Natürlich fährt ein E-Mobil nicht emissionsfrei. Der Strom, den es verbraucht, stammt aus dem Strommix seiner Ladestation. Seine Produktion verbraucht Energie und Ressourcen und die seiner Batterie erst recht. Professor Gunnar Schubert, Studiengangsleiter Elektrotechnik – Energie- und Umwelttechnik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, hat die Daten für Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor verglichen: Wie viel verbrauchen sie bei ihrer Produktion, wie viel für ihr Fortkommen, wie viel CO2 wird für die Bereitstellung des Energieträgers verbraten, wann fließt wie viel Strom aus welchen Quellen? Für Deutschland kommt er dennoch zu dem Ergebnis: Ein vergleichbarer Kleinwagen stößt mit Stromantrieb 126 Gramm CO2 pro Kilometer aus, ein mit Erdgas betriebenes 151, ein Dieselfahrzeug 157 und ein Benziner 165. "Sie können das von der Nutzerseite weiter optimieren: Tanken Sie Strom, wenn die Sonne scheint oder viel Wind weht – dann speisen die Träger erneuerbarer Energien viel in die Netze ein. Oder bauen Sie eine Fotovoltaik-Anlage." Schubert hält einen der Vorträge beim ersten E-Mobility-Forum Bodenseekreis.

Professor Gunnar Schubert erklärt, warum ein E-Mobil weniger CO2 ausstößt als ein Auto mit Verbrennungsmotor.
Professor Gunnar Schubert erklärt, warum ein E-Mobil weniger CO2 ausstößt als ein Auto mit Verbrennungsmotor. | Bild: Corinna Raupach

Irmtraud Schuster, Leiterin des Dezernats für Umwelt und Technik im Landratsamt Bodenseekreis, sagt: "Wir konnten mit dem Forschungsprojekt Emma viele Erfahrungen sammeln." Der Bodenseekreis engagiere sich auch nach Ende des Projekts für den Ausbau der e-mobilen Infrastruktur. "Jetzt geht es darum, diese Form der Mobilität auch in den Köpfen zu verankern."

Bernd Vahlensieck stellt die ZF-Entwicklungen im Bereich E-Mobilität und Effizienzsteigerung vor.
Bernd Vahlensieck stellt die ZF-Entwicklungen im Bereich E-Mobilität und Effizienzsteigerung vor. | Bild: Corinna Raupach

Bernd Vahlensieck, Leiter Zentrale Vorentwicklung bei ZF, erklärt: "Wir haben es mit einer Evolution zu tun, nicht mit einer Revolution." Der Markt für Verbrennungsmotoren werde erst langsam, dann immer schneller kleiner. Das liege auch an den politischen Vorgaben für den Klimaschutz. Der bis 2021 geforderte Grenzwert von durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer sei mit Verbrennungsmotoren zu schaffen, durch effiziente Motoren und Leichtbauweise. "Der nächste Schritt geht nur mit Elektrifizierung", sagt Vahlensieck. ZF entwickle elektrische Achsantriebe, bis zu vier Motoren mit 120 Kilowattstärke werden verbaut. "Da beschleunigt ein Bus schon formel-E-verdächtig, solange er leer ist", sagt er. Allerdings hänge ein nachhaltiger Ausbau auch vom Gelingen der Energiewende ab.

Schon bei der langen Nacht der Technik konnten die Besucher den Traktor sehen, der autonom seinen Anhänger ansteuert und sich von dessen elektrischen Achsantrieb den Berg hochschieben lassen kann.
Schon bei der langen Nacht der Technik konnten die Besucher den Traktor sehen, der autonom seinen Anhänger ansteuert und sich von dessen elektrischen Achsantrieb den Berg hochschieben lassen kann. | Bild: Corinna Raupach

Die Grenzen von Ressourcen und Wachstum bedenkt Andrea Weuffen von der ZF-Abteilung Corporate Research Development. "Ausgangspunkt der Überlegungen ist immer die Effizienz", sagt sie. Wenn Lastwagenfahrer auf der Autobahn schlafen, Geschäftsreisende im Auto arbeiten und Taxis ohne Fahrer fahren können, steigert das die Effizienz. "Die Automatisierung muss nicht in einem Schritt kommen, sie wird in Teilbereichen realisiert." Einparken können Autos schon allein, Traktoren docken ferngesteuert an ihre Anhängerkupplung an. Weuffen verbindet damit weitere Denkmodelle: "Sie könnten mit einem Konzertticket die Fahrt kaufen: Sie werden von einem autonom fahrenden Fahrzeug abgeholt, das sammelt weitere Gäste ein." Ein kleinteiliger ÖPNV hätte das Potenzial, die Fahrzeuge auf den Straßen wesentlich zu reduzieren.

Über mögliche Verbindungen von elektrischem und autonomem Fahren mit neuen Geschäftsmodellen referiert Andrea Weuffen.
Über mögliche Verbindungen von elektrischem und autonomem Fahren mit neuen Geschäftsmodellen referiert Andrea Weuffen. | Bild: Corinna Raupach

 

Das Forum

Das erste E-Mobility-Forum Bodenseekreis steht unter dem Motto "Elektromobilität und Autonomes Fahren – Chancen und Risiken im Bodenseekreis". Es bildet den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, die jährlich Experten, Nutzer und Anbieter aus dem Bereich Elektromobilität zusammenbringen soll. Veranstalter ist das Landratsamt Bodenseekreis mit ZF Technical Training und Netzwerk Oberschwaben. Neben Vorträgen zu Zukunftsthemen bietet das Forum den 150 Teilnehmern die Möglichkeit zu Erfahrungsaustausch und Vernetzung. Dazu dient der Marktplatz, auf dem sich zwölf Aussteller aus den Bodensee-Anrainerländern präsentieren, darunter Energieunternehmen, Verkehrsverbände und Entwicklungsfirmen für e-mobile Dienstleistungen und Produkte.