Was bekommt der Kreis, wenn er eine Million Euro jährlich mehr in den Busverkehr steckt? Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Vom 15-Minuten-Takt auf der Seelinie vorerst in den Sommermonaten bis zu mehr Fahrten am Tagesrand oder nachts auf einigen Strecken reicht die Palette. Verbesserungen auf elf Linien werden bereits im nächsten Jahr in die Realität umgesetzt.

4,3 Millionen Zuschuss für Busverkehr

So hat es der Kreistag am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Mehr noch: Ab dem Jahr 2021 schießt der Kreis zusätzlich 1,9 Millionen Euro ins System, womit 25 weitere Verbindungen nachgebessert werden. Damit wird der öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) auf der Straße dann mit 4,3 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Das ist drei Mal so viel wie heute. Bis dato sind es etwa 1,4 Millionen Euro.

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Mit diesem Beschluss macht der Bodenseekreis einen großen Schritt hin zu einem attraktiveren Busverkehr im Kreisgebiet. Doch zufrieden zeigten sich die Kreisräte in der langen Diskussion noch lange nicht. „Es gibt noch viele offene Baustellen“, sagte Helmut Faden (Grüne). Seine Fraktion schob gleich zwei Prüfanträge an die Verwaltung nach und will wissen, was ein Schnellbus für Pendler zwischen Immenstaad und Friedrichshafen kostet und ob ab 9 Uhr werktags ein Seniorenticket eingerichtet werden kann. Und: „Wir wollen, dass das 365-Euro-Ticket ab dem Jahr 2022 als Ziel im Nahverkehrsplan des Bodenseekreises aufgenommen wird“, sagte Helmut Faden. Im Januar wollen Grüne und SPD zudem erneut beantragen, einen Mobilitätsbeauftragten im Landratsamt einzustellen.

Was sich sonst noch im ÖPNV ändert

Auch die anderen Fraktionen sehen nach wie vor Handlungsbedarf. Mit einem flächendeckenden Stundentakt sei nur die untere Messlatte dessen erreicht, was notwendig sei, so Georg Riedmann (CDU), Bürgermeister von Markdorf. Seine Fraktion will von der Kreisverwaltung konkrete Zahlen, wieviele Busse und Züge nötig sind, um 15 Prozent der Autofahrer dazu zu bewegen, auf Bus, Bahn oder Rad umzusteigen. „Im Hinterland des Bodensees gibt es noch ganz erhebliche Defizite“, stellte Henrik Wengert (Freie Wähler), Bürgermeister von Owingen, fest. Für die SPD ist eine drastische Reduzierung der derzeit rund 60 Tarifzonen genauso wichtig wie das 365-Euro-Ticket, erklärte Britta Wagner.

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Mit dem SPD-Antrag zur Einführung eines 365-Euro-Tickets im Mai dieses Jahres nahm die ÖPNV-Debatte im Kreistag erst richtig Fahrt auf. Dieser Antrag wurde zwar mit großer Mehrheit abgelehnt. Doch die CDU schob ihren Prüfantrag an die Kreisverwaltung nach, was man im ÖPNV verbessern kann, wenn der jährliche Zuschuss um eine Million Euro erhöht wird. Die Fleißarbeit der Verkehrsplaner im Landratsamt war Basis für das jetzt beschlossene Paket.

Neue Allianzen im Kreistag

Aber nicht nur SPD und CDU sehen sich als Väter des Erfolgs, den Ausbau des Nahverkehrs im Bodenseekreis nun endlich angeschoben zu haben. Das Thema habe angesichts der Klimadebatte zu neuen Allianzen geführt, erklärte Helmut Faden. „Heute wird konstruktiv darüber diskutiert, was vor Jahren noch milde belächelt wurde, als wir das gefordert haben.“ Aber es gebe noch genug zu tun.

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Keinen Erfolg hatte die Kreisverwaltung mit ihrem Beschlussvorschlag, den 15-Minuten-Takt auf der Seelinie daran zu knüpfen, dass die Stadt Überlingen die EBC-Gästekarte einführt. Solch eine Forderung sei „weder verständlich noch akzeptabel“, urteilte Henrik Wengert, Fraktionschef der Freien Wähler und verwies auf die kommunale Selbstverwaltung. Solch ein Kreistagsbeschluss könne nicht unter dem Vorbehalt stehen, dass der Überlinger Gemeinderat dem zustimmt, sagte Jan Zeitler (SPD), Oberbürgermeister von Überlingen. „Das ist nicht der richtige Weg.“ Landrat Lothar Wölfle rechtfertigte diesen Beschlussvorschlag damit, dass der Kreis auch eine Erwartungshaltung habe, wenn er Gutes tue.

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Kreis finanziert 15-Minuten-Takt schon zur Landesgartenschau

Letztlich entschied der Kreistag, den 15-Minuten-Takt auf der Seelinie bereits während der Landesgartenschau in Überlingen auf Kosten der Kreiskasse einzuführen. Damit gibt es ab April 2020 täglich von 8 bis 19 Uhr durchgehend vier Verbindungen pro Stunde zwischen den beiden größten Städten im Kreis – mit Anschluss an die Autofähre bis in die Konstanzer Innenstadt. Ob es ab Oktober 2020 auch in den Wintermonaten so bleibt, muss der Kreistag in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch entscheiden. Fest steht, dass der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) ab Frühjahr 2021 diesen 15-Minuten-Takt auf der Seelinie auf eigene Rechnung fährt. Die DB-Tochter hat nach dem Auslaufen der Konzessionen im Herbst 2020 im November erneut den Zuschlag für fünf wichtige Buslinien im Landkreis erhalten, die sie bis 2030 weiter eigenwirtschaftlich betreibt.

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