Laut Regierungspräsidium Tübingen sind es 22 Bohrstellen auf den Gemarkungen Meersburg, Stetten, Hagnau, Markdorf, Ittendorf, Kippenhausen und Immenstaad. Rund acht Wochen sind hierfür veranschlagt.

Video: Toni Ganter

Bei Meersburg sind beim dortigen Wasserhochbehälter Trielberg Bodenproben bis zu einer Tiefe von rund 35 Metern genommen worden.

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Außerdem wurde dort eine Grundwassermessstelle eingebaut. Hierfür ist ein kombiniertes Ramm-/Rotationskernbohrgerät eingesetzt worden – ja der Mercedeslastwagen mit Geräteaufbau zum Nettopreis von rund 380 000 Euro heißt so.

Bohrmeister Martin Böck (links) an der Bedieneinheit und Mitarbeiter Michael Otto erledigen beim Meersburger Hochbeälter Trielberg die Bohrarbeiten zur Entnahme von Bodenproben bis zu einer Tiefe von rund 35 Metern. Dort wird zudem eine Grundwassermessstelle eingebaut.
Bohrmeister Martin Böck (links) an der Bedieneinheit und Mitarbeiter Michael Otto erledigen beim Meersburger Hochbeälter Trielberg die Bohrarbeiten zur Entnahme von Bodenproben bis zu einer Tiefe von rund 35 Metern. Dort wird zudem eine Grundwassermessstelle eingebaut. | Bild: Toni Ganter

„Durch die Bodenproben wird herausgefunden, welche Materialschichten vorhanden sind und welche bautechnischen Eigenschaften sie haben“, erklärt Diplom-Geologe Martin Brodbeck vom beauftragten Stuttgarter Unternehmen Smoltczyk & Partner. „Daraus kann abgeleitet werden, ob für die Gründung von Bauwerken besondere Maßnahmen erforderlich sind.“

Bohrmeister Martin Böck entnimmt einen Bohrkern aus dem Bohrwerkzeug.
Bohrmeister Martin Böck entnimmt einen Bohrkern aus dem Bohrwerkzeug. | Bild: Toni Ganter

Etwa, ob für die spätere B 31-neu Pfähle für die Gründung benötigt werden oder ob Boden ausgetauscht werden muss. „Im Prinzip ist es das Gleiche wie bei einem Hausbau, auch da braucht es ein solides Fundament. Allerdings sind die Dimensionen für den Straßenbau ganz andere“, legt Brodbeck vereinfacht den Zweck der Bohrungen dar, „es soll ja nicht auf Sand gebaut werden, die B 31-neu soll sicher und wirtschaftlich sein.“

Diplom-Geologe Martin Brodbeck mit Holzkisten, in denen meterweise die Bohrporben von der Grasnarbe bis zu einer Tiefe von rund 35 Metern für nachfolgende Untersuchungen im Labor aufbewahrt werden. In einer Tiefe von 6 bis 8 Metern ist man auf Schluff (etwas gröbere Körnung als Ton) sowie auf Geröllgestein gestoßen. Der Brocken unter Brodbecks Händen ist Teil eines Findlings.
Diplom-Geologe Martin Brodbeck mit Holzkisten, in denen meterweise die Bohrporben von der Grasnarbe bis zu einer Tiefe von rund 35 Metern für nachfolgende Untersuchungen im Labor aufbewahrt werden. In einer Tiefe von 6 bis 8 Metern ist man auf Schluff (etwas gröbere Körnung als Ton) sowie auf Geröllgestein gestoßen. Der Brocken unter Brodbecks Händen ist Teil eines Findlings. | Bild: Toni Ganter

Für die Bohrungen gehen Bohrmeister Martin Böck und Mitarbeiter Michael Otto vom Unternehmen Drillexpert meterweise vor. Nach jedem Bohrvorgang werden die Bohrkerne in Holzkisten gelagert, die beschriftet werden, aus welcher Tiefe das jeweilige Material stammt.

Michael Otto positioniert ein weiteres Rohrstück, das verschraubt und zur Absicherung des Bohrlochs in den Boden getrieben wird. Das geschieht mehrfach bis zu rund 35 Metern Tiefe.
Michael Otto positioniert ein weiteres Rohrstück, das verschraubt und zur Absicherung des Bohrlochs in den Boden getrieben wird. Das geschieht mehrfach bis zu rund 35 Metern Tiefe. | Bild: Toni Ganter

„Pro Bohrstelle dauert das etwa drei Tage“, erklärt Drillexpert-Geschäftsführer Wolfgang Fechner, „das hängt von der Bodenbeschaffenheit ab.“ Nach dem Bohren werde das Loch gesichert und verrohrt, damit die Bohrstelle frei bleibt, um die Grundwassermessstelle einzubauen.

