Deutschland wird zwar kein Fußballweltmeister mehr, ist aber immerhin Grillweltmeister! Laut einer Studie von 2011 schmeißen ein Drittel der Deutschen ihre Schwenker, Holzkohle-, Gas- oder Elektrogrills sogar ganzjährig an. Wer keinen eigenen Garten oder Balkon hat, der nutzt zumindest in den Sommermonaten die öffentlichen Grillplätze, die es in der Region in einer erstaunlichen Dichte gibt.

An fast allen der kommunalen Grillplätze darf grundsätzlich jederzeit gegrillt werden. Nur wenige verlangen eine Anmeldung, wie etwa die Grillstelle in Salem-Oberstenweiler, die allerdings für eine große Grillparty auch zu klein wäre und eher den Kleinen vorbehalten ist. Alle frei zugänglichen Plätze mit Grillhütte indes können erst nach Voranmeldung vollumfänglich genutzt werden, da die Hütte in der Regel abgeschlossen ist.

Generell kann der Schlüssel bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung nach Anmeldung abgeholt werden. „Wer sich bei uns anmeldet zum Grillen, der bekommt den Schlüssel für die Poller im Weg, damit die Grillstelle auch mit dem Auto erreichbar ist“, sagt Vilja Spitzer von der Gemeinde Oberteuringen. Eine Hütte gibt es hier zwar keine, dafür ein paar Absperrpfosten.

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Und Gebühren werden auch keine verlangt. Allerdings müsse das Auto nach dem Entladen auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt werden. Idyllisch an der Rotach gelegen, bietet dieses Freizeitgelände Platz für eine ganze Fußballmannschaft. „Auch dem Wunsch nach Brennholz kommen wir gerne nach, sofern gerade welches vorhanden ist“, ergänzt Vilja Spitzer dieses echte Spitzenangebot.

Abenteuergelände

Ein weiterer überaus attraktiver Platz befindet sich an der Weilermühle, ebenfalls an der Rotach vor Friedrichshafen-Ittenhausen. Keine Hütte, dafür öffentliche Toiletten, ein Abenteuergelände und Platz ohne Ende. Kein Wunder, dass hier fast immer was los ist. Die Tatsache, dass diese Grillstelle oftmals fest in russischer Hand ist, hat wenig mit der WM zu tun, wenngleich der Gedanke ein solidarischer ist.

Vandalismus

Auch die Grillhütte „Schweppenen“ am Gehrenberg bietet Raum für größere Gruppen, obendrein ein Dach überm Kopf. „Dass die Hütte danach wieder in einem sauberen Zustand hinterlassen wird, ist selbstverständlich“, sagt Jörn Burger vom Markdorfer Stadtforstamt. Das würde in der Regel auch hervorragend funktionieren. Als ein zunehmendes Problem erachtet er den Vandalismus. Jüngstes Beispiel sei hier der demolierte Grillplatz in Kluftern.

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„Man überlegt auch in Markdorf immer wieder, die Grillhütte abzubauen, weil der Aufwand der Instandhaltung und der Reparaturarbeiten enorm ist.“ Noch steht sie aber, und das soll laut Burger auch so bleiben. Denn die Hütte ist beliebter denn je. „Die Wochenenden über den Sommer sind ziemlich ausgebucht“, sagt der Förster. Aber auch unterhalb der Hütte bietet eine kleinere Grillstelle ausreichend Platz für unangemeldetes Brutzeln. Aber wie bei jeder mietbaren Grillhütte gilt: Der Grillplatz ist zwar öffentlich, aber Hüttenmieter haben Vorrang!

Gefahr Feuer

Einfach so und mitten im Grünen den eigenen Grill auspacken und Feuer machen ist prinzipiell tabu. „Grundsätzlich herrscht im Wald ein Feuerverbot“, mahnt Jörn Burger vom Markdorfer Stadtforst. In Naturschutzgebieten erst recht, und in öffentlichen Parkanlagen ist Grillen nicht grundsätzlich erlaubt. Hin und wieder geschehe es, dass er Menschen beim „Wildgrillen“ erwische. Eine Verwarnung reiche in der Regel aus, vor allem sei es wichtig, an den gesunden Menschenverstand zu appellieren. Überhaupt gelte es für sein Dafürhalten, die Menschen auf die Gefahren des „Feuerns“ zu sensibilisieren. So sei gerade bei der aktuellen Waldbrandgefahr ein Verständnis dafür unabdingbar, um nicht aus einem kleinen Feuerchen einen großen Waldbrand entstehen zu lassen. „Das Allerwichtigste ist es, am Ende das Feuer sachgemäß zu löschen und sicherzustellen, dass nichts mehr schwelt.“

