Stabwechsel bei Airbus in Immenstaad: Nach acht Jahren in Personalunion als Standortleiter und Direktor für Erdbeobachtung, Wissenschaft und Navigation gibt Eckard Settelmeyer (57) die Leitung des Airbus-Standortes Friedrichshafen an Dietmar Pilz (48) ab. Dies teilte Settelmeyer am Donnerstagabend vor Journalisten in Immenstaad mit. Settelmeyer bleibt als Direktor und Chef des Friedrichshafener Satellitenbereiches am Standort und wird sich künftig ausschließlich um die unter seiner Führung stark ausgeweiteten Satellitenaktivitäten kümmern. "Der sehr gute Auftragseingang der letzten Jahre hat uns besonders im Raumfahrtbereich einen erheblichen Personalaufbau ermöglicht. Darin liegt zugleich die Verpflichtung, die gewonnenen Verträge erfolgreich zu erfüllen und für die gewachsene Mannschaft neue Aufträge zu gewinnen, darauf möchte ich jetzt mein volles Engagement richten", sagte Settelmeyer. Der promovierte Elektrotechnikingenieur Pilz ist seit 30 Jahren im Raumfahrtbereich tätig, bekleidete bei Airbus am Standort bereits mehrere Führungsfunktionen und verantwortet seit Anfang 2015 den Bereich Nutzlasten und Lebenserhaltungssysteme – vereinfacht gesagt, alles, was mit dem Airbus-Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS zu tun hat, also etwa auch die wissenschaftlichen Experimentieranlagen für die Astronauten im Columbus-Modul, die zu rund 50 Prozent in Immenstaad entwickelt und gebaut werden. "Ich freue mich jetzt darauf, Veränderungen und Neuerungen für diesen Traditionsstandort, sozusagen aus der Pole-Position, aktiv gestalten und vorantreiben zu können“, sagte Pilz.
 

In seinen Ausführungen zum Geschäftsjahr 2017 verwies Pilz auf die Beschlüsse der Tagung des Esa-Ministerrats Anfang Dezember in Luzern (siehe Erklärtext unten). Die Bundesregierung habe die künftigen Esa-Projekte wieder "solide finanziert". Auch für die kommenden Jahre bis zur nächsten Tagung ist Deutschland neben Frankreich wieder der stärkste Beitragszahler für die europäischen Raumfahrtprojekte. Doch erstmals hat auch England nahezu ebenso hoch gezeichnet. Damit, so Pilz, werde die Führungsrolle für verschiedene Projekte nicht mehr so selbstverständlich wie früher nach Deutschland respektive nach Friedrichshafen gehen: "Das bedeutet, dass wir eine neue Herausforderung haben." Erfreulich sei der deutsche Beitrag von 80 Millionen Euro für Experimente auf der ISS, das gesamte Budget liegt bei 150 Millionen. Als einen "Wermutstropfen" bezeichnete Pilz die Entscheidung der Minister, das von der Esa vorgeschlagene Budget von 300 Millionen Euro auf die Hälfte herunterzukürzen.

"Meilensteine" in 2017 seien der Sentinel-2B-Start im März und die neue Schwerefeldmission Grace Follow-On. Der erste Satellit des Duos soll Ende 2017/Anfang 2018 gestartet werden. Beide Satelliten wurden unter Führung von Airbus gebaut. Mit anziehenden Aufträgen blickt auch die Rüstungssparte in Immenstaad optimistisch in die Zukunft (siehe Berichterstattung im Wirtschaftsteil). Um zehn Prozent, auf rund 2100 Mitarbeiter, wurde die Belegschaft in 2016 aufgestockt. "Der Standort ist gut aufgestellt für die Zukunft", resümierte Settelmeyer.

Wo das Geld für Europas Raumfahrt herkommt: Der Esa-Ministerrat

Der Esa-Ministerrat ist das höchste Entscheidungsgremium der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Alle zwei bis drei Jahre treffen sich die zuständigen Minister der 22 Mitgliedstaaten, um Europas Raumfahrt fortzuschreiben und Investitionen auf den Weg zu bringen. Am 1. und 2. Dezember hat der Esa-Ministerrat in Luzern getagt.

  1. Was ist die Aufgabe des Ministerrats? Der Ministerrat entscheidet über die Investitionen Europas in die Raumfahrt. Er bringt künftige Programme auf den Weg, stattet sie mit Geld aus und befindet über die Strategie in der europäischen Raumfahrt. Jeder Mitgliedstaat hat eine Stimme bei Abstimmungen. Die Länder können sich in unterschiedlicher Höhe finanziell engagieren. Auch dies wird Programm für Programm ausverhandelt. Traditionell zeichnen Deutschland und Frankreich mit den höchsten Beiträgen.
  2. Wie investiert die Esa ihr Budget in die Industrien ihrer Mitgliedstaaten? In welcher Höhe die Esa die Industrie eines Mitgliedslandes mit Aufträgen für eine Mission ausstattet, richtet sich wesentlich auch nach dem so genannten "return of contribution". Je nachdem, in welchem finanziellen Maße sich ein Mitgliedsland beteiligt hat, wird entsprechend auch seine Industrie berücksichtigt.
    Engagiert sich also die Bundesregierung mit einem 60-Prozent-Volumen an einer Mission, so darf die deutsche Industrie damit rechnen, von der Esa mit einem Auftragsvolumen in entsprechender Höhe ausgestattet und eventuell auch für eines ihrer Unternehmen mit dem so genannten Hauptauftrag, der industriellen Führung, betraut zu werden – vorausgesetzt natürlich, es gibt ein Unternehmen, das dafür die nötige technologische Kompetenz mitbringt.
  3. Wer ist die Esa? Die Esa ist die europäische Weltraumbehörde mit Sitz in Paris. Esa-Generaldirektor ist seit Juli 2015 der Deutsche Jan Wörner. Er folgte auf den Franzosen Jean-Jacques Dordain. Die Esa hatte im Vorfeld der Tagung für die kommende Periode Raumfahrtprogramme für elf Milliarden Euro vorgeschlagen, darunter auch Mittel für eine weitere Nutzung der Internationalen Raumstation ISS.
  4. Was sind die Ergebnisse der Tagung in Luzern? Die Exo-Mars-Mission wird fortgesetzt – trotz des Dämpfers wegen ihres bruchgelandeten Rovers "Schiaparelli" im Wüstensand des roten Planeten. Die ISS wird bis 2024 weiterbetrieben. Insgesamt stellen die Mitgliedsländer 10,3 Milliarden Euro bereit. Deutschland und Frankreich sind mit je rund zwei Milliarden Euro die stärksten Beitragszahler, diesmal knapp gefolgt von England, das in Luzern erstmals ähnlich hoch zeichnete. Weitere 400 000 Euro steuerte Deutschland als Beitrag für die ISS bei. Ein Großteil der wissenschaftlichen Experimentieranlagen auf der ISS werden bei Airbus in Friedrichshafen gebaut. Mit ihnen wird auch der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst bei seiner nächsten Mission auf der ISS in 2018 wieder arbeiten.
Helmar Grupp