Oben sind zwei sogenannte Schappen zu sehen, mit denen mittels Drehbohrung Bodenproben genommen werden. Darunter Rohrstücke mit Gewinde, die zum Freihalten des Bohrlochs verwendet werden.
Oben sind zwei sogenannte Schappen zu sehen, mit denen mittels Drehbohrung Bodenproben genommen werden. Darunter Rohrstücke mit Gewinde, die zum Freihalten des Bohrlochs verwendet werden. | Bild: Toni Ganter

Anhand geologischer Karten und den möglichen Trassenvarianten der B 31-neu hat das Unternehmen Smoltczyk & Partner die 22 Stellen für die Bohrungen ausgewählt. „Der Bodenseeraum ist durch den ehemaligen Rheingletscher stark eiszeitlich geprägt“, erklärt Brodbeck. Das Bodenmaterial bestehe aus Geschiebemergel. Darin kommen beispielsweise Ton, Schluff (etwas grobkörniger als Ton), Sand, Kies und alpine Gerölle (gerundete Gesteinsbrocken) oder auch Findlinge vor.

Sand auf der Hand: Dieses Material stammt von einer Bohrprobe aus einer Tiefe von 16 bis 18 Metern.
Sand auf der Hand: Dieses Material stammt von einer Bohrprobe aus einer Tiefe von 16 bis 18 Metern. | Bild: Toni Ganter

Die Bohrkerne werden vor Ort einer ersten Untersuchung unterzogen. Es wird aus den unterschiedlichen Bohrtiefen Material für Becherproben genommen. Die werden im Labor begutachtet, um die genaue Beschaffenheit und die Eigenschaften zu bestimmen.

Auf diesem Blatt ist dargestellt, wie die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg aufgebaut ist. Oben die Compactklappe (Deckel), in der Mitte blaues PVC-Rohr, umgeben von Zement, unten in der Tiefe von rund 15 bis 35 Metern PVC-Rohr, teils mit Schlitzen für den Wasserdurchfluss, umgeben von Filterkies und Sand.
Auf diesem Blatt ist dargestellt, wie die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg aufgebaut ist. Oben die Compactklappe (Deckel), in der Mitte blaues PVC-Rohr, umgeben von Zement, unten in der Tiefe von rund 15 bis 35 Metern PVC-Rohr, teils mit Schlitzen für den Wasserdurchfluss, umgeben von Filterkies und Sand. | Bild: Toni Ganter

Etwa gerundete Steine sind ein Anzeichen dafür, dass das Material in einem Flussbett war, ehe es durch den Gletscher weggeschoben wurde. Es kann festgestellt werden, woher das Material ursprünglich stammt. Die Ergebnisse werden in geologischen Gutachten dargelegt. Das hilft dann bei der Entscheidungsfindung, welche der B 31-neu-Trassen die beste Lösung sein wird.

Diese PCV-Rohre werden für die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg verwendet. Durch die Rohrabschnitte mit Schlitzen, umgeben von Filterkies und Sand, wird das Wasser durchfließen.
Diese PCV-Rohre werden für die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg verwendet. Durch die Rohrabschnitte mit Schlitzen, umgeben von Filterkies und Sand, wird das Wasser durchfließen. | Bild: Toni Ganter

Deshalb wird gebohrt

Mittels Erkundungsbohrungen soll der geologische Aufbau des Untergrunds, soll der Baugrund routinemäßig zur geotechnischen und bautechnischen Beurteilung erkundet werden. Die aus den Bodenproben ermittelten Ergebnisse dienen nach Auskunft aus dem Regierungspräsidium unter anderem zur Festlegung des Bauverfahrens und der Kosten der einzelnen Varianten der B 31-neu. Es handelt sich um 22 Bohrstellen auf den Gemarkungen Meersburg, Stetten, Hagnau, Markdorf, Ittendorf, Kippenhausen und Immenstaad. Derzeit werden von Experten die verbliebenen Trassenvarianten für die künftige B 31-neu im Abschnitt Meersburg-West – Immenstaad untersucht. Gegen Ende des Jahres soll in öffentlichen Informationsveranstaltungen bekannt gegeben werden, welche Trasse verwirklicht wird.

Dieser gusseiserne Deckel wird später ebenerdig die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg bedecken.
Dieser gusseiserne Deckel wird später ebenerdig die Grundwassermessstelle beim Meersburger Hochbehälter Trielberg bedecken. | Bild: Toni Ganter