Region (dpa/tmn) Eric Altmeyer sorgt dafür, dass es nirgends hineinregnet und Häuser gut und energiesparend gedämmt sind. Der 19-Jährige macht bei einem Dachdeckerbetrieb in Euskirchen in der Nähe von Bonn eine Ausbildung. Im Büro am Schreibtisch zu sitzen – das ist nicht sein Ding. „Ich wollte raus und am Ende des Tages sehen, was ich gearbeitet habe“, sagt er. Deshalb hat ihm das Praktikum im Dachdeckerbetrieb auch mehr Spaß gemacht als das beim Architekten.

„99 Prozent der Zeit sind wir auf dem Dach“, sagt Eric Altmeyer. Auch bei Regen, Hitze oder Kälte. Wenn es dann doch mal so sehr regnet, dass das Team nicht raus kann, übt Eric Altmeyer im Betrieb an Modellen. Er lötet dort zum Beispiel Regenrinnen aneinander oder verkleidet einen Kamin.

Meistens ist Eric Altmeyer auf zwei- oder dreigeschossigen Häusern unterwegs. Aber auch höhere Häuser oder Kirchtürme werden von Dachdeckern gedeckt oder repariert. „Man darf die Höhe nicht unterschätzen und nicht zu leichtsinnig werden“, sagt er. Besonders gefährlich findet er seine Arbeit aber nicht. Meistens arbeitet er vom sicheren Gerüst aus. Außerdem hat er wie jeder Dachdecker eine sogenannte persönliche Schutzausrüstung: Die Arbeiter sind ähnlich wie Kletterer über ein Seil gesichert. Trotzdem: Unausgeschlafen zur Arbeit zu gehen ist keine Option. „Man muss fit sein“, sagt der Azubi.

Der Job ist körperlich anstrengend. „Aber es gibt Hilfsmittel wie Lastaufzüge und fahrbare Kräne, die Dachdecker müssen nicht mehr jeden Ziegel einzeln nach oben tragen“, erklärt Claudia Büttner vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Wer rauf aufs Dach möchte, sollte handwerkliches Geschick mitbringen, erklärt Büttner. „Es schadet nicht, vorher schon mal mit Hammer und Säge gearbeitet zu haben.“

Nach der Ausbildung können Dachdecker eine Weiterbildung zum Energieberater machen. Dann sind sie Experten auf dem Gebiet, wie Büttner erklärt. Sie können komplette Gebäude- und Energieanalysen durchführen und die passenden Fördermittelanträge stellen. Auch Solar- oder Photovoltaikanlagen werden von Dachdeckern angebracht.

Und manchmal geht es sogar runter in die Tiefe: „Dachdecker sind überall da, wo große Flächen abgedichtet werden müssen“, sagt Büttner. Dazu gehören etwa Tiefgaragen, Keller oder Terrassen.

Die Digitalisierung spielt im Dachdeckerhandwerk ebenfalls eine Rolle: Betriebe nutzen zum Beispiel Drohnen, um Schäden zu finden, bevor ein komplettes Gerüst gebaut wird. Außerdem können sie mit den Drohnen-Luftbildern Flächen vorberechnen.

In der Regel ist für Dachdecker im Sommer mehr zu tun als in den Wintermonaten, erklärt Felix Fink, der beim Dachdeckerverband für Wirtschaft und Unternehmensführung zuständig ist. Aber auch im Winter gibt es genug Arbeit: Dachdecker räumen zum Beispiel Flachdächer vom Schnee frei, weil sie genau wissen, wie das Dach aufgebaut ist. „Sie sind die Profis auf dem Dach“, sagt Fink.