Man muss nicht unbedingt auf Seemannsbeinen stehen, um Freude an den Schiffsmodellen von Gerhard Hümmler zu haben. Wer Begeisterung für präzises Handwerk, Liebe zum Detail mit einem guten Schuss Perfektionismus und Interesse an Geschichte und Anekdoten mitbringt, der taucht ein in die Welt der Seefahrt ohne lästige Nebenwirkungen, wie Wind, Wetter und Wellenschlag. Im Schutz des alten Eriskircher Schulhauses droht keine Seekrankheit. Es sei denn, man steckt sich an.

Ganz vorne in der Ausstellung, da fährt die Prins Willem auf einer dunkelblauen Tischdecke Richtung Batavia. „Ich war zweimal in Amsterdam im Reichsmuseum um mir das historische Modell der Prins Willem anzuschauen“, sagt Gerhard Hümmler. Obwohl er in einem alten Buch der Modellbaureihe von Delius Klasing alle Baupläne für den Rumpf, die Masten, Takelage und Segel sowie Skizzen für die Schnitzereien vorliegen hatte, wollte er auch bei der Farbgebung auf Nummer sicher gehen. Nach etlichen Modellbaukästen sollte der Ostindiensegler von 1651 das erste Schiff werden, bei dem er vom Spannt bis zum Segel, von der Planke bis zur Kanone alles selber machen wollte. Er sägte die Spannten, das Gerippe des Schiffs, bohrte stecknadeldünne Löcher und dübelte mit Dornen der Büsche am Wegesrand die Planken daran fest. Er goss Kanonen und Anker, schnitzte die unfassbar detailverliebten Verzierungen im Stil der damaligen Zeit und nähte von Hand jedes einzelne Segel für jeden einzelnen Mast. „Als Bauingenieur habe ich keine Probleme damit“, sagt Hümmler. „Ich kann aus den Plänen vieles raus lesen, das können nicht alle und greifen auf Baukästen zurück.

“ Selbst das stehende und laufende Gut, also all die Leinen, die den Mast halten und die Segel bewegen, machte er selbst. Auf einer selbstgebauten „Reeperbahn“, zu bewundern auf der Schreibtisch-Werkbank in seiner Ausstellung, schlägt er bis heute aus Nähseide sein Tauwerk wie die Reepschläger vor Hunderten von Jahren. „Takelage“, sagt er, „das ist meine Spezialität“. Alle Leinen sind so lang, dass die Segel damit gebrasst, das heißt dicht geholt werden können. Alles hat seine Funktion. Vorsichtig öffnet er das Heck des Schiffes, entfernt den kunstvoll geschnitzten Spiegel. Dahinter verbirgt sich die Kapitänskajüte mit dem gesamten Mobiliar. Nach fünf Jahren Bauzeit, 2800 Arbeitsstunden, davon alleine 250 für die Segel, gönnte er sich etwas Erholung und baute ein englisches Walfangboot. „Im Moment konzentriere ich mich auf kleine Modelle, die man daheim besser aufstellen kann“, sagt er. Denn mit etwa 20 großen Modellschiffen sind bereits alle Räume zuhause belegt. Seine „Werft“ hat er im ehemaligen Kinderzimmer untergebracht. „Wenn die Frauen nicht mitmachen, kann man das alles vergessen“, weiß er aus Erfahrung. Doch mit seiner Frau Eugenia hat Gerhard Hümmler Glück. Oft holt er sich seine Inspirationen an Bord historischer Großsegler auf hoher See. „Ich habe schon dreimal den Atlantik überquert“, sagt der Seebär mit dem Seemannsbart und spinnt ein wenig Seemannsgarn. Eindrücke, die er auch in seinen Gemälden oder der Collage der „Herzogin Cecilie“ wiedergibt. Hat man all die Galeonen, die prunkvollen Schiffe vergangener Tage, wie das für den Kurfürsten Max Emanuel oder den russischen „Siegerträger“ bewundert, fällt eine große Drehorgel auf. „Die Baupläne habe ich im Tausch gegen die Pläne des englischen Walfangboots bekommen“, sagt er und spielt auf dem bunt bemalten „Bodenseeörgele“ eine bekannte Melodie. Zeit um über den Bau eines Musikinstruments nachzudenken hatte er auf einer seiner Wanderungen auf dem Jakobsweg. Darüber schreibt er nebenher auch noch Bücher.

Bis 28. August ist die Ausstellung samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen.