Pia Dreher absolvierte ihren ersten Auftritt als neue Bodenseeweinprinzessin mit Bravour. Die 18-jährige Meersburgerin hat Übung mit öffentlichen Auftritten: Seit 2016 führt sie als Sprecherin durch Konzerte und Auftritte der Meersburger Stadtkapelle, bei der sie seit 2014 Saxofon spielt. Davor sammelte die junge Frau schon Moderationserfahrung bei der Jugendkapelle Daisendorf-Stetten.

Pia Dreher (Zweite von rechts) erhält ihr Krönchen als neue Bodenseeweinprinzessin aus den Händern der badischen Weinkönigin Miriam Kaltenbach (rechts). Die badischen Weinprinzessinnen Stephanie Megerle (links) und Hannah Herrmann schauen zu.
Pia Dreher (Zweite von rechts) erhält ihr Krönchen als neue Bodenseeweinprinzessin aus den Händern der badischen Weinkönigin Miriam Kaltenbach (rechts). Die badischen Weinprinzessinnen Stephanie Megerle (links) und Hannah Herrmann schauen zu. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Anders, als die Mehrzahl der Kandidatinnen, die sich um ein Amt als Weinhoheit bewerben, stammt Dreher, die sich im zweiten Ausbildungsjahr als Schreinerin befindet, nicht aus einer Winzerfamilie. Doch wenn man in Meersburg aufwachse, stoße man automatisch auf das Thema Wein. "Wenn ich im Herbst zur Schule ging, roch es nach Trester", erinnert sie sich. Das weckte ihr Interesse, sie informierte sich und ihr Wissen wuchs, auch über den "Kontakt mit Freunden, die daheim ein Weingut haben".

Kandidatinnen wurden gut vorbereitet

Das zahlte sich nun beim Wahlverfahren aus, bei dem sich Dreher gegen eine Mitbewerberin durchsetzte. Es sei ein knappes Ergebnis gewesen, beide Kandidatinnen – beide aus Baden – hätten der Jury bewiesen, "dass sie bestens vorbereitet waren", sagte Fabian Dimmeler, Leiter des Bereichs Bodensee im Badischen Weinbauverband. Er betonte: "Es geht hier nicht um einen Modelwettbewerb", sondern um Fachwissen – von Weinanbau über Sensorik bis hin zu Kellerwirtschaft und Vermarktung. Und es gehöre auch Mut dazu, sich so einer Wahl zu stellen und öffentlich aufzutreten, so Dimmeler.

Das Publikum im Meersburger Neuen Schloss interessiert sich für die Krönung der neuen Weinhoheit sowie die anschließende Bodenseeweinprobe: alle 200 Karten waren ausverkauft.
Das Publikum im Meersburger Neuen Schloss interessiert sich für die Krönung der neuen Weinhoheit sowie die anschließende Bodenseeweinprobe: alle 200 Karten waren ausverkauft. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Die Prüfungsaufgaben waren anspruchsvoll, unterstrich Jurymitglied Jürgen Dietrich, Direktor des Staatsweinguts Meersburg. Er nannte ein Beispiel: "Eine Frage hieß: Wie wirkt sich der heiße Sommer auf die Reben aus? Damit kann man manchen Winzer in Verlegenheit bringen!"

Stephanie Megerle ist aktuell badische Weinprinzessin

Sechs Wochen lang bereitete Dimmeler die Kandidatinnen auf die Wahl vor, unterstützt von den Fachfrauen Anita Schmidt, Christine Beisch und Stephanie Megerle, die allesamt eigene Erfahrungen als Weinhoheiten haben. Megerle ist aktuell badische Weinprinzessin und war die letztjährige Bodenseeweinprinzessin. Dieses Amt übergab sie nun an Dreher.

Rund 50 Termine für den Seewein

Rund 50 Termine hat Megerle als Repräsentantin des Seeweins im vergangenen Jahr absolviert. Sie war die erste Prinzessin, die den gesamten Weinbau am deutschen Bodensee vertrat: von Hohentengen bis Lindau. Dadurch habe sich die Zahl der Termine schon etwas erhöht, und "es dürften in den nächsten Jahren schon deutlich mehr werden", schätzt Megerle.

Kompetentes Quartett in Sachen Wein (von links): die badische Weinprinzessin Hannah Herrmann, Bodenseeweinprinzessin Pia Dreher, die badische Weinprinzessin Stephanie Megerle und die badische Weinkönigin Miriam Kaltenbach.
Kompetentes Quartett in Sachen Wein (von links): die badische Weinprinzessin Hannah Herrmann, Bodenseeweinprinzessin Pia Dreher, die badische Weinprinzessin Stephanie Megerle und die badische Weinkönigin Miriam Kaltenbach. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Sind der Umfang und der Anspruch dieses Amtes der Grund, warum es dieses Jahr nur zwei Bewerberinnen gab, letztes Jahr drei? Die Aufgabe sei schon anspruchsvoll, räumte Dimmeler ein und gestand: "Ich kam mir vor wie bei der Gesellenprüfung", als die Jury die Kandidatinnen testete.

Erweiterter Zuständigkeitsbereich muss sich erst noch herumsprechen

Tobias Keck vom Verein Bodenseewein meinte, der erweiterte Zuständigkeitsbereich der Bodenseeweinprinzessin müsse sich vielleicht erst noch unter geeigneten Anwärterinnen herumsprechen. Wenn er sich im Vestibül des neuen Schlosses, wo die neue Prinzessin gekrönt wurde, umschaue, sei er optimistisch angesichts von 14 ehemaligen sowie amtierenden Weinhoheiten – alle potenzielle Multiplikatorinnen.

Viel Freude am Wein mitbringen

Die wichtigste Voraussetzung für Bewerberinnen? "Sie müssen Freude am Wein mitbringen", so Dimmeler. Freude und "so viel Spaß" hatte Megerle, wie sie betonte, auch während ihres gesamten Amtsjahrs – und darüber hinaus. Ihrer Nachfolgerin Pia Dreher gab sie auf den Weg: "Das Amt der Bodenseeweinprinzessin ist eine Schule fürs Leben."