Eines der wertvollsten Automobile, die es derzeit am Oldtimermarkt gibt, war bereits eine Design-Ikone, als es auf den Markt kam – der BMW 507 präsentiert sich bei der Klassikwelt Bodensee am kommenden Wochenende mit perfektem Understatement. Und die zeitlos harmonischen Kurven in edlem Elfenbeinweiß lassen sogar das Herz von Karl-Heinz Auer höherschlagen. "Als junger Kerl mit sechs oder sieben Jahren habe ich den ersten BMW 507 in Ludwigshafen vor einem Hotel gesehen", erzählt der 62-Jährige. Das war für den heutigen BMW-Händler und Geschäftsführer der Auer-Gruppe der Anfang einer Leidenschaft, die ihn nie mehr losließ.

Die Cabrioschönheit, die Elvis Presley bereits als GI in Deutschland fuhr und die Filmstars wie Ursula Andres und Alain Delon betörte, war 1957 für 26 500 DM zu haben. Schon damals ein stolzer Preis, im Vergleich zu bescheidenen 3000 Mark für einen VW Käfer. Doch heute, schätzt Karl-Heinz Auer, sei der Wagen zwischen 2 und 2,5 Millionen Euro wert. "Ich habe den Wagen, der einem Bekannten gehört, von Stockach hierher auf die Messe in Friedrichshafen gefahren und konnte gut mit dem Verkehr mithalten", sagt Auer. Kein Wunder. Der für die damalige Zeit revolutionäre Aluminiumleichtbau mit seinem 3,2 Liter großen V8-Motor leistet 150 PS. "Aber man hat immer ein ungutes Gefühl im Nacken, weil man ständig in Angst ist, dass jemand hinten drauf fährt", räumt er zu. Das wegweisende Fahrzeug mit dem unvergleichlichen Sound wurde nur 254 Mal gebaut. "Da ist jedes Blech, das man von ihm findet, es wert, dass man es restauriert", sagt er.

Doch was macht ein Automobil zu einer Ikone, bei der sich der Wert in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt hat? Roland Bosch, Projektleiter der Klassikwelt, weiß: "Bei einem durchschnittlichen Oldtimer fressen die Unterhaltskosten den Wertzuwachs auf." Hier entscheiden neben Rarität auch Originalität, Patina und eine nachvollziehbare Geschichte. Wie beim Citroen DS. Said Bellout erzählt: "Charles De Gaulle war 1962 in Petit Clamart unterwegs, als Scharfschützen von rechts und links auf ihn schossen." Widerstandskämpfer, die die Unabhängigkeit Algeriens verhindern wollten, trachteten dem Befürworter damals nach dem Leben. Die Fahrkünste seines Chauffeurs, das stabile Fahrwerk und die Wendigkeit des als Deésse, als Göttin bezeichneten Wagens retteten De Gaulle das Leben, ist Bellout überzeugt. "Ich bin nicht freiwillig nach Deutschland gekommen, aber freiwillig geblieben", sagt der 59-jährige Franzose, der seinen Wehrdienst in Tahiti ableisten wollte und stattdessen in Friedrichshafen landete. Er ist glücklich über die Sonderausstellung "Vive la France – fahren wie Gott in Frankreich". Das sei 100 Jahre nach Verdun eine schöne Gelegenheit, noch näher an Deutschland heranzurücken. Der in Paris geborene Sohn eines Renault-Arbeiters fühlt sich sowohl dem Citroen 2CV, der "Ente", als auch dem DS verbunden. "Den DS habe ich aber schnell wieder verkauft." Der habe viel zu viel Sprit verbraucht.

<p>Karl-Heinz Auer, 62, Geschäftsführer der Auer-Gruppe, hat den BMW 507, eines der wertvollsten Autos auf dem Oldtimermarkt, zur Messe gefahren.</p>

Karl-Heinz Auer, 62, Geschäftsführer der Auer-Gruppe, hat den BMW 507, eines der wertvollsten Autos auf dem Oldtimermarkt, zur Messe gefahren.

| Bild: Anette Bengelsdorf

Ein Thema, das BMW mit dem neuen i8 in den Griff bekommen will. Zwei Motoren, einer batteriegetrieben mit 131 PS auf der Vorderachse und ein Verbrennungsmotor mit 231 PS hinten, beschleunigen das Carbon-Auto mit nur 2,1 Litern auf 100 Kilometer. Ein Zehntel dessen, was der 507 verbraucht. Karl-Heinz Auer sagt: "Dieser Wagen ist kein Massenauto, hat aber mit seiner wegweisenden Technik und seiner Wertigkeit das Zeug zum Oldtimer." Ein Hingucker ist er heute schon. Der Sound jedoch kommt aus dem Lautsprecher, nicht vom V8.

Viel Programm rund um die Klassikwelt Bodensee

Die Klassikwelt Bodensee findet von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Juni, jeweils von 10 bis 18 Uhr in zehn Hallen der Messe Friedrichshafen statt.

  • Rund 800 Aussteller und Clubs stellen klassische Automobile, Motorräder, Flugzeuge, Boote und Traktoren aus. Davon sind 120 Aussteller auf Oldtimer-Ersatzteile und Zubehör spezialisiert. In der "Lebenden Werkstatt" erhalten Autobastler in Fachvorträgen Tipps. Händler bieten Oldtimer, vom Auto bis zum Flugzeug, in allen Preisklassen an.
  • In über 100 Clubs haben Autofans Gelegenheit zu Fachgesprächen.
  • Eine Ausstellung zum 100. Jubiläum von BMW und eine Sonderschau zu klassischen Automobilen in Frankreich zeigt nicht alltägliche Exponate. Amerikanische Traumautos sowie Einblicke in den Motorsport hinter dem "Eisernen Vorhang" runden das Angebot ab.
  • Liebhaber klassischer Wasserfahrzeuge kommen bei einer Riva-Sonderausstellung auf ihre Kosten.
  • Bei Show-Rennen im Freigelände messen sich täglich von 11 bis 17 Uhr Automobile und Motorräder.
  • In einer Klassikerparade präsentieren sich Freitag und Samstag ab 18 Uhr Oldtimer, vom VW Käfer bis zum historischen Rennwagen. Es schließt sich am Samstag eine Oldtimer-Party mit Rock'n' Roll an.
  • Achtelmeilen-Rennen finden am Samstag und Sonntag jeweils um 15 Uhr statt. Teilnehmen können alle Motorräder mit Straßenzulassung, die nicht jünger als Baujahr 1983 sind.
  • Eine tägliche Airshow von 14.30 bis 15 Uhr zeigt klassische Flugzeuge und Helikopter in der Luft.
  • Für Besucher, die im Oldtimer anreisen, stehen auf dem inneren Messefreigelände kostenlose Parkplätze zur Verfügung.
  • Eintrittspreise: Tageskarte 16 Euro, Zwei-Tage-Karte 26 Euro, Familienkarte (2 Erwachsene und alle Kinder von 6 bis 14 Jahren) 35 Euro. Online-Tageskarten jeweils 2 Euro reduziert. Tageskarten ermäßigt 14 Euro.
  • Der Messe-Express (Bus Linie 17) bringt die Besucher zu den Messehallen. Vormittags von 9 bis 13 Uhr fährt er ab Stadtbahnhof. Zurück zum Bahnhof geht es ab 13.15 Uhr. Letzte Rückfahrt ist um 18.55 Uhr.