„Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn vor einigen Tagen über die Corona-Krise in Deutschland. Er rechnet mit steigenden Belastungen für Krankenhäuser und Praxen. Auch im Bodenseekreis bereiten sich die drei Klinikstandorte in Friedrichshafen, Tettnang und Überlingen darauf vor.

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Die Kliniken suchen laut einer Mitteilung des Landratsamts Freiwillige, die im Fall vieler Corona-Patienten bei der Versorgung helfen können. Gesucht sind Menschen mit einer Ausbildung oder Erfahrungen im Medizin- oder Pflegebereich. Dazu sammeln die Kliniken auch Kontaktdaten von Menschen, die einspringen können, um das Stammpersonal zu entlasten und zu unterstützen.

Der Eingangsbereich des Helios-Spitals in Überlingen. In Zeiten von Corona ist zum Schutz der Patienten und des Personals für Besucher der Eintritt verboten.
Der Eingangsbereich des Helios-Spitals in Überlingen. In Zeiten von Corona ist zum Schutz der Patienten und des Personals für Besucher der Eintritt verboten. | Bild: Stefan Hilser

Landrat Lothar Wölfle bekräftigt den Aufruf der Krankenhäuser: „Es kann passieren, dass unsere Kliniken auf eine harte Probe gestellt werden und gleichzeitig auch das Stammpersonal krank wird. Dann brauchen wir vielleicht jede sachkundig helfende Hand.“ Er hoffe, dass es nicht so weit kommt, aber man bereite sich im Kreis bestmöglich vor.

Haben sich schon Helfer gemeldet?

„Bereits vor dem Aufruf haben uns Menschen ihre Unterstützung angeboten“, heißt es auf Anfrage vom Medizin-Campus Bodensee (MCB). Darüber hinaus suche man auch über die sozialen Kanäle Unterstützung. „Und wir haben einige ehemalige Mitarbeiter, die in den vergangenen fünf Jahren ihr Berufsleben beendeten, kontaktiert und gefragt, ob sie sich im Bedarfsfall und nach vorheriger Einweisung einbringen könnten.“ Das Echo sei auch hier positiv gewesen. In Überlingen ein ähnliches Bild: „Wir freuen uns wirklich sehr über die Welle an Hilfsbereitschaft, die uns aus der Bevölkerung erreicht hat. Es sind schon jede Menge Angebote bei mir eingegangen“, erklärt Pflegedirektorin Daniela Klesel vom Helios-Spital.

Wer sind die Menschen, die ihre Hilfe anbieten?

Es melden sich ganz unterschiedliche Menschen, teilt das Helios-Spital mit. Angefangen von Pflegekräften, die schon einige Jahre nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, aber auch viele medizinische Fachangestellte. Zwei Ärzte hätten ebenfalls ihre Unterstützung angeboten. „Uns erreichen auch sehr viele Angebote von Menschen ohne pflegerische oder medizinische Ausbildung, die zum Beispiel Entspannungsübungen für Mitarbeiter oder ähnliches anbieten.“ Auch vom MCB heißt es: „Ganz unterschiedlich – manchen bringen als Arzt oder Fachkrankenschwester Berufserfahrung mit, andere hatten bisher berufliche keine Berührungspunkte mit dem Gesundheitsbereich, wieder andere stehen am Beginn ihrer Laufbahn als Arzt oder studieren Medizin, Pharmazie oder Bio-Analytik.“

Nach welchen Kriterien werden Helfer ausgesucht?

„Zunächst möchten wir jedem Einzelnen ganz herzlich danken, der uns in dieser herausfordernden Situation unterstützen möchte“, erklärt das Helios-Spital. Sollten man auf diese Unterstützung angewiesen sein, würde die Klinik in erster Linie medizinisch oder pflegerisch ausgebildetes Personal einsetzen wollen. Man habe einen Fragebogen entwickelt und könne so Daten strukturiert aufnehmen und bei Bedarf schnell Kontakt aufbauen. „Wie sind dankbar für die angebotene Hilfe“, teilt auch der Medizin-Campus Bodensee mit.

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Aktuell habe man noch keine dringendere Personalnot als in den Vor-Corona-Zeiten. „Nachdem wir unsere beiden Krankenhäuser vorbereitet haben und die Kollegen aus dem vorsorglich und vorübergehend freigemachten Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten eingearbeitet wurden, ist es eine weitere Aufgabe den Einsatz der Freiwilligen zu planen.“ Sie stehen in den Startlöchern und warten auf Informationen. Darum kümmere sich die Abteilung Personal und Organisation individuell und nach Rücksprache mit den Mitgliedern des Corona-Krisenstabs.

Wo können sich Helfer melden?

Wer sich als freiwillige Personalreserve für die Kliniken im Bodenseekreis melden will, kann sich per E-Mail an die beiden Einrichtungen wenden: Medizin-Campus Bodensee, Friedrichshafen: s.wuerzner@klinikum-fn.de oder Helios-Spital Überlingen: daniela.klesel@helios-gesundheit.de

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