Im vergangenen Jahr wurden kreisweit insgesamt 1200 Wohnungen gebaut, darunter 309 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Dies seien 15 Prozent weniger als im Vorjahr, heißt es in der Baubilanz 2018 für den Bodenseekreis der Gewerkschaft IG Bau. Der Bilanz zufolge investierten Bauherren 2018 im Landkreis 183 Millionen Euro. Die IG Bau Südwürttemberg beruft sich nach eigenen Angaben dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

IG Bau: Vor allem bezahlbare Wohnungen fehlen

IG Bau-Regionalleiter Andreas Harnack sehe beim Neubau nach wie vor „deutlich Luft nach oben“, heißt es in der Mitteilung. Entscheidend sei, was gebaut werde: „Die Wohnungen müssen zum Portemonnaie und zur Lohntüte der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen“, wird Harnack zitiert. Dazu sei es nach Ansicht der Gewerkschaft dringend erforderlich, die steuerliche Abschreibung im Mietwohnungsbau dauerhaft von derzeit zwei auf drei Prozent zu erhöhen. Darüber hinaus brauche der soziale Wohnungsbau eine Förderung von mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr durch Bund und Länder – und das kontinuierlich für die nächsten Jahre. In diesem Jahr unterstütze der Bund den Bau von Sozialmietwohnungen mit lediglich 1,5 Milliarden Euro, ab 2020 würden die Mittel laut IG Bau auf eine Milliarde abgesenkt.

Zudem würden pro Jahr rund 80 000 Sozialwohnungen aus der befristeten Mietpreisbindung herausfallen – deutlich mehr als in den letzten Jahren neu gebaut worden seien.

Baukindergeld: „Keine nachhaltigen Impulse“

„Der Bau braucht eine Perspektive. Und die bekommt er durch eine dauerhaft wirksame und verlässliche Förderung. Nur dann werden in der gesamten Prozesskette – von der Baustoffherstellung bis zur Verarbeitung auf dem Bau – die dringend notwendigen Kapazitäten ausgebaut. Und das bedeutet zusätzliche Fachkräfte und sichere Arbeitsplätze“, so Harnack. Die Baubranche müsse die Gewissheit haben, dass alles, worin sie heute investiere, auch in fünf und zehn Jahren noch gebraucht werde. Genau diese Signale fehlten allerdings in der Wohnungsbaupolitik: So schaffe etwa das zeitlich begrenzte Baukindergeld keine nachhaltigen Impulse. Statt in den Neubau fließe die Förderung hier oft in den Kauf von alten Gebäuden.