Der Bodenseekreis will die Deponie Weiherberg bei Friedrichshafen-Raderach erweitern. Im Bürgerhaus Kluftern stellte Christof Pichler vom Abfallwirtschaftsamt die Pläne vor.

Jährlich werden rund 4000 Kubikmeter Inert-Abfälle angeliefert

Restmüll wird bereits seit 2005 nicht mehr zur Deponie Weiherberg gebracht, sondern in Müllverbrennungsanlagen in Zürich und Stuttgart verbrannt, informierte Pichler. In Weiherberg werden jährlich circa 4000 Kubikmeter sogenannter Inert-Abfälle der Deponieklasse II angeliefert. Dabei handelt es sich um Abfälle wie Erdaushub oder Bauschutt, die keinen wesentlichen physikalischen, chemischen oder biologischen Veränderungen mehr unterliegen. Auch künftig sollen hier keine anderen Abfälle gelagert werden.

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Entsorgungssicherheit für 20 bis 30 Jahre

Aktuell gebe es noch Platz für etwa 9000 Kubikmeter Abfall, das bedeute, der Platz reiche noch für rund zwei Jahre: „Wir brauchen also etwas mehr Fläche, um das Angebot als Aufgabe des Landkreises weiter aufrechtzuerhalten“, sagte Landrat Lothar Wölfle. Ziel sei, auch in den kommenden zehn Jahren Entsorgungssicherheit zu gewährleisten, wie sie vom Umweltministerium verlangt werde. Nach der Erweiterung sei sie für 20 bis 30 Jahre gegeben.

Geplante Arbeiten

Befristete Waldumwandlung auf 8820 Quadratmetern

Konkret handelt es sich um eine aktuell bewaldete Fläche von etwas mehr als 11 000 Quadratmetern. „Sie reicht geringfügig über die Planfeststellungsgrenze hinaus“, zeigte Pichler auf. Eine Wiederaufforstung sei an anderer Stelle im Bodenseekreis schwierig. „Der Flächendruck ist einfach zu groß“, so Pichler. Bei 8820 Quadratmetern spricht er von einer befristeten Waldumwandlung, das heißt, wenn der Deponiebereich nach 25 Jahren abgedeckt wird, soll hier wieder aufgeforstet werden.

Ersatzaufforstung bei Mühlhausen-Ehingen

Als Ersatz für die restliche, dauerhaft gerodete Fläche hat der Bodenseekreis über die Flächenagentur Baden-Württemberg eine doppelt so große Ersatzaufforstung in der Nähe von Mühlhausen-Ehingen in die Wege geleitet. „Zusätzlich gibt es eine Vereinbarung über den Verkauf von 45 383 Ökopunkten“, erläuterte Pichler. Hierfür werde zwischen Achstetten und Ersingen eine Nasswiese mit speziellen Maßnahmen für den Kiebitz auf einer Fläche von 14 777 Quadratmetern entwickelt.

Geplant sei, noch in diesem Winter mit den Rodungsarbeiten zu beginnen. Anschließend folge eine Kampfmittelsondierung. „Eventuell können wir 2020 mit der Erweiterung beginnen, es kann sich aber auch noch verzögern“, berichtete Pichler.

Nabu: Ausgleichsflächen sollten in der Nähe sein

Gerhard Knötzsch, Biologe und langjähriger Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Friedrichshafen, sieht die Rodung des Waldes nicht gern. „Aber es bietet sich an, die Deponie an dieser Stelle zu erweitern. Es gibt eigentlich keine andere Möglichkeit“, räumt er ein. Ihm und seinen Kollegen vom Nabu gefalle jedoch nicht, dass Ausgleichsflächen in ganz anderen Gebieten geschaffen werden. „Die Flächen sollten in der Umgebung sein, aber das ist hier wohl nicht möglich.“

Wunsch nach Verzahnung der Schutzgebiete

Auch Knötzsch sieht den Vorteil größerer Schutzgebiete im Vergleich zu einer Art Flickenteppich. „Andererseits sind Trittsteine wie die Grünbrücken über Bundesstraßen für die Tierwelt ganz wichtig.“ Leider fehle es häufig an der Verzahnung zwischen den Flächen. „Deshalb hat der Flächenausgleich für uns einen Pferdefuß, mit dem man sich nicht so einfach zufrieden geben kann.“ Zufrieden ist Knötzsch mit der sachgerechten Renaturierung der Deponie. „Sachgerecht durchgeführt holt sich die Natur ihre Sachen schnell zurück.“