Alle sechs Jahre rücken die Bauwerksprüfer des Regierungspräsidiums Tübingen mit schwerem Gerät an, um den Zustand der Brücken im Bodenseekreis gründlich zu prüfen. Am Montag und Dienstag wurden die drei großen Brücken in Friedrichshafen wieder einer Hauptprüfung unterzogen. Dabei kam ein Brückenuntersichtgerät zum Einsatz. Die B 31 auf der Rotachbrücke, auf dem Löwentalviadukt und die B 30 über die Rotach wurden während der Arbeiten halbseitig gesperrt.

Video: Andrea Fritz

Spezialfahrzeug für Brückenuntersichtgerät blockiert eine Fahrspur

Bauwerksprüfassistent Volker Poskowski sagt: „Wir ziehen regelmäßig den Zorn der Bevölkerung auf uns, wenn wir die Straßen blockieren.“ Er klopft bereits die ersten Teile der Rotachbrücke am Bodenseecenter mit einem Spitzhammer von Land aus ab, während sein Kollege Lars Munz die Arbeitsbühne unter die Brücke über die Rotach schwenkt. Dieses Spezialgerät ist sowohl schwenk- als auch ausfahrbar und bietet den Brückenprüfern so Zugang zur Brückenunterseite. Ein zusätzlicher Hublift bringt die Prüfer ganz nah an alle Stellen.

In 15 Jahren fast alle 1800 Brücken im Regierungsbezirk geprüft

Projektleiter und Bauwerksprüfer Volker Weber erklärt: „Weil wir oben auf der Brücke Chaos und Stau produzieren, versuchen wir hier unten so schnell wie möglich zu arbeiten.“ Er weiß genau, wo er prüfen muss, und kennt die Schwachstellen der Bauwerke, denn er hat in den vergangenen 15 Jahren nahezu jede der 1800 Brücken im Regierungsbezirk Tübingen geprüft.

Bauwerksprüfer Volker Weber untersucht auch die Schallschutzwände an der Brücke und bemängelt dabei fehlende Abdeckungen.
Bauwerksprüfer Volker Weber untersucht auch die Schallschutzwände an der Brücke und bemängelt dabei fehlende Abdeckungen. | Bild: Andrea Fritz

Brücken in Friedrichshafen noch in unkritischem Zustand

Daher weiß er auch, dass die Brücken in Friedrichshafen noch in unkritischem Zustand sind. Trödeln kann er aber schon deshalb nicht, weil ihm dieses Spezialgerät nur für etwa sechs Wochen im Jahr zur Verfügung steht. Bei anderen Prüfungen muss er sich mit Leitern behelfen und manchmal geht es sogar auf allen Vieren unter einer Brücke durch den Bach.

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„Spannend, wie unterschiedlich die Bauwerke sind“

Michael Julian hat Glück. Er studiert Bauingenieurwesen und darf zum ersten Mal auf die Hebebühne des Spezialfahrzeugs. „Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die Bauwerke sind.“ Die B-31-Brücke über die Rotach ist eine der niedrigen Flussbrücken. Sie hat bei der letzten Hauptprüfung die Note 1,9 erhalten und es sieht laut Volker Weber nicht so aus, als ob sich daran viel ändern wird. Eigentlich sind nur ein paar feine, unkritische Risse dazugekommen, die lediglich markiert werden. Und oben an der Lärmschutzwand fehlen zwei Abdeckungen.

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Schadhafte Stellen werden per Klopfprobe ermittelt

Verkehrsbelastung, Witterung und Tausalze setzen den Brücken zu. Volker Poskowski erklärt: „Es kommt zu mangelnder Betonüberdeckung, Wasser drückt durch, Feuchtigkeit dringt ein und der Stahl im Beton rostet.“ Die Prüfer erkennen schadhafte Stellen durch die Klopfprobe. Auch Verena Herold, die ein Referendariat bei den Bauprüfern macht, erkennt einen Hohlraum bereits am Ton.

Das sechsachsige Spezialfahrzeug mit dem Brückenuntersichtgerät ist zwölf Meter lang und wiegt 35 Tonnen. Da es nur einen Fahrstreifen beansprucht, kann der Verkehr während der Brückenprüfungen einspurig weiterfließen.
Das sechsachsige Spezialfahrzeug mit dem Brückenuntersichtgerät ist zwölf Meter lang und wiegt 35 Tonnen. Da es nur einen Fahrstreifen beansprucht, kann der Verkehr während der Brückenprüfungen einspurig weiterfließen. | Bild: Andrea Fritz

Abplatzer werden abgeschlagen

Handelt es sich um größere Abplatzer, muss der Beton an diesen Stellen abgeschlagen werden, aber nur, damit nichts unkontrolliert hinunterfallen kann auf Fahrzeuge, Radfahrer und Passanten. Erst wenn Folgeschäden zu erwarten sind und die Noten schlechter werden, besteht Handlungsbedarf.

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So geschehen 2009 am Löwentalviadukt. Damals musste der Bund 670 000 Euro in die Instandsetzung von Fahrbahnbelag, Fahrbahnübergang und Abdichtungen auf der 352 Meter langen Brücke aus dem Jahr 1983 stecken. So etwas ist bei den Rotachbrücken noch lange nicht zu befürchten: Die B-31-Brücke ist Baujahr 2001 und die B-30-Brücke wurde erst 2003 in Betrieb genommen.

Note 3,3 für Löwentalviadukt

Bei der letzten Hauptprüfung erhielt das Löwentalviadukt die Note 3,3. Eine Leitung war gerissen und Teile am Handlauf fehlten. Beides wurde bereits behoben. Auch bei der neuerlichen Prüfung fanden die Fachleute lediglich ein paar Abplatzer, für die Verkehrssicherheit unkritisch, die gleich abgeklopft werden konnten.