Es gibt nicht viele Konstanten im Leben. Zumal nicht in diesen schnelllebigen Zeiten, wo einstige Volksparteien keine mehr sind, Dieselfahrer plötzlich unverkäufliche Karossen im Hof stehen haben und keiner sagen kann, ob wir im kriselnden Italien bald wieder mit Lire statt mit Euros zahlen. Nur eines sicher: Was es bei uns zu Hause an Heiligabend zu essen gibt – weil es immer so war und immer so sein wird, besser: sein muss. Bratwürste („Gschlagene“), Kartoffelsalat (die schwäbische Variante, in der
Mayonnaise nichts zu suchen hat, dafür aber kräftige Gemüsebrühe), grüner Salat und dunkle Soße eines Bratens, der am Tag davor geschmort wurde. Sonst nichts.

Dieses Menü gibt es bei uns am 24. Dezember, seit ich denken kann. Zwar wurde mal der Metzger gewechselt und die jahrzehntelang als unersetzlich angesehene Kartoffelsorte Sieglinde mangels Verfügbarkeit ersetzt. Das war’s aber auch. An Heiligabend muss alles so sein wie immer: das Essen, die Lieder, die gesungen werden, der Ablauf der Bescherung.

Mutters Versuch im Ansatz abgeblockt

Vor ein paar Jahren hat meine Mutter einmal den Versuch unternommen, das Mahl anders und vielfältiger zu gestalten. Einen feinen Braten vielleicht, so ihr Vorschlag, oder mehrere Gänge. Allein die Ankündigung löste in der Familie Unverständnis und Kopfschütteln aus. Mein Bruder drohte gar: „Dann komm‘ ich nicht.“ Der Plan wurde nicht weiterverfolgt.

Gerade an Weihnachten gibt es in vielen Familien eingeübte Rituale, da ist das Abendessen nur ein Element. Da muss man nicht lange überlegen, wer wen am ersten Feiertag besucht – wie immer eben. Mancher mag dies als lästig empfinden, zumal Familienzusammenkünfte ja nicht immer harmonisch verlaufen müssen. Und dennoch schaffen diese Traditionen eine Sicherheit, die es im Alltag immer seltener gibt. Das mag ein Grund sein, warum viele an Weihnachten ein Auszeit nehmen und auf Vertrautes bauen.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen schöne Weihnachten, feiern Sie diesen besonderen Tag. Wir vom SÜDKURIER wünschen Ihnen ein frohes Fest und entspannte Tage, mit wem und wo auch immer Sie diese verbringen mögen. Und falls Ihnen jemals einer einreden will, dass es an Heiligabend etwas anderes als sonst zu essen geben sollte – Sie wissen, was zu tun ist!