Apfelfreunde können sich auf gute Zeiten freuen: Die Ernte am Bodensee fällt in diesem Jahr durchschnittlich aus, es gibt weder große Ausfälle durch Frost wie vor zwei Jahren noch ein Überangebot durch zu viel Sonne wie 2018. „Durch die ausgeglichene Wärme- und Wasserzufuhr sind die inneren Werte deutlich ausgeglichener als im Vorjahr. Die Früchte haben einen sehr guten Geschmack“, sagt Egon Treyer, Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodenseeobst. Die kühleren Nächte der vergangenen Wochen hätten ihnen zudem eine schöne Farbe verliehen.

Neue Sorte „Sweetango“ in den Verkaufsregalen

Vor drei Wochen hat die Ernte am Bodensee begonnen, mit Summerred, Gravensteiner und Delbard. Seit dieser Woche werden auch Elstar und Gala gepflückt. Zum ersten Mal dabei ist die Marke „Sweetango“, ein früher Apfel mit dünner, hellroter Schale, saftig, süß und mit nur leichter Säure. Die Apfelsorte stammt von der Universität Minnesota. Vor drei Jahren pflanzten süddeutsche Obstbauern „Sweetango“, die ersten Früchte sind jetzt im Handel. „Die ersten Verkäufe zeigen, dass dieser Apfel gut ankommt“, erzählt Treyer.

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250 000 Tonnen Äpfel aus der Bodenseeregion erwartet

Er rechnet mit einer Apfelproduktion von insgesamt 250 000 Tonnen Äpfeln am Bodensee. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden 291 000 Tonnen geerntet, 2017 waren es nach den verheerenden Frostnächten im April nur 88 000 Tonnen. Fast die Hälfte der zu erntenden Äpfel wird voraussichtlich aus den Hauptsorten Elstar, Jonagold, Gala und Braeburn bestehen. Bei Bioäpfeln werden deutschlandweit 63 000 Tonnen Äpfel erwartet, davon kommen mit 24 000 Tonnen knapp 40 Prozent vom Bodensee. „Hier am Bodensee war durch moderates Umstellen marktadäquates Wachstum in diesem Bereich zu verzeichnen“, sagt Treyer. Bei den Birnen erwartet er eine Ernte von 5000 Tonnen, rund 3000 Tonnen davon seien Xenia.

„Unsere Hoffnung liegt in dieser Ernte„

Treyer sieht Grund für verhaltenen Optimismus: „Unsere Hoffnung liegt in dieser Ernte, weniger in der Abrechnung der letzten“, sagt er. Da die Prognose für den Rest Deutschlands leicht rückläufig sei – die norddeutschen Obstbauern gehen von einem Minus von zehn Prozent aus, die in West- und Ostdeutschland von minus zwölf bis 14 Prozent – sei der Absatzmarkt nicht schlecht. In Osteuropa leide die Ernte von Polen bis Kroatien unter Einbußen durch Frostschäden.

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Weniger Konkurrenz aus Übersee

Auch andere Parameter stünden besser als im vergangenen Jahr. „Sie erinnern sich, im vergangen Jahr lagen noch zehn Wochen nach Beginn der Ernte Früchte aus der Südhemisphäre in den Regalen. Der Handel hatte wegen der geringen Mengen in Europa viel geordert, im heißen Sommer wurden die Äpfel nicht nachgefragt.“ In diesem Jahr fänden sich zwar noch Produkte aus Übersee im Handel, aber nicht in dem Ausmaß. Da die Ernte in den Hausgärten durchschnittlich ausfalle, würden private Baumbesitzer früher die Geschäfte aufsuchen und wegen der normalisierten Streuobstmenge sei die Verarbeitungsindustrie wieder aufnahmefähiger. Allerdings gebe es wegen der hohen Erträge auch noch deutsche Äpfel in den Lagern.

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Bauern rechnen mit höheren Preisen

Während die Obstbauern also mit leicht steigenden Preisen für ihre Produkte rechnen können, muss das den Verbraucher nicht unbedingt treffen, sagt Treyer: „Für die Preisgestaltung im Einzelhandel ist oft die Marktsituation und der Konkurrenzdruck zwischen den Ketten entscheidend.“

Trotzdem sehen sich die Obstbauern in der Region weiter vor großen Herausforderungen. „Hagel und Frost haben auch dieses Jahr flächenweise wieder große Schäden verursacht“, sagt Treyer. Die dort geernteten Früchte könnten nur verarbeitet werden, was zu deutlichen Mindererlösen führe. Immer noch gebe es keine bezahlbaren Mehrgefahrenversicherungen für Ernteausfälle.

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Franz-Josef Müller, Präsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, appelliert daher an die Apfelfreunde. „Ich bitte Sie, diese regionalen Äpfel auch zu kaufen, einen fairen Preis dafür zu zahlen und im Lebensmitteleinzelhandel auch einmal nach regionalen Äpfeln zu fragen.“