Ganz locker sitzt sie da im Cockpit, den Oberkörper weit hinausgelehnt und die Füße sicher in den Fußschlaufen verankert. Weltumseglerin Mareike Guhr wirkt, als könne sie sich vorstellen, gleich loszusegeln. Dabei sieht das Boot alles andere als gewöhnlich aus und hat mit einer Fahrtenjacht eigentlich nichts gemeinsam. Das Boot, eine Quant 17, folgt dem Trend des Foilens, dem Fliegen über dem Wasser. Es ruht derzeit auf seine langen, nach außen gebogenen Tragfächen gestützt in Halle A1 der Messe Interboot in Friedrichshafen. Die Messe zeigt ab heute, Samstag, bis 1. Oktober neue Trends im Wassersport.

Und glaubt man Michael Aeppli, Mitinhaber der Schweizer Firma Quantboats, dann hätte Mareike Guhr gute Chancen, den Renner zum Fliegen zu bringen. "Das Boot ist als Zweimannboot konzipiert", sagt Aeppli. Man könne es jedoch auch Einhand segeln. Doch eine Fahrtenseglerin ist keine Formel-1-Pilotin. Wäre das nicht ein wenig gewagt? "Nein", sagt Aeppli. Während radikale Foiler wie die fliegenden Motten nur Top oder Flop können, also fliegen oder kentern, beherrscht dieses Boot alle vier Fortbewegungsarten, die auf dem Wasser möglich sind: Verdrängen bei wenig Wind, gleiten und dann, mit etwas hochgezogenen Foils, semi-foilen, oder, wenn der Wind passt, nur noch auf die Foils gestützt übers Wasser rasen. "Wenn ich allein mit meinen 72 Kilo auf der großen Schwester, der Quant 23, segeln gehe", erzählt Aeppli, dann brauche er nur fünf Knoten Wind zum Foilen und werde 17 bis 18 Knoten schnell, 31 bis 33 Stundenkilometer. Dabei mache es die Gutmütigkeit des Boots selbst Amateuren möglich, sich langsam ans Foilen heranzutasten.

Das Boot soll nicht mehr als ein Strandkatamaran kosten, weniger als eine olympische Zweihandjolle. Vielleicht liefert Quantboats mit dieser Idee ja eine Steilvorlage für die Jachten der nächsten Americas-Cup-Generation.

Nur in Verdrängerfahrt, optisch nicht so spektakulär, aber trotzdem innovativ, präsentiert sich in derselben Halle die E34 Sedan von Bavaria. Sie spricht die Messebesucher an, die komfortablem Cruisen den Vorzug geben. An einem Steuerstand mitten im Salon mit Panoramablick hat der Steuermann Kontakt zu Familie und Freunden in der Kajüte und im Cockpit gleichermaßen. Gleich neben der Kombüse hat er nicht nur den See, sondern auch alle Instrumente im Blick. Die zehn Meter lange Motorjacht mit zwei Doppelkabinen und zwei Badezimmern gibt sich umweltfreundlich. "Es kann nicht immer nur Diesel sein", sagt Michael Broemel von Bavaria Yachtbau. Auf Wunsch kann der Diesel-Motor der 7,5 Tonnen schweren Jacht bereits mit einem Elektromotor zu einem hybriden Antrieb kombiniert werden. Zukünftig, für Reviere, auf denen Verbrennungsmotoren verboten sind, wie der Plattensee oder die bayerischen Seen, soll die Jacht auch voll elektrisch betrieben werden. "Solarzellen werden aber nicht ausreichen, um die Batterien zu laden", sagt Michael Broemel von Bavaria Yachtbau. Da müsse man schon mit Landstrom ran.

Weitere Neuheiten

  • Die Hanse 418, erstmals in Deutschland in Halle A1 zu sehen, kann mit einer Selbstwendefock, trotz ihrer zwölf Meter Länge, bequem von zwei Personen gesegelt werden, sagt der Hersteller. Die Kajüte hat dank der vielen Fenster und des hellen Holzes einen modernen Loftcharakter.
  • Ein Alu-Boot aus Riffelblech, die "Silver Eagle BRX" der Boat Solutions GmbH, hebt sich mit ihrem schnörkellosen Design von den üblichen Kunststoffbooten ab. Sie kombiniert Speed mit Zuverlässigkeit zu einem Angel- und Freizeitboot, wie der Hersteller wirbt. In Halle A4 ist das Boot zum ersten Mal hier auf der Messe zu sehen.
  • Ebenfalls in Halle A4 zeigt die Schweizer Rapp-Werft mit der "Lake Constance 760" ein modernes, formverleimtes Mahagoni-Boot in klassischem Design. Mit einem leichten Elektroantrieb der Segelflieger kann die Schönheit 30 Minuten Vollgas oder fünf Stunden lang gemütlich übers Wasser bewegt werden, wirbt die Werft. Inklusive Batterien ist das Boot genauso schwer wie in der Version mit Verbrennungsmotor.
  • Noch leichter kommt der Hightech-Tender CFT der Carbo Fibretec GmbH aus Friedrichshafen daher. Nur 100 Kilo wiegt die 4,22 Meter lange Carbonkonstruktion und wird mit einem 20-PS-Außenborder 25 Knoten schnell. Erstmals zu sehen in Halle B3.
  • Wer gern antriebslos unterwegs ist, der kann sich in die "Seanatic Cabana Lounge" lümmeln. Die aufblasbare Sonnenliege mit Dach lädt mit ergonomisch geformter Liegefläche zum Relaxen ein und kann in Halle B2 probegesessen werden.