Der Kreistag des Bodenseekreises hat sich am Mittwoch einstimmig für den Abriss des Landratsamtsgebäudes aus dem Jahr 1973 in der Glärnischstraße 1 bis 3 ausgesprochen. Dafür soll ein Neubau entstehen.

Architektenwettbewerb soll ausgelobt werden

Auf Basis einer Machbarkeitsstudie soll nun ein Architektenwettbewerb in die Wege geleitet werden. Außerdem beauftragte der Kreistag die Verwaltung, den Grunderwerb der Parkplätze an der Glärnischstraße von der Stadt Friedrichshafen anzugehen.

Der Zeitplan

 

Netzwerk für Friedrichshafen sieht Altgebäude als schützenswert an

„Es klingt so, als hätten wir die Sanierung des Gebäudes Glärnischstraße salopp zur Seite geschoben“, schickte Landrat Lothar Wölfle mit Blick auf die Forderung des Netzwerks für Friedrichshafen, eine Fraktion im Gemeinderat, voraus. Deren Mitglieder finden: Das Gebäude in der Architektursprache der Moderne sei als Denkmal schützenswert. Unterstützung erhielt das Netzwerk von Dietmar Kathan, Vorsitzender der Architektenkammer im Bodenseekreis.

Warum eine Sanierung als Alternative verworfen wurde

Wölfle betonte: „Fakt ist, dass wir uns zwei Jahre mit Sanierung als Alternative zum Abriss beschäftigt haben.“ Das Ergebnis sei, dass außer dem Betonkern von dem Gebäude nichts mehr übrig bleiben würde.

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Harald Betting, Leiter des Bau- und Liegenschaftsamts, erläuterte, dass auch der Um- oder Neubau des Gebäudes in der Albrechtstraße 75 (IBM-Gebäude) keine Option ist. Selbst bei Abbruch und Neubau lasse sich die Nutzfläche nur geringfügig erhöhen.

Von 9785 auf knapp 18 000 Quadratmeter

Dringend notwendig ist aber mehr Fläche. Aktuell arbeiten im Landratsamt 1018 Mitarbeiter auf 9785 Quadratmetern. Nach Fertigstellung der Neubauten in vier Bauabschnitten (siehe Grafik) sollen insgesamt 1755 Mitarbeiter auf knapp 18 000 Quadratmetern Büroräume beziehen können.

Pendant zum Verwaltungsgebäude Albrechtstraße 77 denkbar

Betting zeigte die städtebauliche Ausgangsidee aus dem Jahr 2015. Danach kann sich die Verwaltung im Bauabschnitt zwei, dem eigentlichen Ersatzneubau, ein Pendant zum Verwaltungsgebäude Albrechtstraße 77 vorstellen, das über sieben Geschosse verfügt. „Wir hätten dann eine Art Tor zur Stadt Friedrichshafen.“

In den Bauabschnitten drei und vier werden zwei Bürogebäude gebaut, hier gehe man von niedrigeren Höhen aus. Alternative sei ein Gebäude mit zwei Geschossen weniger, erläuterte Betting.

Die Bauabschnitte im Überblick

Im ersten Bauabschnitt möchte das Landratsamt das Grundstück nordöstlich der Glärnischstraße mit Wohnungen und circa 200 Stellplätzen in einer Tiefgarage bebauen. Hier sollen die Autos Platz finden, die derzeit vor dem Gebäude Glärnischstraße parken.

Der Bauabschnitt drei sieht ein weiteres Verwaltungsgebäude entlang der Zeppelinstraße mit 69 Stellplätzen in einer Tiefgarage vor. Der vierte Bauabschnitt mit einem langfristigen Zeithorizont von 20 Jahren oder mehr umfasst ein weiteres Verwaltungsgebäude mit Tiefgarage.

Manuel Plösser sieht keine Denkmalschutzqualitäten bei Altgebäude an Glärnischstraße

Manuel Plösser (CDU) unterstrich, dass das Landratsamt im Jahr 1975 ein Drittel der heutigen Mitarbeiter beschäftigte. „Die Planung ist nicht erst seit gestern bekannt.“ Das Gebäude in der Glärnischstraße habe keine Denkmalschutzqualitäten und der Vorsitzende der Architektenkammer vertrete eine Einzelmeinung. „Ein Umbau macht aus fachlicher Sicht keinen Sinn und die bauliche Qualität entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen“, so Plösser.

