Seit drei Jahrzehnten lebt der Krimi-Autor Jakob Maria Soedher, der aus Unterfranken stammt, am Bodensee. Nicht nur dessen landschaftliche Vielfalt und Anmut haben es ihm angetan. Er genieße die einzigartige kulturelle Vielfalt dieser Grenzregion, „in der schon immer bajuwarische, alemannische, welsche und deutsche Lebensarten zusammentrafen, manchmal auch aufeinanderprallten“, schreibt er. Winfried Neumann, Leiter des städtischen Kulturbüros in Friedrichshafen, erklärt es weniger blumig. Kulturell habe die Region Bodensee so viel zu bieten wie manche Großstadt nicht. Bodenseefestival, Kulturufer, Seepark-Festival, Schlosskonzerte oder Bregenzer Festspiele: Mit diesen Namen etwa verbinden nicht nur die Menschen am See kulturelle Highlights unterschiedlicher Couleur. Es sind Events, die weit darüber hinaus anziehend wirken.

Dabei hat die Region in allen Genre Vielfalt zu bieten. Ob sommerlicher Jazzfrühschoppen „Summer Jam“ vor dem Münzhof Langenargen oder der monatliche „JazzPort“-Treff in Friedrichshafen, ob Sommertheater in Überlingen oder Meersburg, ob hochkarätige Klassik beim Internationalen Konzertring der Stadt Überlingen, bei den Langenargener Schlosskonzerten oder den Meisterkonzerten im Häfler Graf-Zeppelin-Haus: „Die Auswahl ist riesig“, sagt Winfried Neumann. Allein 280 bis 300 Veranstaltungen pro Jahr für alle Zielgruppen und quer durch alle Genre organisiert allein das von ihm geleitete Kulturbüro. „Der Stellenwert der Kultur in der Region ist sehr hoch. Viele unserer Gäste aus anderen Bundesländern sind erstaunt darüber, was hier alles geboten ist“, sagt Neumann.

Dabei nehme die Dichte im Veranstaltungskalender weiter zu, was immer mehr Veranstaltern und auch mehr Veranstaltungsorten als noch vor zehn Jahren geschuldet ist. Dazu komme eine hohe Mobilität der Menschen in einer relativ gut vernetzten Seeregion, die bereit sind, für eine gute Veranstaltung ihrer Wahl auch mal eine Stunde oder gar länger im Auto zu sitzen. „Dieser Austausch ist da“, weiß Neumann und nennt die Bregenzer Festspiele als Paradebeispiel, denn mehr als die Hälfte der Besucher kämen aus Deutschland.

Dabei kommt auch das eher junge Publikum auf seine Kosten

Der See und seine Städte rundherum bilden die ideale Kulisse für Festivals, die den Eventkalender von Mai bis September reichhaltig bestücken. Ob für Kuschelrocker oder Klassikliebhaber, ob Pop- oder Reggaekonzert: Für jeden Geschmack ist fast direkt vor der Haustür auch „open air“ etwas dabei. Allein im Bodenseekreis haben sich drei Events im Festivalsommer etabliert. Neben Meersburg- und Salem-Openair ist seit vier Jahren auch das Tettnang Open-Air im Schlosspark eine Nummer für sich. Marc Oßwald vom Freiburger Veranstalter Vaddi Concerts bestätigt Pläne, das Schlossgarten-Open Air auszubauen – nicht zuletzt, weil es ein „sehr schöner Veranstaltungsort“ sei, aber auch Akzeptanz und Besucherzahlen beständig steigen würden. „Die Stadt Tettnang hat uns von Beginn an sehr unterstützt. Umgekehrt haben wir, so glaube ich, gezeigt, dass wir sehr verantwortungsvoll mit dieser Perle umgehen“, so Oßwald.

Vaddi Concerts sorgt mit dem Konzert von Elton John am 16. Dezember in der Rothaus Halle der Messe Friedrichshafen wohl für den populärsten internationalen Topact im Veranstaltungskalender 2017. Wollen die Messemacher künftig auch wieder mehr Konzerte ins Programm nehmen? „Wir sind kein Konzertveranstalter, sondern nur Gastgeber“, stellt Pressesprecher Wolfgang Köhle klar. Für die Messe Friedrichshafen haben Messen Priorität. „Wenn Veranstalter auf uns zukommen und es zeitlich passt, stellen wir die Halle aber gern zur Verfügung“, so Köhle.

„Kulturlandschaft“

Die hohe Nachfrage nach einem ansprechenden Kulturprogramm hat auch mit der kulturellen Identität der Menschen zu tun. Ein Beispiel dafür ist das „Einhaldenfestival“, ein familiäres Kulturprojekt, das in der Region tief verwurzelt ist – auch wenn es in diesem Jahr Ende Juli erstmals auf dem Kaseshof in Geratsreute bei Fronhofen (Kreis Ravensburg) stattfindet. Eine Bühne im ländlichen Grün lädt hochkarätige Virtuosen und Charakterköpfe aus dem Ländle und der ganzen Welt ein: Besser kann man „Kulturlandschaft“ nicht beschreiben.

Zu der gehören auch Museen und Galerien. Im "Roten Haus", dem Barockpalais am Meersburger Schlossplatz, zeigt die Galerie Bodenseekreis moderne und zeitgenössische Kunst. Der Landkreis verfügt genauso über eine eigene Kunstsammlung wie das Zeppelin Museum der Stadt Friedrichshafen. Mit ihrer städtischen Galerie „Fauler Pelz“ hat auch Überlingen eine weithin beachtete Kulturstätte, die aktuell eine Werkschau des Bildhauers Peter Lenk zeigt.