Wer indes Besitzer eines entsprechend großen Gartens ist, kann natürlich die Nach-dem-Spiel-vor-dem-Spiel-Grillparty auf den eigenen Greencourt verlegen. Allerdings heißt es auch hier: Nicht alles ist erlaubt, was gefällt! „Es ist zwar grundsätzlich erlaubt, im Garten ein offenes Feuer zu machen, denn das gehört zu den persönlichen Freiheiten des Menschen“, sagt Jürgen Hess vom Markdorfer Ordnungsamt. „Nicht erlaubt ist das Verbrennen von Gartenabfällen oder Bauholz.“ In der Nähe leicht entflammbarer Gegenstände, wie etwa Strohballen oder einem Holzstapel, falle das Zündeln unter die Rubrik „Grob fahrlässig“ und wird nach dem Landesordnungswidrigkeitengesetz geahndet. Wie an öffentlichen Grillplätzen gilt auf privatem Gelände: Feuer und Glut nie unbeaufsichtigt lassen, die Windrichtung beobachten und die Feuerstelle gut absichern. Denn ein Feuerwehreinsatz kann den „Zündler“ teuer zu stehen kommen!

Selbst auf dem Balkon lässt sich’s – mit dem Vorteil, hin und wieder einen Blick gen Fernseher zu werfen – gut grillen, was laut dem Deutschen Mieterbund auf Balkonen oder Terrassen von Mietwohnungen grundsätzlich erlaubt ist. Allerdings mit ein paar Einschränkungen. Steht im Mietvertrag ein ausdrückliches Verbot für das Brutzeln hinterm Geländer, ist es in diesem Fall auch wurscht, ob Holzkohle oder Gas. Aber ganz ungeachtet der Wahl des „heißesten Ofens“ und egal, ob Garten oder Balkon, entscheidend ist immer die Beeinträchtigung der Nachbarn.

Tipps von Grillmeister Thomas Kagerer

Thomas Kagerer ist Profikoch aus Immenstaad und bietet Kochkurse in Markdorf, Ravensburg und Radolfzell an.

  1. -Für das private Grillen empfiehlt der Profikoch den Kugelgrill auf Holzkohlebasis aufgrund der sich entfaltenden Raucharomen. Mit Vorliebe verwendet er große Stücke mit Knochen vom Rind, welche bei direkter und scharfer Hitze angegrillt werden und indirekt bis zur gewünschten Garstufe fertigziehen.
  2. -Für das professionelle Grillen empfiehlt Kagerer Gas, weil damit größtmögliche Flexibilität gewährleistet ist. Bei großen Stücken rät er dazu, "rückwärts" zu grillen, das heißt, erst milde Hitze und ganz zum Schluss richtig Feuer geben, um das Grillgut punktgenau servieren zu können.
  3. -Grundsätzlich heißt es beim Grillen: Zeit mitbringen und stets die Kontrolle über die Temperatur zu haben. Gute Vorbereitung und gute Zutaten sind das A und O. Und bloß keine Hektik aufkommen lassen! Fleisch auflegen – angrillen – wenden – angrillen – ziehen/ruhen lassen – fertig.
  4. -Gepökeltes Fleisch und Wurst sollten nicht auf den Grill, denn durch das Pökelsalz entstehen Nitrosamine. Gute Fettstruktur und hohe Qualität sind von Vorteil. Aus gutem Material etwas Schlechtes machen, ist kein Problem, aber aus einem schlechten Lebensmittel etwas Hervorragendes zu zaubern, geht nicht. Egal ob Rind, Schwein, Lamm oder Geflügel: mit kleinen, flachen Stücken beginnen und sich dann weiterentwickeln. Ein gutes Steak ist zwei Finger breit.
  5. -Verschiedene Hölzer – verschiedene Geschmacksrichtungen: Holz wird meistens im Smoker eingesetzt. Bei den heimischen Holzsorten gibt es geschmacklich Unterschiede. Während Buche fast universell einsetzbar ist, verleiht Eiche ein schweres Raucharoma. Birke ist mild, fast süß – für Geflügel und Schwein ideal geeignet. Das fein-süßliche Aroma der Erle ist auch für Fisch gut geeignet.
  6. -Im Gegensatz zum Gasgrill ist man mit einem Holzkohlegrill in der Lage, dem Grillgut noch mehr Geschmacksnuancen zu verleihen. Der Smoker ist diesbezüglich noch variabler. Bei Geschwindigkeit und Flexibilität ist der Gasgrill die erste Wahl.
  7. -Die häufigsten Fehler: 1. Zu viel Öl und Marinaden, Fett tropft in die Glut, dadurch entsteht Fettbrand. Dann wird gerne mit Bier abgelöscht, dadurch sinkt die Temperatur.
    2. Zu häufiges Wenden, dadurch entsteht keine Kruste und kein Grillmuster und das Fleisch trocknet aus.
    3. Grillgut mit einer Gabel anstechen: Der Fleischsaft läuft aus und das Fleisch wird trocken; man sollte immer eine Zange zum Wenden des Fleischs verwenden.

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