Die schlechten Fangergebnisse beschäftigen Berufsfischer und Angler vom Bodensee nach wie vor. Dies wurde am Samstag bei der Hauptversammlung des Internationalen Bodensee-Fischereiverbands (IBF) in Friedrichshafen deutlich. So lag der Ertrag der Berufsfischer am Obersee im Jahr 2017 bei 298,2 Tonnen und damit um 8,5 Prozent unter dem Vorjahresertrag sowie um 47 Prozent unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre (562,8 Tonnen), machten die Berufsfischer deutlich. Damit löst 2017 das Vorjahr als zweitschlechtestes Jahr seit 1936 ab.

Sorgen bereiten den Berufsfischern in erster Linie die weiterhin rückläufigen Fangergebnisse.
Sorgen bereiten den Berufsfischern in erster Linie die weiterhin rückläufigen Fangergebnisse. | Bild: Claudia Wörner

Überraschend gut sei jedoch der Fang von Barschen gewesen, erläuterte Albert Bösch aus Vorarlberg für die Berufsfischer. "Vor allem im Herbst hatten wir mehr und vor allem schöne Exemplare." An einigen Plätzen hätten die Fischer mit starkem Pflanzenbewuchs unter Wasser zu kämpfen gehabt. "Auch der Kormoran ist nach wie vor ein großes Problem für den Fischbestand", stellte Bösch fest. Am Nordufer des Sees habe sich die Zahl der Brutpaare nochmals deutlich erhöht. "Wir sehen vor allem Baden-Württemberg in der Pflicht, in Sachen Kormoran-Management aktiv zu werden", forderte er.

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Die desaströse Situation habe sich für die Berufsfischer auch 2017 nicht verändert, so die Einschätzung des IBF-Vorsitzenden Wolfgang Sigg. "Sie ist nach wie vor existenzgefährdend." Aktuell zählt der IBF 96 Besitzer eines Hochseepatents sowie 14 Besitzer eines Halden- beziehungsweise Alterspatents. Damit sei die Zahl der Patente mit fünf weniger als 2016 auch weiterhin rückläufig. Noch vor zehn Jahren sei vier Mal so viel Fisch wie heute gefangen worden. Man rechne mit jährlich sieben Tonnen Fisch für einen auskömmlichen Fischereibetrieb. "Im Schnitt fingen die einzelnen Betriebe aber nur 2,7 Tonnen, sodass die Fischer gezwungen sind, einen Zweitberuf zu ergreifen", unterstrich Sigg.

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Gründe für das schlechte Fangergebnis seien der Nährstoffrückgang im See, das massenhafte Aufkommen des Stichlings und der Fischfraß durch Kormorane. Das Umweltministerium lehnt ein von Fischern gefordertes Phosphatmanagement strikt ab. "Das ist ein Kampf gegen Windmühlen", sagte Sigg. Während Befürworter in Aquakulturen die Lösung sehen, um die Bodenseefelchen zu retten, sprechen sich viele Berufsfischer dagegen aus. Sie fürchten Verunreinigungen und die Gefahr von Krankheiten.

Wolfgang Sigg: "Aktuell haben wir am See 2400 Kormorane"

Hinzu kommt: Die Kormorane würden inzwischen mehr Fische fressen, als die Fischer aus dem Wasser holen, sagte Sigg. "Aktuell haben wir am See 2400 Kormorane, das sind 30 Prozent mehr als 2017." Dabei gehe es nicht um die Ausrottung der Vögel, sondern um ein verträgliches Maß, betonte er. "Bayern, Österreich und die Schweiz arbeiten hier vorbildlich." Der Kormoran sei aktuell die einzige Stellschraube, an der gedreht werden könne, um etwas für die Existenz der Berufsfischer zu tun. Manuel Konrad vom Regierungspräsidium Tübingen sagte, dass die Chancen für ein Kormoran-Management nach wie vor gering seien. "Der Naturschutz blockiert, damit hat sich’s. Und ohne massive politische Unterstützung geht nichts." Auch Thomas Lang vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg wehrt sich gegen einseitigen Vogelschutz zulasten der Fische. "Der Kormoran ist in keiner Weise gefährdet", betonte er.

Mikroplastik in Fischen: Samuel Roch von der Fischeiforschungsstelle Baden-Württemberg sprach bei der IBF-Versammlung über das wichtige Thema.
Mikroplastik in Fischen: Samuel Roch von der Fischeiforschungsstelle Baden-Württemberg sprach bei der IBF-Versammlung über das wichtige Thema. | Bild: Claudia Wörner

Die Angelfischer erreichten 2017 mit 49,4 Tonnen ein um 4,5 Tonnen höheres Fangergebnis als im Vorjahr. Allerdings liegt auch diese Zahl um 3,2 Tonnen unter dem Zehnjahresmittel. "Bestimmt wird unser Ergebnis durch die ansteigenden Fänge des Hechts, der mehr als 37 Prozent vom Gesamtfang ausmacht", berichtete Alfredo Sanfilippo für die Angelfischer. Ausgegeben worden seien 11 702 Angelkarten, 935 weniger als im Vorjahr. Erfreulich sei ein Entscheid zum Schutz der Seeforelle. "Das begrüßen wir sehr."

Mikroplastik: Jede Fischart ist betroffen

Beim Internationalen Bodensee-Fischereiverband hielt Samuel Roch von der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg einen Vortrag zum Thema Mikroplastik in Fischen. Speziell in den Blick nahm er Partikel mit einer Größe zwischen einem und fünf Millimetern. "Betroffen ist jede Fischart. Man findet Mikroplastik im Magen-Darm-Trakt, aber Studien zeigen, dass die Partikel mit der Nahrung wieder ausgeschieden wird", erläuterte Roch. Rechnen könne man mit einer potenziellen Schädigung der Kiemen. Mikroplastik könne in den Fischen für ein verringertes Hungergefühl und damit für ein verringertes Wachstum sorgen. "Eine indirekte Auswirkung ist die Abgabe von Schadstoffen", so der Wissenschaftler. Mit Mikroplastik belastet gewesen seien jedoch nur 20 Prozent der mehr als 1000 untersuchten Fische. An dem Wörtchen "nur" störte sich Andreas Geiger, Berufsfischer aus Unteruhldingen: "Vor zwei Generationen hatten wir das Problem noch nicht, jetzt findet sich Mikroplastik in jedem fünften Fisch." Mikroplastik gehöre nicht in die Natur. "Wir müssen Mühe reinstecken, damit sich das ändert", forderte der Berufsfischer.

Samuel Roch betonte, dass man sich aktuell erst am Anfang der Forschung befinde. Sorge bereite den Forschern vor allem Mikroplastik mit einer Größe unter der Nachweisgrenze. "Da nimmt die Menge im Fisch exponentiell zu und darauf müssen wir unseren Fokus in erster Linie richten." Nichtsdestotrotz sei die Belastung der Fische aufgrund von Mikroplastik derzeit nicht alarmierend. "Die Belastung durch das Wasser selbst ist ungleich höher." Thomas Lang, Vizepräsident Gewässer, Natur- und Artenschutz beim Landesfischereiverband Baden-Württemberg, rief die Politik dazu auf, die Forschung in Sachen Mikroplastik massiv zu fördern. "Wenn wir nicht aufpassen wird uns das Thema überrollen", vermutet Lang.