Überlingen mit Sommertheater

Bernhard Stengele ist künstlerischer Leiter, Sänger und Schauspieler des Überlinger Sommertheaters.
Bernhard Stengele ist künstlerischer Leiter, Sänger und Schauspieler des Überlinger Sommertheaters. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Erstmals führt die Stadt Überlingen das Sommertheater in Eigenregie durch, nachdem sie den Zuschuss auf 30 000 Euro reduziert und den bisherigen Vertrag mit dem Stadttheater Konstanz gekündigt hatte. Im Auftrag der Stadt entwickelte der Förderverein Sommertheater das Programm 2017. Organisiert wird es vom Überlinger Kulturmanager Simeon Blaesi und seiner gemeinnützigen GmbH „Bühne“. Künstlerischer Leiter ist Bernhard Stengele, heute Schauspieldirektor in Gera, der dem Sommertheater seit vielen Jahren eng verbunden ist. Deshalb sprang Stengele für 2017 ein, zumal dieses Jahr im Juli auch in Thüringen Ferien sind. Für 2018 will der Verein ein vergleichbares Konzept ausarbeiten und dafür verschiedene Angebote einholen. Das Sommertheater wurde 1985 in Meersburg unter Beteiligung des Schriftstellers Martin Walser vom Theater Konstanz ins Leben gerufen, elf Jahre später zog es nach Überlingen, nachdem die Meersburger Spielstätte, eine ehemalige Fabrik, abgerissen worden war. (flo)

Meßkirch: Sicht auf den Glauben

Edwin Ernst Weber gestaltet das Angebot der Meßkircher Kreisgalerie. <sup></sup><sup></sup>
Edwin Ernst Weber gestaltet das Angebot der Meßkircher Kreisgalerie. | Bild: Archiv

In der Kreisgalerie im Schloss Meßkirch geht es bis zum 15. Oktober noch um die Glaubensbekenntnisse von Menschen aus dem Kreis Sigmaringen. Die Ausstellung trägt den Titel "Was mir heilig ist". 41 Personen seien dafür interviewt worden – Christen, Muslime, Buddhisten, kirchenunabhängige Menschen oder auch Anthroposophen, sagt Edwin Ernst Weber, Kreisarchivar und Ausstellungsorganisator aus Sigmaringen.

Für jeden der Interviewten gebe es ein Exponat, das für dessen religiöse Haltung steht. Geplant seien etliche Führungen mit den Interviewpartnern durch die Ausstellung. Im Programm der Galerie folgt eine Ausstellung "Die glücklichen Einfälle des Johann Baptist Pflug", einem der renommiertesten oberschwäbischen Maler aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ortsansichten, Schlachtendarstellungen sowie Räuberszenen gehörten ebenso zu dessen Repertoire wie Porträts, Ortsansichten oder Darstellungen des dörflichen Lebens. Die Ausstellung ist vom 5. November an bis Mitte Februar 2018 zu sehen. (mos)

Markdorf: Stadel punktet

Frank Schirl und Alexandra Berthold leiten den Theaterstadel.
Frank Schirl und Alexandra Berthold leiten den Theaterstadel. | Bild: Jörg Büsche

Hoch über der Stadt stellt der Markdorfer Theaterstadel auch buchstäblich etwas Herausragendes dar. Bereits seit Jahrzehnten geben sich hier die Großen der Kabarett-Szene die Klinke zur urig-barocken Kleinkunstbühne in die Hand. Darüber hinaus ist der Theaterstadel auch eine Anlaufstelle für Cineasten. Frank Schirl und Alexandra Berchtold heimsen regelmäßig Preise von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg ein. Nach dem Erfolgsrezept gefragt, antwortet Frank Schirl: "Ich mache das, was mir gefällt." Das gilt fürs seit 1982 von ihm geleitete Kino. Fürs etwas später von ihm übernommene Kleinkunstbühnen-Programm gelte das genau so. Eine glückliche Hand hat er bei einer ganzen Reihe von Newcomern bewiesen. Die regelmäßig ausverkauften Vorstellungen zeigen, dass der Zuschauer-Geschmack getroffen wird. Es gibt gute Unterhaltung mit Niveau. Ein Konzept, das sich bewährt hat. Und das den Erfolg des Stadels auch trotz wachsender Kleinkunstbühnen-Konkurrenz bisher anhalten lassen hat. (büj)

 

Friedrichshafen: Musik mit Seesicht

Matthias Klingler setzt neue Akzente fürs Graf-Zeppelin-Haus.
Matthias Klingler setzt neue Akzente fürs Graf-Zeppelin-Haus. | Bild: Harald Ruppert

Friedrichshafen bekommt diesen Sommer erstmals eine Seebühne. Den Weg zur Festspielstadt will ihr Initiator Matthias Klingler damit aber nicht ebnen. "Es bringt nichts, wenn wir 'Bregenz light' machen", sagt der neue Geschäftsführer des Graf-Zeppelin-Hauses. "Die Sommerinsel muss ihren eigenen Charakter bekommen." Sommerinsel, so nennt er die 144 Quadratmeter große Plattform, die vom 14. bis 23. Juli ufernah vor dem GZH schwimmen wird. An drei Tagen spielen hier die Bigband des Vereins Jazzport, das Stadtorchester und eine Klassik-Matinee wird es geben. "Wir wollen einen positiven Start hinlegen und das längerfristig aufbauen", sagt Klingler zur neuen Open-Air-Schiene. Zwischen 3000 und 3500 Personen fasst das Freigelände und wenn die Resonanz stimmt, werden auch die großen Konzertveranstalter auf die Bühne mit Seesicht aufmerksam werden, glaubt Klingler. Er will zeigen, dass das GZH in seinem 33. Jahr neue Wege geht. Bei Schlechtwetter können die Open-Air-Konzerte ins GZH ausweichen. (rup)