Die besondere Qualität der Sportregion am nördlichen Bodensee lässt sich am besten in einem Bild vom 18. Loch des Golfplatzes Lugenhof zwischen Überlingen und Owingen einfangen. Hinter dem Green liegt ausgebreitet die Wasserfläche des Sees, auf der sich Segler in den Wind legen, darüber erheben sich die beiden Gipfel des Säntis. Der See so weit – die Berge so nah, ließe sich mit Bergwanderern, Kletterern und Skiläufern formulieren. Sportmöglichkeiten in beeindruckender Landschaft so weit das Auge reicht. Auch Leistungssportler setzen hier Akzente – Volleyballer in Friedrichshafen, Segler und Turntalente in Überlingen, Fußballer in Pfullendorf, Schützen in Meßkirch oder Schachspieler in Tettnang. Vielfältig ist das Angebot für Breiten- und Hobbysportler – im Fahrradsattel oder auf den Beinen. Gelaufen wird nicht nur beim Pfahlbaumarathon. Das Bodenseeufer, die ganze Region ist in Bewegung.

Längst sind diese reizvollen Möglichkeiten zu einem Standortfaktor geworden. „Die Vierländerregion Bodensee ist nicht nur im Bereich Wirtschaft, Kultur, Bildung und Wissenschaft spitze“, betont Benedikt Otte, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bodenseekreis, „sondern auch eine einzigartige Sport- und Tourismusregion.“ Gelegentlich höre er auf die humorvoll gemeinte Frage, warum Urlauber hier mehr Gepäck dabei hätten als in anderen Regionen, die Antwort: „Packen Sie mal einen Koffer zum Segel-Bade-Bike-Wander-Walk-Golf-Kite-Surf-Wasserski- und Festspiel-Urlaub!“ All diese Aktivitäten seien verfügbar, ohne große räumliche Distanzen überwinden zu müssen, erklärt Otte. Gefördert werde dies durch professionelle Anbieter und Sportvereine. Diese nahezu unbegrenzten sportlichen Möglichkeiten übten für viele Fachkräfte eine hohe Anziehungskraft aus, unterstreicht der Wirtschaftsförderer. „Arbeiten mit einer hohen Lebensqualität.“

Großes Sport-Angebot am Bodensee

In das gleiche Horn stößt auch Frank Gauß, stellvertretender Pressesprecher der Messe Friedrichshafen. „Die Region zählt zu einem der schönsten Fleckchen Erde in Deutschland“, ist er überzeugt. „Ob Wandern, Trailrunning, Kanu-Fahren, Joggen, Radfahren oder auch die ganze Palette des Wassersports – hier gibt es eine herausragende Vielfalt an Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung“, sagt Gauß. Auch viele Themen der Messe spiegelten die sportliche Vielfalt wider. „Mit der Outdoor, der Eurobike oder der Interboot schafft die Messe Friedrichshafen globale Marktplätze rund um diese Themen“, sagt Gauß, „und das Ganze in einem tollen Ambiente.“ Dies löse starke Kaufkraft-Effekte aus. „Aussteller und Besucher sorgen laut einer Studie des ifo-Instituts aus dem Jahr 2015 in einem durchschnittlichen Messejahr für eine Kaufkraft von insgesamt 146 Millionen Euro allein in Friedrichshafen und einem Umkreis von rund 25 Kilometern.“

Intensive Wechselwirkungen gibt es zwischen den Sportangeboten und dem Tourismus. Das wissen auch Jürgen Jankowiak von der Kur und Tourismus Überlingen und Ulrike Schwichtenberg vom Verband Ferienregion Nördlicher Bodensee in Pfullendorf und Umgebung nur zu gut. Ein „Leuchtturm-Angebot“ ist für Jankowiak der Bodensee-Radweg als einer der beliebtesten Radfernwege in Europa. Doch auch ins Umland gebe es sehr attraktive Touren, die zunehmend auch mit E-Bikes/Pedelecs befahren werden können. Nicht ganz so viele Angebote gebe es für Mountainbiker und Extremsportler, erklärt der Überlinger Touristikchef. „Noch ausbaufähig sind auch die Indoor-Angebote“ , sagte Jankowiak und würde sich dies als Schlechtwetter-Alternative auch wünschen.

Auf den Seepark Pfullendorf als Sport- und Freizeitmagnet weist Ulrike Schwichtenberg hin, die in den Sportangeboten sowohl für den Tourismus- als auch für den Wirtschaftsstandort eine Stärkung sieht. Zwar ist der Seepark kein Geheimtipp mehr. Die teilweise nicht alltäglichen Angebote mit dem Seepark-Golf, dem Fußballgolf, dem Wasserskipark, dem Tauchzentrum und im Winter das Eiszelt stellen eine beliebte Ergänzung zum Seeufer, das für sich einen Magneten darstellt, dar.

 

Segelfliegen: Pilot schon ab 14 Jahren

Segelfliegen – für manch einen ist es die schönste Art, sich fortzubewegen. Bei den Segelfliegern Markdorf erfährt man, dass es sich dabei um viel mehr als nur um eine exklusive Art der Fortbewegung handelt: Man erlebt hautnah das Gefühl des Fliegens und der Bewegung und staunt über den Anblick der Natur aus der Vogelperspektive, während lediglich das leise Geräusch des Fahrtwindes zu hören ist. Bereits mit 14 Jahren kann man bei den Segelfliegern Markdorf das Fliegen erlernen und vor dem 16. Lebensjahr den Flugschein erwerben. Die Ausbildung setzt eine fliegerärztliche Untersuchung voraus und besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Nach rund 60 bis 80 Starts kann man seinen ersten eigenen Flug absolvieren. Nach einem weiteren Jahr und nach dem Weiterentwickeln der Fertigkeiten in der Thermik ist man schließlich prüfungsreif. Im Schnitt benötigt es etwa drei Jahre bis zur Fluglizenz. Interessierten ist es jederzeit an Flugtagen möglich, einmal mitzufliegen.

