Das starke Abschneiden der rechtspopulistischen Partei AfD bei den Landtagswahlen sorgt für Entsetzen bei den Vertretern der etablierten Parteien. Die Wahlkreiskandidatin der AfD dagegen sieht in den 15 Prozent für ihre Partei „einen guten Moment für die Demokratie“. Sie kommentierte am Sonntagabend an unbekanntem Ort: „Wir hatten einen wunderbar geführten Wahlkampf, der voll auf unsere Kosten ausgetragen wurde, bei dem das Ergebnis uns aber zufrieden stellt“. Weiter sagte sie: „Die Menschen wollen einen Wechsel durch eine sehr lebendige Opposition im Landesparlament.“

Im Bodenseekreis erreichte die AfD 12,41 Prozent der Stimmen, 2,6 Prozent weniger als auf Landesebene. Noch höher als im Landesdurchschnitt fällt das AfD-Ergebnis in Eriskirch aus, hier kommt sie auf 16,73 Prozent. In Friedrichshafen erreicht sie 14,96 Prozent, den niedrigsten Wert weist Heiligenberg mit 7,82 Prozent aus. Die AfD-Anhänger feierten, allerdings gab die Partei den Ort ihrer Wahlparty nicht bekannt. „Wir wollen unter uns bleiben“, sagte Weidel. Sobald sie die Gaststätte bekannt geben, bekämen die Wirte „einen Brief von der SPD und werden bedroht“, behauptete sie.

Martin Hahn, der für die Grünen das Direktmandat im Wahlkreis errungen hat, sagte: „Ich hoffe, dass ich solche Leute wie Alice Weidel nicht täglich im Landtag ertragen muss. Die AfD zählt für mich nicht zu den demokratischen Parteien und wir werden es auch weiterhin ablehnen, mit denen zu arbeiten.“ Nach den Podiumsdiskussionen im Wahlkampf müsse er sagen: „Die AfD ist eine inhaltsleere Partei, ausschließlich gegen alles.“

„Furchtbar“, kommentierte Klaus Hoher (FDP-Kandidat) das Abschneiden der AfD auch im Bodenseekreis. Für Hoher war der Verursacher des Aufstiegs der Protestpartei klar: „Da ist Frau Merkel schuld daran“, sagte Hoher. FDP-Kreisvorsitzender Hans-Peter Wetzel schreibt das Ergebnis der AfD auch „den großen Parteien“ zu, die es versäumt hätten, „sich frühzeitig thematisch mit der AfD auseinander zu setzen“. Stattdessen hätten sie sie in die Schmuddelecke gestellt, „das kommt bei den Wählern nicht gut an“.

Landrat Lothar Wölfle (CDU) kommentierte: „Ich verstehe das einfach nicht, warum die AfD so ein gutes Ergebnis erzielen konnte. Die AfD vermittelte in ihrem Wahlkampf null Inhalte und ist nur gegen alles.“

„Dass die AfD einige Direktmandate geholt hat, trifft mich. Ich finde das unmöglich“, sagte CDU-Kandidatin Susanne Schwaderer. Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (CDU) ist „schockiert über das Abschneiden der AfD“. Er könne sich nicht erklären, „wie so viele Leute solche Hetzer wählen können. Für uns als CDU im Bund ist es nun eine ganz wichtige Aufgabe, dass wir bald eine Lösung für Europa erreichen. Die AfD verspricht einfache Lösungen, die es aber nicht gibt.“ Riebsamens Parteifreund und bisheriger Landtagsabgeordneter Ulrich Müller: „Das ist wirklich problematisch. Dieses Wahlergebnis hängt damit zusammen, dass die Volksparteien insgesamt verloren haben. Wir haben die Rechte an die AfD verloren und die Linke an Kretschmann.“

„Das Wahlergebnis der AfD macht mich zornig“, sagt Dieter Stauber, Landtagskandidat der SPD. Rund zwölf Prozent der Wählerstimmen für eine Partei, die aus Sicht des SPD-Landtagskandidat lediglich ein Thema hatte. „Wir hingegen wollten im Wahlkampf nicht nur über Flüchtlinge reden, sondern haben uns auch mit den Themen Bildung, Familie, Verkehr und vielem mehr beschäftigt“, so Stauber weiter. Im Wahlkampf habe man das Gefühl gehabt, dass sich das auch die Wähler wünschen. „Aber schlussendlich hat die Afd mit ihrem Nicht-Programm wohl zahlreiche Nicht-Wähler und Wähler konservativer Parteien erreicht. Ich gönne es der AfD nicht.

Andreas Brand, Oberbürgermeister von Friedrichshafen: „Wir müssen jetzt vernünftig mit diesem Problem umgehen. Wir dürfen keine Schelte betreiben und pauschale Urteile fällen. Die Arbeit im Landtag muss deutlich machen, dass es bessere Alternativen als die AfD gibt.“

Mathilde Gombert (Fraktionschefin Grüne in Friedrichshafen) findet es „entsetzlich, wie die AfD abgeschnitten hat“. Sie hoffe, „dass man diese Partei mit Argumenten schlagen kann und dass sie nur eine vorübergehende Erscheinung sind“.

Matthias Klemm, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbands in Friedrichshafen: „Das Ergebnis ist ganz bitter, das tut weh. Man kann die Probleme, die wir haben, nicht mit einfachen Worten lösen. Deshalb wird es schwieriger für demokratische Prozesse werden. Auf der anderen Seite ist es nicht das Schlechteste für die Demokratie, wenn sich die Menschen klar artikulieren. Besser als stummer Protest. Das müssen wir aushalten.“

Adnan Sabah, Ortsvorsitzender der SPD in Überlingen, kommentierte das Abschneiden der AfD: „Ich bin schockiert, dass viele Menschen sich von extremistischen Parteien beeinflussen ließen. Wir müssen schleunigst versuchen, für mehr Aufklärung zu sorgen, viele Wählerinnen und Wähler haben sich von der Angst steuern lassen. Die Ängste der Bürgerinnen und Bürger müssen wir ernster nehmen. Es ist unsere Aufgabe, diese Menschen in den Hafen der demokratischen Parteien zurückzuführen.“

Roberto Salerno, Kandidat der Linken, kommentierte: „Die AfD hat mit den Ängsten der Menschen gespielt. Weil das Flüchtlingsthema dominiert hat, wurde der Schrecken der Menschen ausgenutzt. Es ist einfach erschreckend und menschenverachtend, dass man die Menschen so ausnutzt. Wenn man die anderen Ziele der AfD, abgesehen von der Flüchtlingspolitik, betrachtet, wie etwa das Einschränken der Pressefreiheit, dann kann ich einfach nur sagen: Viele wissen nicht, welche Partei sie da wirklich gewählt haben.“

Anette Groth, Bundestagsabgeordnete der Linkenn: „Natürlich ist das Abschneiden der AfD erschreckend. Ich habe das schon vor Jahren hervorgesagt, dass sich die EU nach rechts bewegt. Leider habe ich mit meiner Vermutung Recht behalten.“