Die Hitze bleibt und dadurch sinkt der Bodenseepegel täglich weiter. Am Montag lag der Pegel Konstanz bei 3,10 Metern. Das Niedrigwasser bringt dabei auch Dinge zutage, die lange verschollen waren.

In der vergangenen Woche fanden Schnorchler an einem beliebten Badeplatz vor der Lindau Insel zwei Granaten. Experten von Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdiensten rechnen aufgrund des extrem niedrigen Wasserstands mit weiteren Funden in der Bodenseeregion.

In Lindau wurden zuletzt ganz in der Nähe von beliebten Badeplätzen zwei Granten geunden – jetzt warnt die Stadt mit Schildern vor weiteren Gefahren.
In Lindau wurden zuletzt ganz in der Nähe von beliebten Badeplätzen zwei Granten geunden – jetzt warnt die Stadt mit Schildern vor weiteren Gefahren. | Bild: Susanne Hogl

"Wenn der Pegel des Bodensees weiter sinkt und die Menschen dadurch immer weiter in den See hinauslaufen und hinausschwimmen, kann es gut sein, dass es in nächster Zeit zu vermehrten Funden von Kampfmitteln kommt", befürchtet Eveline Zwehn, Geschäftsführerin der Kampfmittelbeseitigung EMC im bayerischen Langenpreising.

Weltkriegskampfmittel werden geborgen und vernichten

Sie und ihre 29 Mitarbeiter sind regelmäßig im Auftrag der Polizei unterwegs, um Weltkriegskampfmittel zu bergen und zu vernichten. So wurde im vergangenen August von einem Mädchen im beliebten Lindenhofbad in Lindau eine Handgranate entdeckt und in der vergangenen Woche vor Lindau zwei Granaten geborgen, die Hobbyschnorchler gefunden hatten. Experten vom Sprengmittelräumdienst konnten in diesem Fall Entwarnung geben: Die Granaten hatten keine Aufschlagzünder und konnten somit auch nicht in die Luft gehen.

Warnschilder für Badegäste aufgestellt

Die Stadt Lindau hat jetzt an zwei Stellen auf der sogenannten Hinteren Insel Warnschilder für Badegäste aufgestellt. Bis wann eine genauere Untersuchung des Seegrunds an dieser Stelle vorgenommen werden kann, klärt die Stadt derzeit mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Nach Angaben von Eveline Zwehn werden die meisten Funde so rasch wie möglich von Experten geborgen und beseitigt. "Uns ist es aber ganz wichtig mitzuteilen, dass mögliche Funde auf gar keinen Fall berührt werden dürfen. Auch 70 Jahre nach Kriegsende können Zünder immer noch sehr aktiv sein und die geringste Erschütterung kann zu einer Explosion führen", erklärt die Fachfrau im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Immer wieder muss aus dem Bodensee Kriegsmunition geborgen werden, wie hier im vergangenen August im Lindauer Lindenhofbad.
Immer wieder muss aus dem Bodensee Kriegsmunition geborgen werden, wie hier im vergangenen August im Lindauer Lindenhofbad. | Bild: Susanne Hogl

Anders als in Bayern sind in Baden-Württemberg die Kampfmittelbeseitiger direkt dem Regierungspräsidium unterstellt, wie Ralf Vendel, Leiter der Kampfmittelbeseitigung in Stuttgart erklärt. Auch Vendel warnt eindringlich vor den Gefahren von Munition und anderen Kampfmitteln. "Unserer Erfahrung nach ist die Munition, auch wenn sie bereits 70 Jahre lang im Boden oder auch im Wasser lag, teilweise sogar noch sensibler und gefährlicher. Auch scheinbar kleine Munition, die nur wenige Zentimeter misst, kann hochexplosiv und oft sogar gefährlicher sein als beispielsweise große Funde", sagt Vendel.

Besonders viel Munition wird im Sommer gefunden

Der Fachmann erklärt, dass bislang im baden-württembergischen Bereich des Bodensees keine Munitionsfunde aufgetaucht sind, sieht aber die gleiche Gefahren wie seine bayerischen Kollegen durch die niedrigen Wasserstände im Bodensee, in angrenzenden Flüssen und Seen. "Besonders viel Munition wird in den Sommermonaten gefunden, da dann mehr gebaut wird, die Menschen mehr auf den Feldern unterwegs sind und im und am Wasser", so Vendel. In Baden-Württemberg wurden 2017 insgesamt 50,5 Tonnen Munition geborgen. Ein Ende der Munitionsfunde, da sind sich die Experten länderübergreifend einig, ist wohl in den nächsten Jahrzehnten nicht absehbar.