„Die Kreisverwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht.“ – Manuel Plösser, CDU
„Die Kreisverwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht.“ – Manuel Plösser, CDU | Bild: SK

Städtebauliche Strategie soll entwickelt werden

Bereits entwickelt und ausgearbeitet seien die Grundlagen für einen Planungswettbewerb. „Er wird uns ein spannendes und zielführendes Ergebnis bieten.“ Der Kreistag trage Verantwortung für den Kreis und für die Mitarbeiter des Landratsamtes. Nun gelte es, eine städtebauliche Strategie zu entwickeln, die über die architektonische Gestaltung eines Gebäudes weit hinaus gehe.

Kritik an aktuellen Arbeitsbedingungen im Landratsamt

„Auch die Freien Wähler stehen zu dem Projekt“, unterstrich Robert Scherer und sprach von einem Missstand bei der Unterbringung der Mitarbeiter und von eingeschränkten Arbeitsbedingungen. Der Erwerb der Parkplätze von der Stadt sei ein wichtiger Baustein und solle bald erfolgen.

„Ein Neubau ist richtig und die wirtschaftlichste Lösung.“ – Robert Scherer, Freie Wähler
„Ein Neubau ist richtig und die wirtschaftlichste Lösung.“ – Robert Scherer, Freie Wähler | Bild: SK

„Große Flächen sind asbesthaltig, es gibt keine statischen Reserven“

Andrea Rehm (Grüne) äußerte zwar Verständnis für den Wunsch nach Sanierung, sei der ökologische Fußabdruck doch besser als der eines Neubaus.

„Die Arbeitsplätze im Landratsamt sind teilweise eine Zumutung.“ – Andrea Rehm, Grüne
„Die Arbeitsplätze im Landratsamt sind teilweise eine Zumutung.“ – Andrea Rehm, Grüne | Bild: SK

Sie bestätigte aber, dass dafür eine komplette Entkernung des Gebäudes nötig wäre: „Große Flächen sind asbesthaltig, es gibt keine statischen Reserven, der Brandschutz ist nicht zeitgemäß und die Leute arbeiten in Bürozellen.“ Ein Architektenwettbewerb für einen ökologischen Neubau sei die beste Lösung.

Ökologischer Neubau als Visitenkarte der Stadt?

Norbert Zeller (SPD) formulierte deutliche Worte in Richtung des Netzwerks für Friedrichshafen: „Populistische Schnellschüsse helfen weder Mitarbeitern noch Besuchern des Landratsamts und werden der Sache nicht gerecht.“

„Eine Sanierung schafft keine dringend benötigten zusätzlichen Flächen.“ – Norbert Zeller, SPD
„Eine Sanierung schafft keine dringend benötigten zusätzlichen Flächen.“ – Norbert Zeller, SPD | Bild: Samuel Groesch

Die Sanierung schaffe keine zusätzliche Fläche und die Kosten für die notwendige temporäre Auslagerung der Mitarbeiter seien nirgends veranschlagt. Ein ökologischer Neubau biete die Chance für eine neue Visitenkarte der Stadt.

Auch Christoph Högel (AfD) sieht in der Sanierung keine Vorteile. „Auch wir bemängeln, dass sich das Netzwerk nicht im Vorfeld bei der Arbeitsgruppe informiert hat.“

„Wir stehen unverrückbar hinter dem Neubauvorhaben.“ – Christoph Högel, AfD
„Wir stehen unverrückbar hinter dem Neubauvorhaben.“ – Christoph Högel, AfD | Bild: SK

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe

Zur Arbeitsgruppe des Projekts Neubau Landratsamt gehören Johannes Henne (CDU), Robert Scherer (FW), Andrea Rehm (Grüne), Norbert Zeller (SPD), Detlev Gallandt (AfD) und ein Vertreter der FDP-Fraktion.