Eine Woche nach der Verurteilung des Hoßkircher Bürgermeisters Roland Haug wegen uneidlicher Falschaussage vom Ravensburger Amtsgericht bestätigte sein Münchner Strafverteidiger Stephan Tschaidse: “Ja, mein Mandant geht in Berufung.“ Haug war zur Zahlung von 150 Tagessätzen zu 150 Euro und damit einer Gesamtsumme von 22 500 Euro verurteilt worden.

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Zugleich übte der Anwalt massive Kritik an der Entscheidung von Richterin Rebecca Hutt. Er bezeichnete das Urteil als „grundfalsch, ja geradezu absurd falsch“ und nannte Äußerungen der Richterin „unverantwortlich“. Hutt hatte in ihrer Urteilsbegründung gesagt: “Sie repräsentieren die Gemeinde nach außen. Da reicht es nicht, nur in die Kamera zu lächeln. Es bedarf auch einer gewissen Sorgfaltspflicht…“ Strafverteidiger Tschaidse betonte: “Herr Haug ist doch ein äußerst beliebter und erfahrener Bürgermeister.“

Haug würde damit als vorbestraft gelten

Tatsächlich geht es für den 48-jährigen Hoßkircher Bürgermeister um mehr als die hohe Geldstrafe: Sollte es nämlich bei den 150 Tagessätzen bleiben, würde Haug als vorbestraft gelten, ein Makel, „den streift man nicht einfach so ab“, so ein Beobachter. Auslöser für den Prozess gegen Haug war dessen Zeugenaussage am fünften Verhandlungstag im Hoßkircher Mordprozess gegen einen 36-jährigen Arbeitserzieher, der später wegen Mordes an seiner Ehefrau zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig. Haug hatte vor dem Ravensburger Landgericht vehement ein Gespräch zwei Tage nach der Tat mit dem Vater des Mörders bestritten, in dem der den eigenen Sohn als jähzornig und cholerisch beschrieben haben soll, dem er eine solche Tat zutraue. Über diese Aussage Haugs hatte ein Kripobeamter sogar eine Aktennotiz angefertigt und dies mit seinem Kollegen vor dem Amtsgericht erneut bestätigt. Für eine Verwechslung von Vater und Schwiegervater gab es keine Anhaltspunkte.

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Gegen das Urteil hat mittlerweile auch die Ravensburger Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Sie will in dem neuen Verfahren prüfen lassen, ob die Geldstrafe nicht zu niedrig sei, da Haug seine Vermögensverhältnisse nicht komplett offengelegt habe. Für das Berufungsverfahren gibt es noch keinen Termin.