Einen Quantensprung im Bahnangebot sollte es ab Dezember 2021 auf der Südbahn geben. Bis dahin soll die Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau fertig sein. Züge sollten daraufhin im Halbstundentakt fahren und in eineinhalb Stunden wäre vom Bodensee Stuttgart erreicht, berichtet Wilfried Franke, Geschäftsführer des Interessenverbands Südbahn und Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben: "Das wäre eine Qualität, die es noch nie gab."

Aus schnellen Verbindungen wird vorerst nichts

Doch aus den schnellen Verbindungen vom Bodensee bis nach Stuttgart wird vorerst nichts. Nach Angaben der Bahn wird die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm erst zwei Jahre später, also 2023 fertig, das Großprojekt Stuttgart 21 erst vier bis fünf Jahre später, also 2025/2026. Immerhin, auf der Südbahn beginnt am 9. September die Elektrifizierung zwischen Ulm und Laupheim-West, die allerdings auch zur Sperrung der Strecke und zu Schienenersatzverkehr führt, voraussichtlich bis zum 21. Dezember diesen Jahres.

Anschub kam aus der Region

Doch der Reihe nach: Seit 2006 kämpft der Interessenverband Südbahn für den Ausbau der Strecke, ohne dass er dafür rechtlich zuständig wäre. "Ohne die 1,4 Millionen Euro Planungskosten des Verbands wäre bis heute nichts passiert", sagt Franke. In den 170 Jahren des Bestehens der Strecke sei nichts mehr gemacht worden und trotz vieler Lippenbekenntnisse die Güterabfertigung und die Industriegleise verschwunden. Mit dem Finanzierungsvertrag für die Südbahn im Dezember 2015 hätte der Verband seine Arbeit eigentlich beenden können, so Franke, er tat es nicht und entwickelte zusammen mit dem Land den künftigen Fahrplan.

Bauverzögerungen zwischen Stuttgart und Ulm

Einige Probleme wurden ausgeräumt, wie der zusätzliche Halt in Merklingen. Noch immer nicht abschließend geklärt sei der Halt in Langenargen. Überlagert worden sei dann das Ergebnis von den Bauverzögerungen von Stuttgart nach Ulm. "Fakt ist, wir können unseren tollen Fahrplan nicht in Betrieb nehmen", sagt Franke. Ein Zwischenfahrplan müsse her. "Den gibt es heute nicht", so der Geschäftsführer. Man werde hier dranbleiben.

Ein weiteres Nadelöhr

Im Zweifel werde der heutige Fahrplan nur mit Elektroloks gefahren. Aber es gebe ja auch noch das Nadelöhr Wendlinger Kurve. Hier soll der Bahnverkehr aus den Richtungen Tübingen beziehungsweise Plochingen, Anbindung der Region Neckar-Alb, an die Neubaustrecke bei Wendlingen erfolgen. Geplant war dies eingleisig im Zuge von Stuttgart 21, nun soll es voraussichtlich zweigleisig werden. Die Finanzierung steht noch nicht. Das würde eine zusätzliche Baustelle und Kapazitätseinschränkungen auf der Strecke bedeuten.

Sperrzeiten so gering wie möglich halten

Zurück zur Südbahn zwischen Ulm und Lindau. "Die Maßnahme ist kein Pappenstiel", sagt Franke. Rund 250 Millionen Euro koste die Elektrifizierung. Sobald die Arbeiten im September begännen, werde sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet, um die Sperrzeiten so gering wie möglich zu halten.

Planungen für Schienenersatzverkehr

Der Interessenverband Südbahn habe sich in die Planung des Schienenersatzverkehrs eingebracht und erreicht, dass es ein halbstündiges Busangebot zwischen Laupheim-West und Ulm gebe, das vorher nicht geplant gewesen sei. Oder: Er habe darauf hingewiesen, die Straßenbaulastträger anzuschreiben, damit es keine Straßenbaustellen auf den Ersatzverkehrsstrecken gibt, daran hatte niemand gedacht. "Wir brauche halbwegs ordentliche Ersatzlösungen in dem Bemühen, nicht allzu viele Fahrgäste zu verlieren", sagt Franke. Aber auch: "Trotz allen Bemühens wird es schlechter. Wir werden Fahrgäste verlieren."

Längere Fahrzeiten während Bauarbeiten

Diese müssen mit etwa einer halben Stunde längeren Fahrzeit rechnen. Es soll Ansprechpartner für die Fahrgäste vor Ort geben. In den ersten Tagen wolle man gegebenenfalls nachjustieren und die Schwierigkeiten auswerten, um es im nächsten Abschnitt besser zu machen. Es folgt 2019 Laupheim West-Aulendorf sowie dann Aulendorf-Friedrichshafen und Friedrichshafen-Lindau. Wenn dann alle Arbeiten erledigt seien, auch Stuttgart-Ulm, "treten wir wirklich in ein neues Bahnzeitalter ein", so Franke.