 Kosten: 30 Euro www.sfg-markdorf.de (hst)
Unterwegs in fliegenden Kisten: (von links) Thomas Fregin, Andreas Vogel, Helmut Westermann, Thorsten Wesskallnies, Rudolf Schmillen.
Unterwegs in fliegenden Kisten: (von links) Thomas Fregin, Andreas Vogel, Helmut Westermann, Thorsten Wesskallnies, Rudolf Schmillen. | Bild: Helga Stützenberger

Eishockey: Rasant unterwegs auf Kufen und Rollen

Mit dem Hockeyspiel hat Manuel Dufner eine perfekte Sportart für sich entdeckt. Die „TäleDucks“ sind seine Mannschaft – eine Abteilung des SV Rengetsweiler, die sich sowohl dem Inline-, als auch dem Eishockey verschrieben hat. Die Vielseitigkeit und das temporeiche Spiel begeistern den 18-Jährigen. „Ich kann immer Vollgas geben“, beschreibt er die Faszination. Im Winter trainieren die „TäleDucks“ im Eiszelt in Pfullendorf; da sie keine eigene Halle haben, haben sie sich im Sommer bei den Spielern in Neuhausen ob Eck eingeklinkt. „Meine Sportart ist ziemlich teuer“, bekennt der Gögginger. Inliner, Schlittschuhe, Schienbeinschoner, weitere Schutzbekleidung sowie Helm und Schläger – ein „TäleDuck“ muss tief in die Tasche greifen. „Dank der guten Ausrüstung ist die Verletzungsgefahr geringer als bei vielen anderen Sporarten“, betont Dufner. Bei den „Ducks“, den Enten, ist er als jüngster Spieler das Küken, das genauso rasant unterwegs ist wie die älteren Spieler – „Mir macht es einfach Spaß, mich auszu-powern“, sagt er lachend. (slo)
 

Gut geschützt geht es für Manuel Dufner zum Hockeyspiel mit seinen „Täle Ducks“.
Gut geschützt geht es für Manuel Dufner zum Hockeyspiel mit seinen „Täle Ducks“. | Bild: (privat)

Unterwasser-Rugby: Rugby in 3,80 Metern Wassertiefe

Unterwasser-Rugby ist keine neue Sportart. Im Tauch-Sport-ClubFriedrichshafen wird sie bereits seit den 1980er Jahren erfolgreich betrieben. "Dieses Jahr spielt unsere Mannschaft, eine Spielgemeinschaft mit Konstanz, in der zweitenBundesliga", berichtet Irmgard Eberhardt, die die Gruppe leitet und selbst seit Jahren erfolgreich spielt. Zu einer Mannschaft gehören zwölf Spieler – sechs im Wasser und sechs auf der Bank. Je nach Spielsituation sind die Spieler ohne Atemgerät zwischen zehn Sekunden und einer Minute unter Wasser. Zur Ausrüstung gehören lediglich Tauchermaske, Schnorchel und Flossen. In einer Wassertiefe von 3,80 Meter befinden sich schwere Metallkörbe als Tore am Boden des Beckens. "Das dreidimensionale Spiel ist sehr faszinierend", sagt Eberhardt. Es sei spannend und weder grob noch verletzungsgefährdend. "Der Spaß steht definitiv an erster Stelle." Die Unterwasser-Rugby-Mannschaft trainiert in der kalten Jahreszeit im Friedrichshafener Hallenbad und im Sommer im Strandbad Eriskirch. Die Mannschaft ist gemischt und das Alter der Spieler liegt zwischen 20 und 58 Jahren. (rac)
 

Irmgard Eberhardt vom Tauch-Sport-Club Friedrichshafen leitet die Abteilung Unterwasser-Rugby.
Irmgard Eberhardt vom Tauch-Sport-Club Friedrichshafen leitet die Abteilung Unterwasser-Rugby. | Bild: Claudia Wörner

Stand-up-Paddling: Surfen auf die sanfte Tour

Stand-up-Paddling“ ist die ruhigere Art, Fortbewegung auf dem Wasser zu genießen. 2013 hat es am See Fuß gefasst. „Das ist ein neues Gefühl, weil man eine andere Perspektive hat“, sagt Raphaela Schäufele von der Surfschule Bodensee im Überlinger Strandbad Ost: „Wer es ausprobiert hat, ist begeistert.“ Das Brett für das Stand-up-Paddeln ist länger, breiter und voluminöser als die anderen. Dadurch liegt es stabil auf dem Wasser und man hat keine Probleme, das Gleichgewicht zu halten. Inzwischen gibt es aufblasbare Bretter für den Rucksack. Einmal links, einmal rechts mit dem speziell geformten Paddel einstechen – und los geht das meditative Vergnügen. Man bleibt in Ufernähe und hat beste Aussichten aus höherer Warte. „Ein zweistündiger Einführungskurs genügt, um damit vertraut zu werden“, betont Schäufele: „Man kann aber auch ein Brett ausleihen und es einfach alleine ausprobieren.“ Wer noch mehr Ruhe sucht, der kann hier sogar „Yoga auf dem Wasser“ buchen und sich mental vollends treiben lassen. (hpw)

Raphaela Schäufele macht vor, wie man ohne Wind und Wellen surft: auf dem SUP.
Raphaela Schäufele macht vor, wie man ohne Wind und Wellen surft: auf dem SUP. | Bild: Hanspeter Walter