Wer brennend daran interessiert ist, herauszufinden, wie es im Inneren des Materialwirtschaftszentrums (MWZ) von Rolls-Royce Power Systems (RRPS) aussieht, bekommt im Normalfall keine Chance. Ganz anders für SÜDKURIER-Leser am Mittwochabend. Sie haben eine exklusive Führung durch das MWZ in Kluftern erhalten, das in der Produktionslogistik von MTU eine entscheidende Rolle spielt.

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Sogar Ex-Mitarbeiter staunen

„Ich habe 47 Jahre für die MTU gearbeitet und bin seit fünf Monaten in Rente. In all der Zeit habe ich das Zentrum nie gesehen, denn während meines Arbeitsalltags kam ich nie dort hin“, erklärt Josef Fischer im Anschluss an die Führung. Der SÜDKURIER-Leser ergänzt: „Deshalb war es sehr interessant, etwas über die Arbeitsabläufe zu erfahren und einen Einblick in das Lager zu erhalten.“

Blick in das automatische Kleinteilelager (AKL): Bevor die Arbeiter an zehn Plätzen bis zu sieben Kundenaufträge pro Platz kommissionieren, durchlaufen die Materialien zuerst die Annahme und werden vorbereitet. Die Plätze für Eilaufträge im AKL sind ganz vorne.
Blick in das automatische Kleinteilelager (AKL): Bevor die Arbeiter an zehn Plätzen bis zu sieben Kundenaufträge pro Platz kommissionieren, durchlaufen die Materialien zuerst die Annahme und werden vorbereitet. Die Plätze für Eilaufträge im AKL sind ganz vorne. | Bild: Singler, Julian

Laut Tobias Eble (MTU) arbeiten in der 46 000 Quadratmeter messenden Halle des MWZ circa 200 Stute- sowie 40 MTU-Mitarbeiter. Im MWZ werden unterschiedlichste Auftragstypen bearbeitet. Für einen Standardauftrag werden drei Arbeitstage benötigt, informiert Eble. „Die Materialien dürfen nicht zu früh angeliefert werden, denn dafür haben wir den Platz nicht.“

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Alles beginnt in der Kalthalle

Während der Besichtigung des Lagers in Kluftern führt Dominic Dörsam, der das operative Geschäft verantwortet, die Besucher einmal rundherum. „Alle Anlieferungen mit dem Lastwagen vollziehen sich zu einhundert Prozent in der Kalthalle, bevor die Materialien in die Warenhalle wandern. Den Begriff Kalthalle gibt es deshalb, weil die komplette Restfläche mit einer Fußbodenheizung ausgestattet ist“, erläutert er. Das trage zum Korrosionsschutz der Bauteile bei.

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„Die Staplerfahrer fahren die Waren an einen vorgegebenen Platz, der mithilfe des voll automatisierten Systems auf einem Display eingesehen werden kann. Materialien können dann nur ein paar Stunden oder sogar Jahre in den Regalen liegen. Ein Autoteil von einem alten BMW wird beispielsweise nicht so häufig benötigt und kann folglich lange liegenbleiben“, schildert Dominic Dörsam. Ziel sei es, so viel wie möglich automatisiert geschehen zu lassen. Allerdings sei es wichtig, dabei das richtige Maß zu finden.

Laut Dominic Dörsam, Betriebsleiter bei Stute Logistics, gibt MTU jede Nacht gleichsam einen „Einkaufszettel“ ab und teilt mit, was gebraucht wird. Und flugs beschaffen Gabelstaplerfahrer die in den Regalen einsortierte Ware und begeben sich dafür in mehr als zehn Metern Höhe.
Laut Dominic Dörsam, Betriebsleiter bei Stute Logistics, gibt MTU jede Nacht gleichsam einen „Einkaufszettel“ ab und teilt mit, was gebraucht wird. Und flugs beschaffen Gabelstaplerfahrer die in den Regalen einsortierte Ware und begeben sich dafür in mehr als zehn Metern Höhe. | Bild: Singler, Julian

Regale in schwindelerregender Höhe

Bis zu sieben Stunden bewegen und bedienen die Mitarbeiter ihren jeweiligen Stapler. Um auf Dauer die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und Gesundheitsaspekten Rechnung zu tragen, können die Staplerfahrer laut Dominic Dörsam auch mal die Tätigkeiten wechseln und rotieren. „Die Staplerfahrer haben eine Kameraunterstützung und können entweder stehen oder sitzen. Im Vergleich zu früher hat sich einiges verändert und der Rücken wird dadurch entlastet“, ergänzt der Betriebsleiter. „Ich bewundere jeden, der das kann. Für mich wäre das in den hohen Regalen nichts. Die Regale an sich sind über 14 Meter hoch, der höchste Einlagepunkt liegt in 11,55 Metern Höhe.“

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Genau wie Ex-MTU-Mitarbeiter Josef Fischer nehmen auch die anderen SÜDKURIER-Leser reichlich Eindrücke aus dem MWZ mit nach Hause. Sieglinde Bosch: „Ich habe früher selbst kommissioniert, aber ganz anders. Der Einblick war sehr interessant, normalerweise bekommt man die Arbeitsabläufe nicht mit.“ Ralf Hölz hat es ebenfalls gefallen. „Ich wohne in Immenstaad und kannte das MWZ bislang nur vom Vorbeifahren. Die Abläufe sind interessant. Bei MTU stellt man sich natürlich immer Motoren vor, aber was vor dem fertigen Produkt alles passiert, ist spannend.“

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