Der SÜDKURIER greift in diesem Sommer in der historischen Serie "Gedächtnis der Region" die 1960er-Jahre auf und die Redaktionen Friedrichshafen und Markdorf suchen Fotos aus den Jahren 1960 bis 1969 zu besonderen Geschehnissen und Themen. Auch Zeitzeugen sind gefragt, die aus erster Hand etwas über bedeutende Dingen erzählen können oder damals in Friedrichshafen, Immenstaad, Markdorf, Bermatingen und Deggenhausertal aufgewachsen sind.

Ein prägendes Ereignis in den 60er Jahren in Markdorf war der Rathausbrand am 2. Januar 1964. Gegen 6 Uhr am Morgen wurde von den Putzfrauen im Gebäude Brandgeruch wahrgenommen, wenig später schlugen bereits Flammen aus dem Dachstuhl des 400 Jahre alten Rathauses. Das Gebäude wurde durch den Brand so stark beschädigt, das es vollkommen abgerissen werden musste. Die Verwaltung zog ins "Alte Schulhaus", 1965 wurde das heutige Rathaus gebaut.

Ebenfalls in den 60er Jahren wurde das Bildungszentrum gegründet. 1963 forderte der Elternbeirat der Volksschule Markdorf in einem Brief an das Bürgermeisteramt die Einrichtung einer höheren Schule in der Stadt, 1967 kam der Vorschlag des Kultusministeriums, ein ländliches Bildungszentrum mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule zu errichten. Das "kooperative BZM“ nahm seine Arbeit auf. Auch standen die 60er Jahre im Zeichen der Industrialisierung, viele Firme siedelten sich an, zum Beispiel begannen die Alpla-Werke 1964 mit der Herstellung von Verpackungen aus Kunststoff, die Firma Hans Wälischmiller siedelte 1964 von Meersburg nach Markdorf um und die Schleicher & Co AG, schon seit 1956 in Markdorf, beschäftigte sie 1965 mit Aktenvernichtung und führte den "elektrischen Papierkorb" ein. Der Markdorfer Unternehmer Albert Weber machte sich 1969 mit einer gebrauchten Drehbank im Hühnerstall des Vaters selbständig. Schon bald fertigte er komplexe Drehteile für MTU und ZF Friedrichshafen. Damit nahm die Erfolgsgeschichte von Weber Automotive ihren Lauf. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte: Der Campingplatz Wirtshof. 1969 ist das Jahr, in dem aus dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Wirth der Campingplatz entstanden ist.

Tief verwurzelt in dem Gedächtnis der Region ist der 7. Februar 1963. An diesem Tag wird die Schifffahrt auf dem Bodensee komplett eingestellt, weil der Bodensee völlig zugefroren ist. Während der sogenannten Seegfrörne hielten sich nicht nur Fußgänger und Schlittschuhläufer auf dem See auf, sondern auch Fahrrad-, Motorrad- und Autofahrer oder Reiter.

In den 1960ern waren die Gebäude des Strandbads in Immenstaad überaltert und abbruchreif. Obwohl auch andere Bauprojekte in der Gemeinde auf dem Plan standen, setzte sich das Strandbad durch: Am 8. Juni 1969 wurde das neue Bad feierlich eröffnet. Die Baukosten lagen bei 610 000 Mark. Die Bürger leisteten über die "Fördergemeinschaft Strandbad" einen Beitrag von 30 000 Mark.

Eine besonder Beziehung pflegte Immenstaad zu der Stadt Solingen: Hans Meichle, der 1950 bis 1970 das Verkehrsbüro in der Bachstraße leitete, hatte vereinbart, dass Mitarbeiter der Solinger Verwaltung zur Erholung nach Immenstaad geschickt wurden. Ruth Dierenbach, die 1968 im Verkehrsbüro arbeitete, erinnert sich: "Die Solinger kamen immer für 20 Tage im Wechsel. Es entstanden viele Freundschaften und auch einige Ehen zwischen Immenstaadern und Solingern."

Kurgäste aus Solingen kommen 1962 in der Bachstraße in Immenstaad an. Dort war seit 1950 das Verkehrsbüro, das bis 1970 von Hans Meichle geführt wurde. Aus den regelmäßigen Besuchen der Solinger entstanden auch Ehen. Bild: Heimatverein Immenstaad
Kurgäste aus Solingen kommen 1962 in der Bachstraße in Immenstaad an. Dort war seit 1950 das Verkehrsbüro, das bis 1970 von Hans Meichle geführt wurde. Aus den regelmäßigen Besuchen der Solinger entstanden auch Ehen. | Bild: Heimatverein Immenstaad
Kurgäste aus Solingen kommen 1962 in der Bachstraße in Immenstaad an. Dort war seit 1950 das Verkehrsbüro, das bis 1970 von Hans Meichle geführt wurde. Aus den regelmäßigen Besuchen der Solinger entstanden auch Ehen. Bild: Heimatverein Immenstaad
Kurgäste aus Solingen kommen 1962 in der Bachstraße in Immenstaad an. Dort war seit 1950 das Verkehrsbüro, das bis 1970 von Hans Meichle geführt wurde. Aus den regelmäßigen Besuchen der Solinger entstanden auch Ehen. | Bild: Heimatverein Immenstaad