicht lackiert oder behandelt sein.
Brennholz darf nicht lackiert oder behandelt sein. | Bild: Helene Kerle