Quallen vermutet man eigentlich im Mittelmeer, im Atlantik oder im Indischen Ozean, sie kommen aber auch im Bodensee vor. Durch die höheren Wassertemperaturen werden nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) in geschützten Hafenanlagen in diesem Jahr wieder Süßwasserquallen (Craspedacusta sowerbii) beobachtet.

Anders als manch ein Artgenosse in den Ozeanen dieser Welt sind die im Bodensee vorkommenden Süßwasserquallen für Menschen allerdings harmlos. Sie werden maximal zweieinhalb Zentimeter groß und wachsen nur in Sommern mit besonders warmem Wasser.

Aus Polypen werden bei über 25 Grad Medusen

Entdeckt wurden die Quallen im Bodensee, auch Medusen genannt, laut IGKB erstmals 1999 im Harder Binnenbecken. Normalerweise sind die Tiere in Polypenform am Seegrund zu finden. Die Süßwasserqualle benötigt im Wasser Temperaturen von etwa 25 Grad Celsius, damit aus Süßwasserpolypen die jetzt sichtbaren Medusen werden, erklärt Petra Teiber-Sießegger vom Institut für Seenforschung in Langenargen. Die Quallen werden ihren Angaben zufolge absterben, wenn die Temperaturen zu niedrig werden. Bisher sei ein Exemplar noch bei 20 Grad Celsius beobachtet worden.

Süßwasserquallen sind in Europa schon länger verbreitet

Die Süßwasserqualle stammt ursprünglich aus Südostasien, ist nach Angaben der Experten aber in Europa schon länger verbreitet. "Der Einschleppungsweg in den Bodensee ist unklar", erläutert Petra Teiber-Sießegger. Möglicherweise seien sie über Wasservögel verbreitet worden. Auch Klaus Zimmermann von der Inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn stellt fest, dass die Süßwasserqualle weltweit inzwischen weit verbreitet ist. Bei der Entdeckung der Tiere sei man davon ausgegangen, dass sie über Wasserpflanzen in den See gelangten und seither unter anderem über Wasservögel verbreitet worden sind.

Keine Bedrohung für heimische Arten im Bodensee.
Keine Bedrohung für heimische Arten im Bodensee. | Bild: Fabiane Weiland

Für heimische Arten stellt die eingeschleppte Süßwasserqualle keine Gefahr dar. "Sie gehört nicht zu den invasiven Arten", teilt Petra Teiber-Sießegger mit. Biologe Klaus Zimmermann betont, es sei nicht zu befürchten, dass sie andere Tiere verdrängen. Die Nahrungskonkurrenz zu heimischen Arten sei nicht sehr wahrscheinlich. Die Quallen würden vielmehr auch von anderen Seebewohnern gefressen. "Mit einem Wassergehalt von 99,3 Prozent sind sie allerdings nicht sehr nahrhaft", so Zimmermann.

Süßwasserquallen in Langenargen entdeckt

Für Menschen stellen die Süßwasserquallen keine Gefahr dar. "Sie verfügen aber über Nesselzellen, um Kleinkrebse und Rädertierchen zu fangen, von denen sie sich ernähren", erläutert die Expertin vom Institut für Seenforschung. Doch wo können die Quallen derzeit beobachtet werden? "Ein gesicherter Nachweis liegt uns für das aktuelle Jahr bisher nur aus dem Yachthafen Langenargen vor", so Petra Teiber-Sießegger. Weitere Fundorte seien dem Institut noch nicht gemeldet worden.

Biologe entdeckt Tiere auch im vorarlbergischen Fußach

Zu beobachten sind die Medusen an der Wasseroberfläche nach Angaben des Vorarlberger Biologen Klaus Zimmermann in sehr heißen Jahren – so wie derzeit mit Wassertemperaturen von 26 Grad. Eine große Zahl an Tieren habe er bereits im Fußacher Hafen beobachtet. "Die gerade einmal münzgroßen Tiere sind für den Laien nicht immer einfach zu erkennen. Wenn man genau hinschaut, sieht man sie allerdings auch vom Ufer aus an der Wasseroberfläche schimmern."

Hohe Temperaturen, niedriger Pegel

  • Bei Bregenz ist der Bodensee an der Oberfläche über 26 Grad warm. Damit wurden Anfang August die bisherigen Extremwerte der Tagesmittel für den jeweiligen Kalendertag seit 1979 überschritten, teilt die Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) in einem Pressetext mit. In der Seemitte des Bodensee-Obersees sind es laut aktueller Messung vom 6. August 25,6 Grad. Das kommt schon recht nahe an den bisherigen Rekord heran, der von der IGKB im Juli 2015 mit 26,6 Grad gemessen wurde. Damit sorge die Klimaerwärmung laut IGKB dafür, dass der Sommer 2018 auf Rekordkurs ist: Insgesamt sei der See in diesem Sommer schon um zwei bis drei Grad wärmer als im langjährigen Mittel seit 1963. Gleichwohl ging der Bodensee gut gerüstet in den Sommer. Weil es im Februar vergleichsweise kalt und windig war, konnten sich Anfang März die Wasserschichten im gesamten See gut durchmischen: So kam es zu einem Stoffaustausch und die Sauerstoffvorräte am Seegrund konnten aufgefüllt werden.
  • Nicht nur die Wassertemperatur, sondern auch der Wasserstand startete höher als sonst in das Jahr 2018 und überstieg Ende Januar und Anfang Februar sogar deutlich den bisherigen Maximalstand. Seit der ersten Junihälfte hat sich der Pegelstand nun aber in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. An den Pegelmessstellen in Bregenz und Konstanz ist er seitdem um etwa 85 Zentimeter zurückgegangen. Nachteile für das Ökosystem des Sees sind durch das Niedrigwasser nicht zu befürchten.
  • Als Folge der hohen Temperaturen und des niedrigen Wasserstands werden in diesem Sommer in den Flachwasserbereichen außerordentlich viele Wasserpflanzenfelder beobachtet. Diese dienen vielen Fischarten als Laichplatz, Jungfische nutzen sie als Flucht- und Versteckmöglichkeiten.